18.05.2012

Gemeinsamkeit statt Machtpoker

Appell: »Wir sind die LINKE«

Berlin (nd-Heilig). Feiertag - Feuerpause. Zumindest medial nahmen sich gestern die Kontrahenten im Streit um die neue Führungsspitze der LINKEN, die beim Göttinger Parteitag am 2. und 3. Juli gewählt werden soll, zurück.

Oskar Lafontaine? Oder Dietmar Bartsch? Nachdem eine Spitzensitzung am Dienstag ergebnislos endete, war der Konflikt am Mittwoch erneut aufgeflammt, als Gregor Gysi, Chef der Bundestagslinken, in die Glut blies: Lafontaine soll Parteichef werden, Bartsch Bundesgeschäftsführer. Für den Posten des Bundesgeschäftsführers kandidiert seit Mittwoch Sachsen-Anhalts LINKEN-Chef Matthias Höhn. Der parteilose Abgeordnete der Linksfraktion Wolfgang Neskovic sagte der dapd: »Mit Bartsch als Parteivorsitzenden und Spitzenkandidaten dürfte der Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag zur ›Mission Impossible‹ werden«. Unbeeindruckt meinte Bartsch gegenüber »Phoenix«: »Ich sehe keinen Grund dafür, meine Kandidatur zurückzuziehen.« Er wünsche sich »eine kollektive Führung, in der alle an einem Strang ziehen«.

»Wir sind die LINKE«, heißt es einem strömungsübergreifenden Appell, der Unterstützung vor allem aus der Basis einholen will. (wirsinddielinke.wordpress.com) Die Initiatoren gehen zwar von »einer wirklich gefährlichen Situation für unsere Partei« aus, sehen das Projekt einer Partei der Linken in Deutschland aber noch nicht in Frage gestellt. »Es gibt heute viele Genossinnen und Genossen, die sich über Ost-West-Grenzen hinweg in ihren Anforderungen an eine neue politische Kultur nahestehen und die sich eine Partei wünschen, die weniger von Machtpoker und Funktionärsgehabe geprägt ist, sondern von gesellschaftlicher Öffnung, neuen Milieus, spannenden Diskussionen, Neugier auf die Zukunft. Vom Göttinger Parteitag erwarte man »ein Signal der Gemeinsamkeit«.

Ein bereits am Dienstag veröffentlichter Alternativer Leitantrag an den Parteitag (solidarischelinke.blogsport.de) fand bislang die Unterstützung von 80 Delegierten und 280 Unterstützern.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken