Von Gabriele Günter
21.05.2012

Freude ohne Schaden

Kurt Felix gestorben

Er lächelte aus einer Fernsehzeit herüber, in der man den Moderatoren, den Showmastern noch nicht die Mühe ansah, menschenfreundlich zu sein. Der Frage »Verstehen Sie Spaß?« war bei aller Heftigkeit, mit der man ahnungslose Leute vor die grellen Scheinwerfer der Schadenfreude trieb, doch ein ehrlich sorgender Unterton beigemischt. Es war der Unterton, der versicherte, es wirklich nicht böse gemeint zu haben.

Kurt Felix war kein Zyniker, und es war keine Bos-Haft, in die er seine »Opfer« nahm. Es war möglich, am Samstag, als die TV-Abende wahrlich noch Familienabende waren, heiter lektioniert zu werden: Das Unwägbare lauert überall; glaube keinem Augenschein; halte dich möglichst nie für den, der garantiert nicht hereinfällt; halte das Unwahrscheinliche für wahr. In Supermärkten galt plötzlich die Straßenverkehrsordnung; Reinhold Messner traf auf hochgelegenen Kletterstiegen am Matterhorn unverhofft und wutentbrannt auf einen Zeitungskiosk; das eben geparkte Auto landete in einer Schrottpresse ...

Heute nennen wir bieder, was sich damals doch nur auf unangestrengte Weise langsam und launig gab. Von 1980 bis 1990 waren die Späße mit der versteckten Kamera ein Harmlosigkeits-Renner im deutschen Fernsehen - noch war das Objektiv, das sich aus verheimlichter Richtung auf den Menschen richtete, kein denunzierendes, freiheitsschneidendes Machtinstrument.

Nun ist der Schweizer Kurt Felix, Gewerbeschullehrer, TV-Reporter, bilderbuchenswert verheiratet mit der Sängerin Paola, seiner Co-Moderatorin, im Alter von 71 Jahren in St. Gallen gestorben, nach langem Kampf gegen den Krebs.


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