Krieg, Waffenlieferungen, Ausbeutung Fluchthelfer sind nicht das Problem.
Linker Journalismus gegen (geistige) Brandstifter.
Jetzt das »nd« unterstützen!
    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Ich habe bezahlt.

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login
  • Ich beteilige mich später
Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe
19.05.2012

Waghalsige Hasensprünge auf dem Balkon

FINDELTIERE: Lepi trank aus der Flasche und wohnte bei einer Meerschweinchenwitwe

20f4e34b670d68fa1fde23f3447133ba.jpg

Bei einem gärtnerischen Arbeitseinsatz hörten es die Klassenkameraden Achims im Gras fiepen, und im nächsten Augenblick flüchtete ein Hase. Zurück blieb ein Hasensäugling, den die Jungen nicht nur betrachteten, sondern auch anfassten. Eine Abdeckung mit Gras war am nächsten Morgen unberührt, das heißt das nächtliche Säugen, meist das einzige in 24 Stunden, war ausgeblieben. Achim nahm daher das offensichtlich verlassene Häschen mit. Wir waren nicht gerade erfreut über die Bereicherung unserer Wohnungsfauna, zumal die Aufzucht von Hasen als schwierig gilt. Aber Achim gelobte, sich voll und ganz darum zu kümmern und nannte seinen Pflegling vom lateinischen Namen Lepus abgeleitet, Lepi.

Zunächst war es schwer, ihn an eine Flasche zu gewöhnen (die er später selbst noch als Erwachsener trank). Schon früh gab es Unterschiede im Verhalten gegenüber Achim und den anderen Familienangehörigen, die noch längere Zeit angefaucht wurden. Beim Heranwachsen wurde Lepis Nachtaktivität zum Problem, denn er hatte keine Hemmungen, auf Achim herumzuspringen, wenn dieser zu schlafen versuchte. Sperrte man ihn weg, gab er, an die Tür trommelnd, keine Ruhe.

Den Tag durfte er schließlich im ziemlich großen Gehege eines verwitweten Meerschweinchens auf der Loggia verbringen. Obwohl Hasen Einzelgänger sind, vertrug er sich mit diesem gut, manchmal wärmten die beiden sogar einander. Es dauerte aber nicht lange, bis Lepi das etwa 60 Zentimeter hohe Gitter übersprang und sich frei in der Loggia tummelte. Und dann sprang er sogar auf deren Brüstung, die zur Straße hin ungesichert war. Sie war Standort von drei Blumenkästen, zwischen denen Hund und Katze zu ruhen pflegten.

Eines Tages erschreckte die heimkehrende Hauswirtin schon von weitem eine Ansammlung nach oben blickender Menschen vor ihrem Haus. Es brannte aber nicht etwa, sondern der nun schon ausgewachsene Hase sprang immer wieder von einem der äußeren Blumenkästen zum anderen. Erstaunlich, dass er den zwei Stockwerke tiefen Abgrund respektierte.

Um Lepis Tagesablauf zu bereichern, kam Achim auf die verrückte Idee, mit ihm spazieren zu gehen. Gegen Halsband und Leine hatte dieser zunächst nichts einzuwenden. Aber beim ersten Schrecken, zu dem es infolge des ungewöhnlich weiten Gesichtsfeldes eines Hasen schnell kam, geriet er so in Panik, dass man befürchten musste, er würde sich wild umherspringend mit der Leine erdrosseln.

Lepi wurde nicht stubenrein und auch sonst blieb seine Haltung problematisch. Als der Umzug von Dresden nach Eberswalde nahte, sprach ich ungeachtet Achims Protest ein Machtwort, und wir setzten Lepi an einer weitab vom nächsten Gehöft und einer Straße gelegenen Stelle aus, an der es Gras, Klee und andere Hasen gab. Er war zunächst mit Schnuppern beschäftigt, kehrte aber auf Rufen zu uns zurück. Leider blieb uns keine Zeit mehr, um in den nächsten Tagen noch einmal nach ihm zu sehen.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken