21.05.2012
aufgefallen

Taub durch Seemanöver

Immer wieder stranden Wale an den Stränden dieser Welt. Über die Gründe wird schon seit Langem gerätselt. Meeresbiologen und Umweltschützer haben allerdings schon lange zwei Hauptverdächtige: die Sonar-(Schall-)Ortungssysteme von U-Booten, Kriegsschiffen und Fischern sowie generell Lärmquellen aus Schifffahrt und Rohstoffsuche am Meeresgrund.

Wie das Internet-Magazin »Schattenblick« vergangene Woche berichtete, bestätigt nunmehr auch eine umfassende Studie der Pazifikflotte der US-Kriegsmarine diesen Verdacht. In dem 1800-Seiten-Papier kommen John Van Dame, Umweltplaner der U.S. Pacific Fleet, und Roy Sokolowski, Sonar-Experte der U.S. Pacific Fleet zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von Sprengstoffen und Sonar innerhalb eines Jahres zu mehr als 1600 Fällen von Hörverlust und anderen Verletzungen von Meeressäugern führe. Infolgedessen seien mehr als 200 Tiere ums Leben gekommen. Bisher ging die Navy nur von rund 100 möglichen toten Meeressäugern aus.

So erfreulich der Erkenntniszuwachs bei der US Navy sein mag, so undurchsichtig sind allerdings auch die praktischen Folgen der vorgelegten Umweltfolgenabschätzung. Denn genau genommen muss die Marine bei Übungen schon heute Rücksicht auf Wale und Delfine nehmen. Bestimmte Übungen bedürfen formal einer Zulassung durch die zuständige Fischerei-Behörde. Ab einer bestimmten Lautstärke dürfen sich zudem die Meeressäuger nicht in der Nähe der Übungsgebiete aufhalten. Aber das gilt wiederum nur für die Gewässer vor den Kästen der Bundesstaaten Hawaii und Kalifornien, nicht etwa auf hoher See. Bedenkt man die hohe Ausbreitungsgeschwindigkeit (ca. viermal so hoch wie in Luft) und große Reichweite der Sonartöne, kann man die existierenden Regeln bestenfalls für kosmetisch halten.

Vermutlich ist die »akustische Verschmutzung« der Meere durch zivile Schiffe, Ölsucher und Bohrinseln schon bedrohlich genug für den akustischen Orientierungssinn der Wale. Das Militär ist (nicht nur da) gänzlich entbehrlich.

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