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Von René Heilig
18.05.2012

Bestenfalls linkisch

Bartsch oder Lafontaine? Der Streit um den künftigen Alpha-Mann der LINKEN hat weiter groteske Züge

Wer wird Chef bei den LINKEN - Lafontaine oder Bartsch? Innerparteiliche Demokratie und Vernunft sind in die Verbannung geschickt. Der Schlagabtausch trägt surreale Züge. In zwei Wochen trifft man sich zum Parteitag in Göttingen. Gerät er zum »Showdown«?

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die Union auf 35 Prozent, die SPD auf 30 Prozent, die Grünen hätten 13 Prozent, die Piraten fahren neun Prozent ein. Die FDP wäre mit vier Prozent draußen. Ob die LINKE im Bundestag vertreten wäre, ist fraglich, ihr traut man derzeit - nur oder noch - fünf Prozent Stimmenanteil zu. In Kiel und Düsseldorf wurden die LINKEN bereits aus den Landesparlamenten rausgewählt, in Niedersachsen würde man derzeit nur noch drei Prozent Wähler überzeugen.

Trotz »Herrentag« - Steffen Bockhahn ist völlig nüchtern, als er gegenüber »nd« bestätigt: »Ich hoffe, dass wir unsere beste Zeit vor uns haben.« Damit hat sich der Landeschef der LINKEN in Mecklenburg-Vorpommern weit von vielen Mitgliedern entfernt, die angesichts der an Schärfe zunehmenden Auseinandersetzungen um die zukünftige Führung kaum noch Hoffnung haben. Doch Bockhahn »kann das ganze Gerede vom ›Spaltung‹ nicht mehr hören. So redet man sie herbei. Und wer hätte davon einen Gewinn?!« Er sei 17 Jahre in der Partei. Schon mehrmals lag sie am Boden, doch immer wieder habe man solidarisch die Kraft zum Aufstehen gefunden, denn: »Die LINKE hat eine Aufgabe in diesem Land, mehr denn je wird sie gebraucht, in- und außerhalb der Parlamente.«

Hoffnung hat auch der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow. Er spielt auf die Zerreißprobe beim Geraer PDS-Parteitag an und sagt: »Es gab einen Tag nach Gera und es wird einen Tag nach Göttingen geben.« Nach wie vor vertraut er auf »die Pluralität, die Solidarität, die Toleranz«, mit der die PDS ihren Weg begonnen hat. Umso schlimmer, dass die Führung jetzt eine »Schmierenkomödie übelster Art« aufführt. Parteichef Klaus Ernst, der wie »der Pressesprecher von Oskar Lafontaine« agiere, sei »eine Katastrophe«.

Und so sehen es wohl auch viele Mitarbeiter im Karl-Liebknecht-Haus nach einer Belegschaftsversammlung. Dass der Noch-Vorsitzende tief in der Gewerkschaftsbewegung verwurzelt sei, hielten viele danach für ein Gerücht. Ernst bezichtigte sie am Dienstag offenbar pauschal der Illoyalität, wetterte, die Mitarbeiter verdankten ihren Job vor allem Lafontaine, der während Ernst's Amtszeit »immer im Hintergrund« gewesen sei.

Bereits am Montag hatte der LINKEN-Chef während einer Pressekonferenz geäußert, viele Bundestagsabgeordnete verdankten ihre Direktmandate Lafontaine. Doch am Mittwoch »schoss er den Vogel ab«, meint Wulf Gallert, Fraktionschef in Sachsen-Anhalt. Im »Deutschlandfunk« hatte Ernst behauptet: »Wenn wir eine Urabstimmung hätten über diese Frage, würde sie so eindeutig für Oskar Lafontaine ausgehen wie fast keine andere Abstimmung außer vielleicht über unser Programm. Da hatten wir 96 Prozent Zustimmung.«

Ernst's Einlassung sei »eine so bodenlose Frechheit, dass es mir die Sprache verschlägt«, sagt Gallert. »Wenn die Partei jetzt kein Stoppzeichen setzt, dann ist die katholische Kirche im Vergleich zu uns eine basisdemokratische Bürgerbewegung.« Zur Erinnerung: Es war vor allem Ernst, der die ja beantragte Urabstimmung über die neue Führung torpedierte. Die Bundesschiedskommission stellte später fest, dass der Ablehnungsbeschluss satzungswidrig war.

Doch die ostdeutschen Landeschefs hielten still, legten kein Rechtsmittel ein, weil Ernst versprochen hatte, ein »kooperatives Miteinander« der kommenden Führung auf den Weg zu bringen. Doch, so meint Ramelow, der Vorsitzende hätte alle Mahner nur hingehalten und »Klappe halten!« befohlen, um dann eine »Krönungsmesse« für Lafontaine veranstalten zu wollen. So »ganz nebenbei« erinnert der Thüringer an die Satzung der LINKEN. In der sei vermerkt, dass zwei männliche Vorsitzende nicht infrage kommen, wohl aber zwei Frauen an der Spitze der Partei.

Der Ex- und möglicherweise neue Parteivorsitzende Lafontaine ist zweifellos ein Mann. Ein Mann, ein Wort? Kaum hatte er sich nach monatelangem Schweigen bereit erklärt, an die Spitze der LINKEN zurückzukehren, schon stellte er Bedingungen. Keine Kampfkandidatur, lautet eine, denn so etwas habe er noch nie getan. So? 1995 boxte er den designierten Vorsitzenden Rudolf Scharping mit einer fulminanten Rede ans Delegiertenvolk aus dem Ring. So leicht wird er es mit seinem LINKEN-»Intimfeind« Dietmar Bartsch in Göttingen wohl nicht haben. Zwei Sieger sind besser als zwei Verlierer, denkt sich LINKEN-Fraktionschefin Dora Heyenn aus Hamburg. Sie will eine Doppelspitze aus Lafontaine und Bartsch - und dafür eine Aussetzung der Satzung.

»Wir sind die Linke«, heißt es in einem strömungsübergreifenden Appell, der am Mittwochabend auf den Weg gebracht wurde. Man sehe »die Gefahr, dass der Parteitag in einem Showdown endet, bei dem wir alle als die LINKE verlieren werden«, heißt es darin. »Die wirkliche Kraft der Partei geht in diesem Krisenszenario unter; sie wird übersehen und unterschätzt.« Damit erinnert man an die Genossinnen und Genossen, die derzeit höchstens noch als »Basis« vereinnahmt werden. Mal von der, mal von jener Seite. »Sie haben das Zeug, Führungsaufgaben zu übernehmen - wir werden ihnen nicht gerecht, wenn wir sie ignorieren und nach einem Erlöser, einem Messias rufen.«

Glaubt man dem zdf-Politbarometer, erwarten 29 Prozent aller Befragten, dass es mit Lafontaine für die LINKE aufwärts geht. 64 Prozent schütteln den Kopf. Von den Anhängern der Partei glauben 63 Prozent nicht an eine Lafontaine-Trendwende, 37 Prozent machen sich entsprechende Hoffnungen. Nach den Erwartungen an Bartsch wurde nicht gefragt.

26 Kommentare

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  • Symphausdd / 17. Mai 2012 18:20

    Und warum ?

    Und warum wohl wurde nach Bartsch gar nicht erst gefragt?

    Die LINKE als gesamtdeutsche Partei hat eine Chance und Zukunft nur mit Oskar Lafontaine!
    Nie und nimmer mit Bartsch, der ein guter Parteimanager sein mag, aber im gesamtdeutschen politischen Diskurs einfach viel zu wenig auf die Waage bringt!

    Das politisches Ego von Bartsch ist in Anbetracht der existentiellen Krise der Gesamtpartei sehr viel weniger wichtig als er glauben mag!
    Er sollte spätestens jetzt seine Kandidatur zugunsten von Lafontaine zurück ziehen! Eine 2. SPD wird in diesem Land nicht gebraucht.

  • max-stirner / 17. Mai 2012 18:43

    Von der "Partei des demokratischen Sozialismus" zu den "Permanente Desillusionie

    Es gibt eine Chance, daß der Einfluß der Pseudo-Reformer um Bartsch und die ostdeutschen Granden durch marxistische Kräfte zurückgedrängt wird. Sollte das aber nicht gelingen, muß die Frage gestellt werden, ob man in der PDL mit diesen Pseudo-Reformern weiter arbeiten kann. Letztere tun alles, und sie müßten merken, daß ihr Tun miserabel ist, wird es doch ausgerechnet durch die bürgerliche Journaille unterstützt, um die PDL den Todesstoß zu versetzen.

    Unter Umständen muß die PDL sich von diesen Leuten trennen, noch besser: diese Pseudo-Reformer verlassen die PDL und gründen eine neue Partei, deren Ziel nichts ist, ihre Bewegungslosigkeit aber alles. Meinetwegen können sie als Ost-Partei figurieren und sich wieder PDS nennen, wobei PDS nicht streht für "Partei des demolratischen Sozialismus", sondern für "Permanente Desillusionierungs-Solisten".

    Warum ist einst die KPD, die sich gründete durch die Loslösung von der reformistischen SPD, so stark geworden? Weil sie, wie Rosa Luxemburg auf dem Gründungsparteitag sagte, wieder bei Marx angekommen ist.

    Es wurde in der PDS nicht erkannt, daß die meisten ostdeutschen Funktionsträger, auch solche, die aus dem Westen nach den Osten gingen (Ramelow z. B.), die eigentlichen Wendehälse waren, denn als sie in die SED eintraten, taten sie dies - zumindest verbal - in dem Wissen, daß sie Marxisten-Leninisten sind.

    Nach der Wende aber schworen sie dieser Theorie ab und wurden - Reformisten der übelsten Sorte.

  • Symphausdd / 17. Mai 2012 19:01

    Und warum ?

    Und warum wohl wurde nach Bartsch gar nicht erst gefragt?

    Die LINKE als gesamtdeutsche Partei hat eine Chance und Zukunft nur mit Oskar Lafontaine!
    Nie und nimmer mit Bartsch, der ein guter Parteimanager sein mag, aber im gesamtdeutschen politischen Diskurs einfach viel zu wenig auf die Waage bringt!

    Das politisches Ego von Bartsch ist in Anbetracht der existentiellen Krise der Gesamtpartei sehr viel weniger wichtig als er glauben mag!
    Er sollte spätestens jetzt seine Kandidatur zugunsten von Lafontaine zurück ziehen! Eine 2. SPD wird in diesem Land nicht gebraucht.

  • Jochen / 17. Mai 2012 21:55

    Parteizeitung?

    Ich denke,das ND sollte über Vorgänge in der Partei berichten ..aber nicht anfangen ,selber Parteipolitik zu machen.Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren,dass hier Stimmung gegen Oskar gemacht wird.

  • sanio / 17. Mai 2012 23:26

    Katastrophaler Artikel, katastrophale Äusserungen

    Offenbar sind die Ost-Landeschefs wild entschlossen, die Zerstörung der PdL weiterzutreiben, wenn man sich ihrem Machtanspruch nicht unterwirft, und der Verfasser des Artikels macht sich zum Sprachrohr.

    Ich weiss nicht, ob Klaus Ernst die zum Vorwurf gemachten Äusserungen getan hat, ich weiss aber, dass die Funktionärsriege ihm vom ersten Tag an keine Chance gelassen hat, und sie scheint an diesem miesen Stil bis zum letzten Tag festzuhalten.

    Wenn ich dieses Intrigenspiel, dieses öffentliche Fertigmachen der eigenen Parteispitze lesen muss, habe ich wenig Hoffnung, dass sich da noch etwas bessert. Schade. Das Interview mit Frau Schwabedissen hat Hoffnung gemacht. Die Führer der Ost-Landesverbände und Herr Heilig machen sie zunichte.

    Wohlgemerkt: Ich zweifle, dass die Rückkehr Lafontaines an die Spitze wirklich der richtige Weg ist. Richtiger als ein Dietmar Bartsch, der schon wegen unsolidarischen Verhaltens vom Posten des Geschäftsführers geflogen ist, wäre er allemal. Besser wären neue Leute. Aber hinter denen müssten alle stehen. Dazu scheint das Format zu fehlen bei den Landesverbänden.

  • Sternwind / 17. Mai 2012 23:31

    Alkohol ist keine Lösung

    Was für eine schöne Satzkonstruktion *schmunzel*
    Zitat:
    "Trotz »Herrentag« - Steffen Bockhahn ist völlig nüchtern, als er gegenüber »nd« bestätigt: »Ich hoffe, dass wir unsere beste Zeit vor uns haben.«"
    Bockhahn meint ja auch (dradio 15.5.), dass sich unsere Partei basisdemokratisch versteht - fernab der Realität, dennoch auch da klang er stocknüchtern.
    Und Dora Heyenn war es vermutlich auch

    Und zu Ernst - einmal mehr ein Kopfschütteln ohne Worte

    Ernst passt doch zu dieser Parteienstruktur wie der A*auf den Eimer, davon gibt es leider noch einige in der Partei, eben genau aufgrund dieser Struktur.

    Schon allein aufgrund dieser ganzen
    *subjektbittenacheigenervorliebeeinsetzen*,
    diesen Strippenzieher und Pöstchenjäger, aus West wie Ost wünsche ich mir sehnsüchtig (wenn auch mit wenig Hoffnung darauf), einen Parteienaufbau von unten nach oben.
    Dann wären die entweder ganz schnell weg vom Fenster, oder aber sie fielen auf die Füße und kämen damit zur Besinnung.

  • Manni / 18. Mai 2012 06:44

    Re: Reformer sind subversive Kräfte des Gegners

    Lieber Max Stirner, Sie sprechen mir aus der Seele. Jeder wirklich Links-Denkende muss irgendwann erkennen, was Sie, ich und viele Andere einsehen. Was das Beste und das Richtige ist. Diese "Reformer" sind subversive Kräfte des politschen Gegners, die einen Erfolg der PDL als kapitalismuskritische Partei verhindern wollen. Sie betreiben permanent die Schwächung der Partei, die Verunsicherung ihrer Mitglieder und Wähler. Pfui Teufel diesen Leuten.

  • Manni / 18. Mai 2012 07:33

    Reformer sind subversive Kräfte des Gegners

    Jeder der wirklich Links Denkt, erkennt irgendwann, wer in seiner Partei das selbe tut, wer die richtigen Argumente und Lösungen hat. Wer die besten Eignungen und Fähigkeiten hat die politische Auseinandersetzung mit dem Gegner zu führen. Und solche Leute müssen und sollten auch die Partei anführen. Wenn nicht die Besten, wer dann. Machen wir uns denn absichtlich schwächer, als wir sein können? Geht es um die Sache oder um Posten?
    Die sogenannten Reformer, die aus der Linken einen Partei machen wollen, wie die Übrigen, betreiben eine ständige Schwächung der Partei Die Linke. Sie Reden wie der Gegner. Sie Argumentieren wie der Gegner. Sie spielen den gegnerischen Medien in die Hände. Verunsichern Mitglieder und Wähler. Kurz: Sie tun von innen heraus, genau das was der Gegner von außen tut. Sie schaden der Partei Die Linke und ihrer Linken Idee passiv, wenn nicht gar aktiv.

  • RBieker / 18. Mai 2012 10:03

    Schade, dass gerade Gregor Gysi sich jetzt schon zum zweiten Mal gegen Dietmar B

    Sicherlich ist Dietmar Bartsch der beste Geschäftsführer, den sch DIE LINKE wünschen kann. Gleiches gilt auch für den Parteivorsitz. Nicht ein, nach Ansicht vieler Mitglieder,sich linker als die "Reformer" gebender Keynesiast, der bei jeder Gelegenheit polarisiert, kann eine neue Integrationsfigur der LINKEN sein. DIE LINKE braucht ein Zeichen des Ausgleichs, der Vernunft und der Akzeptanz in der politischen Szene in Gsamtdeutschland. Lanfontaine steht dafür nicht. Bartsch ist zusammen mit vielen anderen in der Partei klar, dass Veränderung nur mit anderen Parteien gemeinsam zu schaffen ist. Diejenigen, die Lafontaine an der Spitze der Partei sehen wollen, lassen gern die Muskeln spielen, singen das Lied von linker Konsequenz und würden am liebsten mit 10 % oder weniger Wähler_innenstimmen die Welt verändern. Das aber wird nicht funktionieren. Wer Hegemonien verändern will, muss mit Menschen reden auch in der politischen Umgebung, vielleicht dort zuerst. Nicht radikale Abgrenzung sondern Dialog muss ilnke Strategie sein. Für die Dialogfähigkeit der LINKEN steht Bartsch, nicht Lafontaine. Schade, dass gerade Gregor Gysi sich jetzt schon zum zweiten Mal gegen Dietmar Bartsch stellt.

  • amenpanufer / 18. Mai 2012 11:40

    was sollen das denn für veränderungen sein?

    etwa kriegseinsätze, aber nur mit un-mandat? hartz-4-kompromisse, die gerade noch das wohngeld etwas erhöhen, aber trotzdem dazu führen, dass viele ihre wohnung verlassen müssen wie die schöneberger familie, von der letztens hier berichtet wurde? sieht die veränderung dann so aus, dass auch die linke dem raub zustimmt, der mit der einführung von hartz 4 an allen arbeitenden in diesem land begangen wurde, die in die arbeitslosenversicherung eingezahlt hatten auf grundlage der existenz von alg 1 UND 2? sollen wir dann auch den rettungsschirmen applaudieren und ebenso den exekutoren der schlecker-insolvenz, weil unter bartsch auch mit der linken darüber gesprochen wurde? in berlin wurde zehn jahre prima mit der spd geredet - und sicherlich auch mit den oppositionsparteien. der erfolg ist am letzten wahlergebnis gut abzulesen: immer mehr wenden sich der pdl ab, weil sie keinen sinn mehr darin sehen, eine partei zu wählen, die zwar ein schönes programm sich gegeben hat, nur leider nicht bereit ist, auch nur ein jota davon umzusetzen. in einem anderen post hier im nd hat einer geschrieben, dass nicht so sehr das programm, sondern vielmehr eine charismatische figur notwendig ist, um bei wahlen erfolgreich zu sein. das zu ende gedacht führt aber nicht nur in den personenkult, sondern hin zu einem führer, was jenseits des linken horizontes liegen sollte. das parteiprogramm ist noch immer die grundlage, auf der alle agieren sollten. wer das nicht kann, sollte neudeutsch den anbieter wechseln. lafontaine aber ist sicherlich ein schwieriger charakter, er hat der pdl aber auch einen enormen schub gegeben mit über 11 prozent wählerstimmen. und ich wüsste nicht, wann und wo er sich nicht ans programm gehalten hätte anders als so manche reformer, die sogar von bedingungen für kriegseinsätze faseln und den sinn ihrer existenz eher auf dem parlamentssitz finden als im alltag bei den menschen und ihren protesten auf der straße.

  • Ani-metaber / 18. Mai 2012 12:38

    Tut mir leid, aber da läuft was schief beim „Vögel-Abschießen" 4

    Herr Holter hätte die Gelegenheit des Interviews 2 Tage vor der Wahl nutzen können, den „Pragmatismus“ der Linken in NRW in seinen Einzeltaten darzustellen, der gerade nicht „Fundamentalopposition“ darstellte, die mit ihrer Rolle als mögliches Zünglein an der Waage, Rotgrün generell in ein etwas anderes Fahrwasser gebracht hatte, aber eben auch in Einzelfragen Einfluss nehmen konnte, so z .B.m dass ein Personalabbau im öffentlichen Dienst NRWs ausblieb, dass der Zusammenhang zwischen ÖPNV-Förderung und Sozialticket und Umweltschutz in der Diskussionen blieb, im Übrigen auch von den Piraten mit dem „fahrscheinlosen Nahverkehr“ aufgegriffen und wie vieles andere „utopische“ Gedankengut aus dem linken Spektrum verbreitet.

    Holter hätte dazu aufrufen können, nicht aufzugeben, sondern zur Wahl zu gehen, hätte auf die 4% Prognosen der letzten Umfragen von You-Gov, erstellt von Bild und tags darauf vom Kölner Stadtanzeiger hinweisen können,
    denn die Frankfurter Rundschau z.B. oder die Medien der WAZ-Gruppe, sonst stets jede neue Umfrage ins Spiel bringend, erwähnten in der Woche vor dem 13 Mai nur noch die für die Linke schlechtere, mit den abschlagend wirkenden 3% vom 6. Mai.

    Aber war ihm, diesem „Wahlhelfer aus Meckpom“, das überhaupt bekannt, das gute Auftreten von Frau Schabedissen etc. , was hatte er sich denn davon versprochen, am 11 Mai über die Linke im DLF zu sprechen?

    www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1754042/

    ich hab auf all das keinen Bock mehr liebe „Linke“ und auf den Umgang mit Palästina durch die Linke bin ich dabei noch gar nicht zu sprechen gekommen.

  • Ani-metaber / 18. Mai 2012 12:39

    Tut mir leid, aber da läuft was schief beim „Vögel-Abschießen" 3

    Heidemarie Wiczorek Zeul war es in der SPD über Jahrzehnte, auch vor dem Mauerfall möglich, kritische Solidarität mit Kuba zu üben und diese Haltung gegenüber Kuba ist in weiten Teilen der Bevölkerung, trotz rechter Presse, weiterhin gegeben.

    Teilen der Linken aber war es nach dem „Gratulationsbrief“, wie immer man seine Inhalte werten mag, nicht möglich, der aus rechten und reaktionären Kreisen fortgeführten Dämonisierung Kubas entgegenzutreten, das seit Jahrzehnten unter einem völkerrechtswidrigen Boykott leidet.

    Es wäre so einfach gewesen, überall darauf hinzuweisen, welche Bedrängnisse Kuba es schwer machen und machten den Weg eines autoritären Staates wieder zu verlassen. Man hätte in diesem Zusammenhang immer darauf hinweisen können, das Kuba durch die Revolution ein Schicksal wie das von Guatemala oder Haiti - und weitere Beispiele waren möglich - erspart geblieben war.

    Das hätte die Szene, die nicht nur Kuba sondern dabei auch die Linke dämonisieren wollte, in die richtige Bedrängnis gebracht und die Linke wäre unbeschadet, wahrscheinlich sogar gestärkt aus diesem Kampagneversuch gegen sie hervorgegangen.
    Wie sich Boykotte gegen Syrien oder den Iran ausmachen, was ein atomwaffenfreier Naher-Osten für einen Frieden, oder wie die Menschlichkeit zu werten war, der Bevölkerung des Gazastreifens durch eine Hilfsflottenfahrt helfen zu wollen, all diese Themen hätten zu ihrer Zeit der Versachlichung bedurft und damit ein angemessenes Problembewusstsein in der Öffentlichkeit erzeugen können, Kampagnen ins Leere laufen lassen können.

    Doch das blieb von Teilen der Linken aus, oft war das Gegenteil zu vernehmen gewesen, damit hatten diese Kreise sich in den letzten Jahren bundesweit Gehör verschafft und das Bild über die Linke geprägt.

  • Ani-metaber / 18. Mai 2012 12:41

    Tut mir leid, aber da läuft was schief beim „Vögel-Abschießen" 2

    Die Rolle der Linken als soziales Gewissen oder als eine Kraft, Wirtschaftspolitik für die Interessen einer Gesamtgesellschaft zu betreiben, die nun von den anderen Parteien scheinheilig aufgegriffen worden war, erwähnt er zwar auch, aber befasste sich sogleich mit Personalfragen, weil die Linke sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt habe.

    Herr Holter schien dabei unbekannt, dass nicht die Tatsache in einer Veranstaltung über die „Wege zum Kommunismus“ diskutieren zu wollen, ein Problem war,
    sondern das Versagen bekannter Moralgurus aus der PdL, für das Recht eine solche Diskussion zu führen, eingetreten zu sein. Was haben also Herr Holter und seine ähnlich gesinnten Mitstreiter aus den vergangenen Jahren wirklich gelernt?

    Und so wie man sich dabei von Teilen der Linken instrumentalisieren ließ, auf andere Parteimitglieder einzuschlagen, so blieb auch Solidarität aus, wenn Gesine Lötsch darauf hinwies, es wäre die Mauer ohne den 2 Weltkrieg undenkbar gewesen.

    Als ob nicht die Tragik, das Deutschland von Osten her durch eine in vielem mörderische Diktatur vom Nationalsozialismus befreit wurde und ihr ein „sozialistischer“ Weg, der wenig mit Selbstbestimmung zu tun hatte, nicht zuletzt wegen einer Ost-West-Auseinandersetzung aufgezwungen war, unbekannt seien. Konnte man dann die Kampagnenbetreiber nicht sich selbst überlassen, wenn man schon nicht gewillt war konstruktiv gegenzuhalten?

  • Ani-metaber / 18. Mai 2012 12:45

    Tut mir leid, aber da läuft was schief beim „Vögel-Abschießen" 1

    Sicher, Unglauben kommt auf, wenn man nun vernimmt, wer da jetzt mit im Chor nach innerparteilicher Transparenz und Demokratie einstimmt und diese in Gefahr glaubt.
    Gab es nicht auch eine Absichtserklärung von Gesine Lötsch zu einer Kandidatur, die dann aber wegen ihres Mannes beschloss, eine Nummer kleiner ihre Aufgaben wahrzunehmen?

    Und nicht Ernst trat in vergangener Woche als erster im DLF auf, sondern zuvor ein Bockhahn aus Meckpom am Dienstag, um seine Ansichten zu verbreiten.
    Und noch einer aus der Nord-Ost-Region konnte es 2 Tage vor den Wahlen in NRW nicht lassen, diese Wahl im DLF bereits für die Linke als gescheitert zu behandeln und sich „Wichtigerem“ zuzuwenden.
    Jedenfalls widersprach er entsprechenden Einlassungen des Moderators dabei ausdrücklich nicht, sondern bot schon gleich seine Niederlagenanalyse – 2 Tage vor der Wahl !!!!

    Holter brachte dabei als niedergangsbestimmend ins Gespräch, man habe „Wege zum Kommunismus“ „ eine Gratulation an Fidel Castro“, „andere Dinge ... im Zusammenhang mit der Mauer“ gehabt, die nicht gerade beförderlich für das Image der Linken gewesen seien, und verkaufte also seine abwegigen Betrachtungen zu diesen Fragen,
    also sein abgeschmackte schales Bier angepasster Meinung, als den neuen Wein des anzustrebenden Aufbruchs.

  • Ani-metaber / 18. Mai 2012 12:46

    Tut mir leid, aber da läuft was schief beim „Vögel-Abschießen" 0

    Ich muss Bartsch nicht mögen, aber das Recht auf eine Kandidatur darf nicht beschnitten sein, es ist Ausdruck von Demokratie.
    Wenn ein Oscar Lafontaine nicht antreten will, falls auch ein anderer sich um den Parteivorsitz bewirbt, dann muss er das durchziehen und seine zurückziehen. Mehr Zeit für Überlegungen zu dieser Sache kann der gemeine Mann und die gemeine Frau auf der Straße – sprich der Wähler - leider in dieser Sache nicht aufbringen.

    Feinheiten in den Befindlichkeiten über Verdienste, Ehrung und Würde sind bei diesem Tagesgeschäft von den Delegierten für sich selbst auszumachen – in der Tat, eine tolle Führungspersönlichkeit ist gut, einen Gott hingegen braucht man nicht, auch Lafontaine muss überlegen, ob dieser Anschein von „Gottheit“ vermieden worden ist - ich finde nicht und Außenwirkung ist zu beachten.

  • Hal-Neu / 18. Mai 2012 13:26

    Zeitung des Parteiapperates

    Mir kommt immer mal wieder der Gedanke, ob ich das ND nicht abonnieren sollte, anstatt es lediglich unregelmäßig am Kiosk zu kaufen. Dann lese ich aber solche Artikel wie den oben stehenden und nehme lieber Abstand von einem Abo. Der Artikel ist nicht mehr als billige Polemik, die sich wie immer aufs "Hörensagen" stützt. Inhaltliche Informationen Fehlanzeige!
    Ich fände eine Zeitung, die der Linken nahe steht, sollte es schaffen, objektiv über innerparteiliche Auseinandersetzungen zu berichten und nicht mehr oder weniger verdeckt für Bartsch und seinen Anhang Stellung nehmen. So drängt sich mir der Verdacht auf, dass das ND weniger einer Parteizeitung als vielmehr eine Zeitung des Parteiapparates ist - und damit uninteressant für mich.

  • Manni / 18. Mai 2012 13:34

    Re: Von der "Konsenssauce"

    Gregor Gysi hebt bei jeder Wahlkampfveranstaltung hervor, dass sich die übrigen Parteien in einer Art "Konsenssauce" befinden. Das das Stillstand in der Politik bedeutet, die Demokratie gefährdet, ja, noch nicht einmal eine richtige Demokratie ist. Und wenn ich Sie richtig verstehe, dann wollen Sie die PDL auch in diese "Konsenssauce" führen. Ja dann sind wir, die PDL, überflüssig. Auf alle Fälle für den oder die WählerInnen. Die wählen dann lieber gleich die Originale: SPD, Grüne, FDP oder CDU.
    PS.: ich bin jetzt ersteinmal ins Nachdenken gekommen. Das ist ja ein Dilemma.

  • Hal-Neu / 18. Mai 2012 14:08

    Zensur?

    Werden hier keine kritischen Beiträge veröffentlicht??? Falls ja bestätigt ihr ja damit die Kritik - auch in Ordnung

  • Onlineredaktion / 18. Mai 2012 14:37

    Re: Zensur?

    Lieber Leser, wir lesen alle Kommentare und schalten sie frei, sofern sie nicht gegen die Netiquette verstoßen, die Sie hier einsehen können:

    www.neues-deutschland.de/netiquette.php

    Die nd-Onlineredaktion

  • guenter1952 / 18. Mai 2012 15:22

    Wenn man die Kommentare hier liest,

    und in anderen Internet-Foren zum Thema ist es genauso,
    dann versteht man, weshalb die Linke gescheitert ist.
    Es herrscht ein unglaubliches Chaos, ein Wirrwarr von x-unterschiedlichen Meinungen und Auffassungen.
    Es gibt in der Linken offensichtlich keine mehrheitlich akzeptierte Auffassung von der Politik der Linken, von der Rolle, die die Linke im Land spielen sollte.
    Und natürlich auch keine mehrheitlich akzeptierten Führungskräfte.
    Oder anders gesagt: die Linke weiß selbst nicht, was sie will, und wen sie an
    ihrer Spitze will.
    Das merken die Menschen im Land, die Wähler, natürlich.
    Und werden die Linke selbstverständlich nicht wählen. Warum sollten sie auch?
    Es sieht tatsächlich so aus, als ob das Projekt "Die LInke"
    gescheitert ist. Und zwar nicht von den politischen Gegnern erledigt, sondern von den Parteimitgliedern selbst.
    Das wars also. Eine einmalige Chance - vertan. Die Linken in Deutschland sind leider nicht reif für eine funktionierende, wirkungsvolle linke Partei.

  • 123DDR / 18. Mai 2012 16:14

    Re: Wenn man die Kommentare hier liest,

    Das, Guenther, trifft zu - und ist beredtes Zeugnis, vielleicht auch der linken Idee insgesamt.

  • Solidaritaet / 18. Mai 2012 16:26

    Das Problem sind nicht diverse potentielle Vorsitzende und auch nicht

    divergierende Meinungen. Das Problem liegt in der Diskussionskultur, in der Rechthaberei und in den weithin jeweils deshalb für unüberbrückbar gehaltenen Gegensätzen und Strömungen. Es gibt keine gemeinsame Idee. Wie auch - und wozu noch?

  • Rene-Tenz / 18. Mai 2012 18:22

    Re: Wenn man die Kommentare hier liest,

    Die Hoffnungen ,die Sie augenscheinlich mit den Rechten verbinden sollten Sie fahren lassen!

  • Allendorf / 19. Mai 2012 12:05

    Gott - Retter mit dem weißen Pferd und seine Untertanen!

    Die Erkenntnis »Die LINKE hat eine Aufgabe in diesem Land, mehr denn je wird sie gebraucht, in- und außerhalb der Parlamente.« ist der Humus für periodisches Wachstum und Niedergang der PDL. Das der Ernstle eine Katastrophe ist, scheinen immer mehr Menschen zu erkennen. Ernstle auf die Rolle von Olafs Pressesprecher zu reduzieren greift zu kurz. Hat er doch seinen Parteivorsitz zur Torpedierung der Urabstimmung eingesetzt, um mit einem "Klappe halten" die Krönungsmesse vorzubereiten. Und was soll man über Olaf und seine Gefolgsleute denken, wenn ihr Parteivorsitzender den erfolgreichen Einsatz eines internationalen Kommandos mit Tötungshandlung als "moralischen Sieg" bezeichnen darf?

    Warum erst jetzt Sätze fallen, »Wenn die Partei jetzt kein Stoppzeichen setzt, dann ist die katholische Kirche im Vergleich zu uns eine basisdemokratische Bürgerbewegung.« erschließt sich mir nicht sofort. Um in der Analogie zu bleiben scheint es, das sich in der PDL sich wie in den von Machiavelli beschriebenen Reifestadium der Borgias gebärdet. Auch wenn einige Genossen die Sehnsucht nach einem Parteigott treibt, ist die Partei vom Glauben und der Bürgernähe der heutigen katholischen Kirche noch weit entfernt.

    Die Mitarbeiter der Illoyalität zu bezichtigen und sie in fast nötigender Manier an die Jobs von Gnaden a´la´Lofontain zu erinnern wirft eine Licht darauf, wie Ernstle und Genossen (vermutlich) auch auf anderen Perteiebenen und in der Fraktion agieren. Ernstle selbst liefert eine Anwort auf eine Ursache der innerparteilichen Krise. Ernstle und seine Freunde instrumentalisierten die Personalpolitik und wollen nun mit den Futtertrog Loyalitäten erzwingen. Aufkeimender Unmut äußert sich dann eben nicht mehr als konstruktiver Kritik innerhalb der Strukturen und findet anonyme Wege über Seilschaften, Internet und Presse ...

  • 123DDR / 19. Mai 2012 16:21

    Re: Re: Wenn man die Kommentare hier liest,

    Ja klar, r.-t., es gibt ja nur links oder rechts. Rechts ist inakzeptabel, also bleibt nur links. Arroganz ist übrigens einer der weiteren Gründe, deretwegen die Linken nicht mehr gewählt werden.

    So einfach kann das Leben sein. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Und wenn wir dann nicht gewählt werden, Mauern wir die Menschen ein, zwingen sie zur Wahl einer Einheitspartei und deren willfähriger Blockflöten und wer dann noch anderer Meinung ist, dem nehmen wir erst die Kinder weg und dann sperren wir ihn wegen staatsfeindlicher Hetze ein. Bald haben wir uns dann ein neues Volk gewählt.

  • 123DDR / 20. Mai 2012 19:19

    Das ist ja stärker Tobak, Manni.....

    ..wie schaffen es denn die "subversiven Kräfte", die Reformer so zu steuern, dass die Leute nicht mehr wissen, was "das Beste und das Richtige" ist?

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