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Von Matthias Koch, Düsseldorf
18.05.2012

Chaos zwischen Vergangenheit und Zukunft

Hertha kämpft um ein Wiederholungsspiel gegen Düsseldorf und trifft sich mit Trainer Jos Luhukay

Hertha BSC kämpft weiter. Am Dienstag bei Fortuna Düsseldorf (2:2) waren die Berliner aus der 1. Bundesliga abgestiegen. Am Mittwoch legte Hertha beim DFB-Sportgericht jedoch Einspruch gegen die Wertung des Relegationsrückspiels gegen den Dritten der 2. Bundesliga ein. Nach dem 2:1-Sieg der Fortuna im Hinkampf hatte Hertha keine sportlichen Argumente mehr. Die Charlottenburger sehen aber in den skandalösen und durch Anhänger beider Lager versursachten Vorfällen in Düsseldorf eine Hintertür. Herthas letzte Hoffnung ist nun das DFB-Sportgericht, das heute ab 13.30 Uhr in Frankfurt am Main verhandeln wird. »Ein regulärer Spielbetrieb war unter diesen Umständen nicht mehr möglich«, sagte Manager Michael Preetz.

Hertha moniert den Platzsturm hunderter freudvoller Düsseldorfer Fans, der noch vor Ende der von Schiedsrichter Wolfgang Stark auf sieben Minuten festgelegten Nachspielzeit einsetzte. Herthas Spieler flüchteten in die Kabine. Polizei- und Ordnungskräfte hatten 20 Minuten lang damit zu tun, die Zuschauer wieder auf die Ränge zu bekommen. Die Berliner wagten sich dann noch mal aus der Kabine, ehe Stark nach 90 Sekunden endgültig abpfiff und die Fortuna-Anhänger erneut auf den Rasen strömten. »Unter den beängstigenden Umständen galt jedoch die alleinige Aufmerksamkeit nur noch der eigenen Sicherheit und nicht mehr dem sportlichen Wettbewerb«, sagte Preetz, obgleich es wohl keine Übergriffe auf seine Spieler gab.

Die Herthaner, die vorsorglich heute um 15 Uhr trainieren werden, pochen auf ein Wiederholungsspiel. »Es geht darum, dass die Wertung dieses Spiels aufgehoben wird. Und das Sportgericht entscheidet dann, wann, wo und ob mit oder ohne Zuschauer gespielt wird«, sagte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt.

Hertha verschweigt, dass die eigenen Fans einen Großteil der Nachspielzeit verursacht haben. Im Gegensatz zu den Düsseldorfer Anhängern, die ihr Feuerwerk wenigstens in ihren Blöcken abbrannten, flogen nach dem 1:2-Rückstand aus dem Bereich der 5000 mitgereisten Gästefans Bengalos und Raketen bis auf das Spielfeld. Nicht einmal Beruhigungsversuche durch die Hertha-Spieler halfen. Im Anschluss zogen massive Polizeikräfte auf, die bei den Platzstürmen der Fortuna-Fans eine Konfrontation mit den Berlinern verhindern konnten.

Der DFB ermittelt auch gegen Akteure. Hertha-Kapitän Lewan Kobiaschwili soll Schiedsrichter Stark geschlagen haben. Seinen Mitspielern Thomas Kraft, Christian Lell und André Mijatovic wird vorgeworfen, Stark beleidigt zu haben. Der Düsseldorfer Andreas Lambertz soll im Jubel einen Feuerwerkskörper in der Hand gehalten haben. Unabhängig davon hat Düsseldorf seine Aufstiegsfeier in den August verschoben.

Vielleicht ist für alle Beteiligten die Relegation, in der es ums (sportliche) Überleben geht, einfach zu groß. Die künstliche Erzeugung von Spannung entlud sich auch schon bei der Relegation zwischen Karlsruhe und Regensburg ins Negative. DFB und DFL sollten sogar über die Abschaffung dieser »Endspiele« nachdenken.

Dass es auch ein Leben nach der Relegation gibt, zeigte sich gestern bei Hertha BSC. Um 11.20 Uhr landete Jos Luhukay auf dem Flughafen Tegel. Er wurde von Hertha-Sprecher Peter Bohmbach abgeholt. Luhukay, der Augsburg vor dem Abstieg gerettet hat, soll nach Presseinformation Nachfolger von Hertha-Trainer Otto Rehhagel werden.

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