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Von Jörn Bender, Rüsselsheim (dpa)
18.05.2012

Astra geht nach England

Aus für Bochumer Werk rückt immer näher

Die Dauerkrise zwingt den Autobauer Opel zu weiteren Einschnitten. Die Verlagerung der Astra-Produktion ins billigere Ausland dürfte erst der Anfang sein. Das Werk in Bochum gilt seit langem als Wackelkandidat.

Der Autobauer Opel kommt um Einschnitte in seinem Stammland nicht mehr herum. Dass Rüsselsheim künftig nicht mehr für eine Astra-Produktion »Made in Germany« steht, ist nach Ansicht von Experten erst der Anfang eines Kahlschlags. Die US-Konzernmutter General Motors (GM) hat schon lange genug von den schlechten Ergebnissen ihrer Europatochter.

Noch heißt es aus dem Konzern, über die Zukunft des Werkes in Bochum mit 3200 Beschäftigten sei noch nicht entschieden. Fachleute wie Ferdinand Dudenhöffer sind indes überzeugt: »Das Aus für Bochum kommt, das ist jetzt näher denn je.« Der schwache Automarkt zwinge den seit Jahren kriselnden Hersteller zum Kampf gegen ausufernde Kosten und Absatzschwäche, so Dudenhöffer: »Mittelfristig kommt Opel nicht darum herum, zwei Werke zu schließen.«

Noch kann Opel einen solchen teuren Schritt vermeiden. Offensichtlich aber auch nur, weil die Belegschaft im britischen Ellesmere Port - die drohende Schließung ihres Werkes vor Augen - zu weitreichenden Zugeständnissen bereit war. »Take it or leave it!« (»Friss oder stirb!«), soll die Botschaft der Geschäftsführung gewesen sein, sagen Gewerkschafter.

Hessens SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel appellierte an die GM-Führung, die europäischen Standorte nicht gegeneinander auszuspielen: »Es kann nicht sein, dass der Standort, der seine Arbeitnehmer am meisten knechtet und ihre wohlverdienten Löhne kürzt, den Zuschlag bekommt. Dieser Umgang mit den Arbeiterinnen und Arbeitern erinnert an die dunkelsten Zeiten der Industrialisierung.«

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke versicherte: Am modernsten Werk von Opel/Vauxhall in Rüsselsheim wird nicht gerüttelt. Allerdings erwarte er auch dort ein Entgegenkommen der Belegschaft, wie er der »Allgemeinen Zeitung Mainz« sagte: »Mein klares Ziel ist, Rüsselsheim in Dreischicht voll auszulasten. Wir brauchen dafür die Unterstützung der Arbeitnehmer in der Form, dass wir produktiver, flexibler und effizienter am Standort arbeiten.«

Neue Konflikte mit Betriebsrat und IG Metall scheinen programmiert. Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug machte im Gespräch mit der dpa deutlich: »Lohnverzicht ist bei uns derzeit kein Thema.«

Bereits jetzt müssen die Mitarbeiter bluten: Im »Zukunftsvertrag« von 2010 steht, dass die Beschäftigten bis 2014 jährlich einen Beitrag von 265 Millionen Euro zur Rettung leisten. Knapp 177 Millionen Euro entfielen auf die Mitarbeiter in den vier deutschen Werken. Mit Millioneninvestitionen will Opel nun sein Werk in England und im polnischen Gliwice auf Vordermann bringen.

Schäfer-Klug räumt zwar ein: »Das ist kein guter Tag für Rüsselsheim.« Es hätte genug Möglichkeiten gegeben, auch künftig Astras in Rüsselsheim zu produzieren. Es wäre auch für die Kunden gut gewesen, einen Astra aus Deutschland zu haben.« Dennoch zeigt er sich optimistisch: »Opel hat gutes Potenzial, wenn man das Unternehmen ordentlich managt.«

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