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Jirka Grahl
19.05.2012

Nur noch die Champions League

Wie Michel Platini den Europacup verändern will

Für den UEFA-Präsidenten Michel Platini war der Europacup schon immer etwas besonderes: Hier erlangte er 1985 einen der größten Erfolge in seiner Laufbahn als Spieler, der zugleich einer der traurigsten Momente seiner Karriere war. Denn kurz bevor Juventus Turin unter der Regie des großartigen Franzosen den FC Liverpool im Finale des Europopokals der Landesmeister besiegte, ereignete sich eines der schlimmsten Unglücke im Fußball. 39 Menschen starben auf den Tribünen des Brüsseler Heyselstadions, nachdem englische Fans eine Massenpanik ausgelöst hatten. Nur aus Angst vor weiterer Eskalation wurde das Finale ausgespielt.

Englische Klubs wurden für fünf Jahre aus allen UEFA-Wettbewerben ausgeschlossen, erst 1999 sollte wieder ein englischer Klub den wichtigsten europäischen Klubwettbewerb gewinnen, der seit 1993 Champions League heißt: Manchester United mit einem unvergesslichen Last-Minute-Sieg gegen Bayern München.

Seit dem Start der Champions League steht sie auch in der Kritik. Sie generiert Milliardenumsätze durch Fernsehgelder, auch weil aus den großen Nationen drei bis vier Teams die Gruppenphase erreichen können. Andererseits bemängeln viele der 53 UEFA-Mitgliedsnationen, dass etliche Landesmeister bereits in der Qualifikation gegen den Vierten der Primera División oder der Bundesliga ausscheiden. Ab dem Viertelfinale ist die Champions League fast ausnahmslos den Topklubs der finanzstarken Ligen vorbehalten.

Es gilt als offenes Geheimnis, dass Platini daran etwas ändern will. Angeblich wird in der UEFA-Zentrale in Nyon bereits an einem neuen Europacup-Modell gewerkelt, nach dem ab 2016 statt bisher 32 künftig 64 Klubs in der Champions League antreten. Die schwer zu vermarktende Europa League soll stattdessen verschwinden. Die reformierte Champions League wäre dem alten Europapokal der Landesmeister wieder ähnlicher: Titelträger aus kleineren UEFA-Ländern wie Schweiz oder Österreich könnten wohl wieder mit einem festen Startplatz rechnen.

Platini, der 2007 mit den Stimmen vieler kleinerer Mitgliedsländer UEFA-Präsident wurde, könnte ausgerechnet am Widerwillen seiner Unterstützer scheitern: Die 64 Champions-League-Startplätze wären weniger als jene 80 Plätze, die sich derzeit aus Champions League und Europa League ergeben. Das Kontingent der großen europäischen Ligen wird er bei der Kürzung sicherlich nicht antasten.

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