André de Vos
19.05.2012

PLATTENBAU

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Seit der WDR-»Rockpalast« in den Siebzigern eine Serie europaweit live übertragener Abend- und Nachtshows begann, war das für viele Jugendliche und Musikkonsumenten jeweils im Frühjahr und Herbst das Fernsehereignis des Jahres. Partys und Musikanlagen wurden um das Ereignis herum gebaut, bereit, die Shows komplett aufzunehmen und abzufeiern.

Als ZZ Top am 20. April 1980 als Headliner für 4 Uhr morgens angesagt waren, wussten die Zuschauer noch nicht genau, was mit dieser Band aus Houston/Texas auf sie zurollen sollte. Die Gruppe war selbst noch nie in Europa aufgetreten, und obwohl sie in den USA schon Fußballstadien füllte, waren Songs wie »La Grange« oder »Tush« - heute Evergreens - nur in Fankreisen und ausgewählten Diskotheken als Hits wirklich durchgesetzt.

Diese Band befand sich aber Anfang der Achtziger nach elf Jahren Existenz gerade mit der Veröffentlichung ihres 79er Meisterwerks »Degüello« auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Die Verschmelzung von Texas-Boogie, Southern-Rock, Country und Blues mit perfekten Songs ließ dann auch über eineinhalb Stunden lang die Grugahalle in Essen in ihren Grundfesten erbeben: Ohne Unterlass wurden die Songs in einer spektakulären Live-Show aus dem Ärmel geschüttelt, die sich über die Jahre als die Trademarks des Powerrock-Trios herausgestellt hatten: »Waitin' For The Bus«, »Heard It On The X«, »Beer Drinkers & Hell Raisers«, insgesamt eigentlich 22 Titel, von denen - das ist das einzige Manko dieser Veröffentlichung - nur 16 auf diese CD passten.

Billy Gibbons zeigt sich hier als Meister auf der Gitarre, egal ob rhythmisch groovend, als Solist oder Slide-Spieler; Bassist Dusty Hill und Drummer Frank Beard als die Rhythmus-Sektion, die ohne Ende rockte und rollte. Zusammen lieferten sie ein Set ohne Schwächen ab. Hier erlebt man noch einmal die Hochzeit des handgemachten Rocks, bevor ZZ Top später dann auf ihren Nachfolgealben »El Loco« und »Eliminator« mit Synthesizern, Electronics und Loops zu experimentieren begannen und stellenweise poppiger wurden.

Spielfreude und Coolness auf diesem Live-Album repräsentieren die erste Dekade von ZZ Top. Das Konzert war der europäische Durchbruch für die Gruppe, der sie über Nacht von Spitzbergen bis Sizilien bekannt machte. Bis heute hat sie 50 Millionen Tonträger verkauft.

ZZ Top: Live In Germany 1980 (Eagle Records)