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In eigener Sache

Von Marion Pietrzok
18.05.2012

Von der Kunst, wahrhaftig zu sein

Der Maler Ronald Paris: Buchvorstellung bei »nd im club«

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Eine Buchvorstellung bei »nd im club«, das zehnte in der Reihe von Gesprächsbüchern, die »neues deutschland« und der Verlag Das Neue Berlin herausgeben. Doch erst einmal sind es Gemälde, an der Stirnwand des Münzenberg-Saals aufgestellt, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Arbeiten von Ronald Paris. Ein in hellen Farben gehaltenes Porträt der Schauspielerin Inge Keller von 2010 oder, auf einer Staffelei präsentiert, eine in blickschärfender Farbgebung und Komposition gehaltene Szene, die Bootsflüchtlingen - im Moment ihrer Ankunft auf Lampedusa - gewidmet ist. Auf ein paar Tischen - das sonst übliche Veranstaltungspodest hat sich versteckt - eine jedes Kennerauge und jeden Laien magisch anziehende, lose Auswahl von Grafiken, die aus unterschiedlichen Anlässen entstanden sind, zum Beispiel Porträts, Studienblätter zu Marsyas und Apoll, eine Lithografie mit einem Motiv von Sosopol. Aber es war und ist nicht nur die einzigartige Faszination, die von bildender Kunst, von den realistischen Gestaltungen aus der Meisterhand des Ronald Paris ausgeht, die zum »nd im club« lockte. Dem Künstler persönlich begegnen, mehr von seiner Sicht auf die Welt erfahren, das war, wie erhofft, das Erlebnis.

Der Maler und Grafiker, am Mittwochabend von Buchinterviewerin und nd-Redakteurin Karlen Vesper charmant befragt, strahlt Wärme aus. Ein Mensch, der Geschichte erlebt hat: der aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges, über die großen Hoffnungen einer neuen, menschenfreundlichen Gesellschaft auf deutschem Boden und den Reibungen in deren Antriebsmaschinerie in die gegenwärtige Geld-ist-alles-Zeit geriet. Klugheit und Charakterfestigkeit - sie teilt sich mit in seinem lebhaften, freimütigen Erzählen und befreit alles angespannt oder als unumstößlich Aufzufassende immer wieder in freundliches, sich selbst zurücknehmendes Lächeln und Lachen. Lebensweise Heiterkeit in den blauen Augen hinter den Brillengläsern, und blitzend, flink alles beobachtend geht der Blick. Man bemerkt eine Temperamentslage, für die Stillsitzen und Nichtstun normalerweise schwer erträgliche Verhaltensweisen sind. Beobachten, das in die Tiefe gehende, das ist sein Metier. In der Kunst nicht die Oberfläche widerspiegeln, wie sie sich in der Fotografie präsentiert - von der hatte ihm sein Lehrer Otto Nagel in der Meisterschülerzeit an der Akademie der Künste abgeraten -, sondern das Verdichten des Gesehenen, des Erfahrenen, des Empfundenen im Bild, um damit Betroffenheit auszulösen, das ist, was bildende Kunst vermag. Ronald Paris, der bald Achtzigjährige, sagt über seine Arbeit, die - gemessen auch am »nd im club«-Besucherzahl-Barometer - außerordentlich große Resonanz findet: »Malerei bietet die Chance, die Ereignisse anders, vor allem emotional wahrzunehmen«. Aus welchem Impuls heraus er schaffe? Der Bildhauer und Kommunist Alfred Hrdlicka habe es treffend formuliert: »Ich brauche keine Intuition, ich lese Zeitung.«

Die Probleme unserer Welt, die der Turbokapitalismus schafft, sie treiben Paris um. Dass mit dieser menschenfeindlichen Gesellschaftsordnung nicht das Ende der Geschichte erreicht ist, davon ist er überzeugt. Das Durchschauen - es ist ein dem Beobachten, dem genauen Hinsehen nachfolgender Prozess. Paris beherrscht es und kleidet es in Bilder - die von einer Ästhetik sind, dass sie sowohl sinnlich ansprechen als auch zum Denken anregen. Wahre Kunst bringe den Moment zur Wahrhaftigkeit. Treffend daher der Titel des Interviewbuches, für das Ronald Paris während vieler Treffen und Gespräche Karlen Vesper Auskunft über sein Leben und Schaffen gab: »Wahr und wahrhaftig«.

● Karlen Vesper: Ronald Paris - Wahr und wahrhaftig. neues deutschland und Das Neue Berlin; 240 S., zahlr. Abb.; 18,95 €.

● Zu bestellen im nd-shop: 030/2978-1777 oder shop@nd-online.de

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