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19.05.2012

Tests im Fall Jalloh werden ausgeweitet

Experte: Gefangener hatte Bewegungsspielraum

Magdeburg (dpa/nd). Der Asylbewerber Oury Jalloh, der 2005 bei einem Brand in einer Polizeizelle in Dessau (Sachsen-Anhalt) ums Leben kam, könnte Experimenten zufolge trotz Fesselung das Feuer selbst entfacht haben. Auf der Grundlage von Versuchen in der Polizeizelle am 16. Mai sagte ein Brandsachverständiger am Freitag am Landgericht Magdeburg: »Es war möglich, die Matratze zu öffnen, und man hätte wahrscheinlich auch beliebig weitermachen können.«

Eine Testperson hatte den an Händen und Füßen gefesselten Jalloh nachgestellt. Der Bewegungsspielraum mit rechter Hand und dem Kopf wurden ermittelt. Die Ergebnisse der Versuche will der Experte in einer der nächsten Verhandlungen vorstellen. Es hatte Versuche gegeben, die Matratze ohne und mit Hilfsmitteln zu öffnen und in Brand zu setzen. Vor dem Entzünden sei das Experiment abgebrochen worden.

Die Vorsitzende Richterin Claudia Methling beauftragte den Experten, an dieser Stelle weiterzumachen mit zusätzlichen Brandversuchen. Wenn es im Versuch gelungen sei, die Matratze zu öffnen und zu entzünden, solle auch noch das Verhalten und die Ausdehnung der Flammen untersucht werden. Der Prozess soll am 30. Mai fortgesetzt werden.

Der Asylbewerber Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 von Polizisten mit auf das Revier genommen worden, weil er Frauen belästigt haben soll und sich nicht ausweisen konnte. Er wurde an Händen und Füßen gefesselt, weil er sich heftig wehrte. Bei ihm wurden fast drei Promille Alkohol im Blut festgestellt. Mit einem Feuerzeug soll er die Matratze unter sich in Flammen gesetzt haben. Angeklagt ist ein ehemaliger Dienstgruppenleiter des Reviers Dessau wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Er soll Jalloh nicht schnell genug geholfen haben.

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