Von Bernd Kammer
18.05.2012

Einer fliegt

Eröffnung des Flughafens erst am 17. März / Geschäftsführer gefeuert

Nach der geplatzten Eröffnung am 3. Juni muss der neue Hauptstadtflughafen BER erneut in die Warteschleife. Erst am 17. März 2013 soll er in Betrieb gehen. Das teilte gestern der Flughafen-Aufsichtsrat nach einer Marathonsitzung des Gremiums mit. Ursprünglich sollte der Flughafen schon Ende Oktober 2011 öffnen, nach der Pleite eines Planungsbüros wurde dieses Datum bereits 2010 um sieben Monate verschoben.

Nun sind es mehr als neun Monate. Dieser lange Zeitraum sei nicht so leicht erklärbar, räumte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD) ein. Die technischen Abläufe ließen aber nichts anderes zu. Noch vergangene Woche war Wowereit von einer Eröffnung im August ausgegangen. Zu diesem Termin hätte die Brandschutztechnik aber nur teilautomatisch funktioniert, das heißt, Sprinkleranlagen oder Türen hätten per Hand aktiviert werden müssen. Auf diese »Mensch-Maschine-Schnittstelle« wollte sich das Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald, das den Brandschutz genehmigen muss, aber nicht einlassen. Der komplette Aufbau des Systems soll nun bis Dezember dauern. Ein Umzug weg von den alten Flughäfen im Winter gilt aber als schwierig, und auch die Osterferien sollten ausgespart bleiben, erklärte Wowereit, warum sich die Eröffnung weiter nach hinten verschiebt.

Als personelle Konsequenz aus dem Debakel muss der technische Geschäftsführer der Flughafengesellschaft (FBB) Manfred Körtgen zum 1. Juni seinen Hut nehmen. Außerdem werde die Generalplanung für den Willy-Brandt-Flughafen dem Konsortium PGBBI entzogen, sagte Wowereit. Diese Aufgabe soll die Flughafengesellschaft selbst übernehmen. Zu PGBBI gehört auch das Büro des Flughafen-Architekten Meinhard von Gerkan. Das hatte noch diese Woche alle Vorwürfe, man habe zu spät auf die Probleme aufmerksam gemacht, zurückgewiesen. Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nannten dagegen die Generalplanerleistung insbesondere bei der technischen Gebäudeausrüstung »die Achillesferse« des Projektes. »In fast allen anderen Bereichen liegen wir im Plan«, so Platzeck.

Laut Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, haben die interne Kommunikation und das Controlling versagt. Der Aufsichtrat sei in zu langen Abständen über den Stand der Arbeiten informiert worden. Platzeck versprach, nun keine Provisorien und Übergangslösungen mehr zu akzeptieren. Ansonsten hat die Verschiebung des Termins für ihn auch etwas Positives: Es sei nun Zeit gewonnen, um beim Lärmschutz der Anwohner nachzuarbeiten.

Einen eigenen Anteil an dem Debakel sieht der Aufsichtsrat offenbar nicht. »Wir waren kein bequemer Aufsichtsrat«, verteidigt sich Wowereit. Aber die Mitglieder seien nie auf die Idee gekommen, dass der 3. Juni nicht zu halten ist. Das die Verantwortlichen etwas gewusst und nichts unternommen hätten, sei ausgeschlossen. »So blöd sind wir auch nicht.« Platzeck: »Wir können nicht besser als die Bauleitung sein.«

Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn reagierte empört auf den neuen Eröffnungstermin. »Dies ist völlig unakzeptabel und fügt Berlin als Flughafen-Drehkreuz einen kaum mehr reparablen und deshalb unerträglichen Image-Schaden zu.« Mehdorn hatte sich für einen Start im Oktober stark gemacht. Für den verkehrspolitischen Sprecher der Linksfraktion, Harald Wolf, ist die Verschiebung auf März ein Zeichen dafür, dass das Debakel größer ist als bekannt. Die Verschiebung sei mit hohen Kosten verbunden. Wolf forderte die Offenlegung der Controllingberichte und Aufsichtratsprotokolle. Der Bund der Steuerzahler befürchtet die »größte finanzielle Katastrophe direkt nach dem Berliner Bankenskandal«.

Das komplette Flugprogramm, das auf dem neuen Flughafen geplant war, sollen jetzt Tegel und der alte Airport Schönefeld übernehmen. Die »Altsubstanz« müsse entsprechend hergerichtet werden, so Flughafenchef Rainer Schwarz. Er mache sich »Sorgen um Tegel«. Über den schon jetzt überlasteten Flughafen sollen mehr Flüge vor allem der Lufthansa und Air Berlin abgewickelt werden. Schwarz: »Es liegt ein gigantischer Berg an Arbeit vor uns.«

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