Von Bernd Zeller
19.05.2012
Kolumne

Urheber

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Vignette: Bernd Zeller

Derzeit findet eine gesellschaftliche Debatte über Gegenwart, Zukunft und Plusquamperfekt des Urheberrechts statt. Nicht nur durch das Internet ist alles in Frage gestellt, was überkommenen Urheberschutz betrifft, weil der Nutzer interaktiv teilnimmt, auch wenn er nur kopiert, sondern auch dadurch, dass demnächst die Piratenpartei die Regierung übernimmt, so dass niemand zu den Ewiggestrigen gezählt werden möchte oder gar zu einer Art Opposition.

Da die Piratenpartei sich irgendwie links verortet und in linker Tradition die Auffassung vertreten wird, Eigentum komme Diebstahl gleich, ist es nicht verwunderlich, wenn man geistiges Eigentum als geistigen Diebstahl ansieht. Dass die Urheber mit dem Urheben Geld verdienen wollen, macht ihre Position nicht sympathischer.

Niemand möchte den Urhebern den Schutz verweigern, aber ob ihre Werke durch Zahlungsschranken für die breite Masse unzugänglich gemacht werden dürfen, daran scheiden sich die Interessen. Aus Piraten-Sicht haben Künstler kein Recht, die Nutzer ihrer Werke zu kriminalisieren, nur weil unvereinbare Geschäftsmodelle im Netz zusammenkommen. Die Künstler würden es auch vorziehen, direkt von der Gesellschaft nach ihrer gesellschaftlichen Relevanz bezahlt zu werden, aber im bestehenden System drückt sich Relevanz durch Umsatzzahlen aus.

Hierzu ist aus praktischer Sicht festzuhalten, dass die meisten Kunstwerke eigentlich keinen gesetzlichen Urheberrechtsschutz verdient hätten, weil sie schlecht sind. Die meisten Ideen sind gar keine, sondern lediglich Entscheidungen, welcher der bereits von anderen gehabten Einfälle man sich bedient. Auch diese Entscheidungen sind üblicherweise nicht originell, sondern an kulturpolitischen Vorgaben orientiert. Man kann froh sein, dass über die Subventionen Kulturbeamte entscheiden, denen Toleranz und Vielfalt am Herzen liegen.

Kulturschaffende, die nicht im Subventionsgewerbe beschäftigt sind, können froh sein, wenn sie jemand herunterlädt.