Von Karin Leukefeld
21.05.2012

Ankara ärgert Bagdad

Fall Haschimi stört irakisch-türkische Beziehungen

Bei einer Anschlagsserie auf einem Markt in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Freitag mindestens fünf Menschen getötet worden. 31 weitere seien verletzt worden, als es auf dem Markt drei aufeinanderfolgende Explosionen gegeben habe, hieß es von Ärzten und aus Sicherheitskreisen. Unter den Verletzten seien etwa 20 Minderjährige.

Auch die außenpolitischen Konflikte Iraks nehmen gegenwärtig zu. So hat der Protest von etwa 200 aufgebrachten Irakern vor dem türkischen Konsulat in Basra (Südirak) die angespannten Beziehungen zwischen Irak und der Türkei auf eine weitere Probe gestellt. Die Demonstration am vergangenen Samstag richtete sich gegen die Entscheidung Ankaras, den mit internationalem Haftbefehl gesuchten irakischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschimi nicht nach Irak auszuweisen. Sollte die Türkei ihre Meinung nicht innerhalb von zwei Wochen ändern, werde man türkische Unternehmen in Irak boykottieren, kündigte Hassan Hamdi al-Izzi von der Vereinigten Arbeitergewerkschaft an, die den Protest organisiert hatte.

Der Boykott werde in Basra beginnen, man werde auf die Ausweisung türkischer Unternehmen drängen, sollte Ankara nicht einlenken. »Werft die Türken raus!« riefen die Demonstranten und verbrannten eine türkische Fahne vor dem Eingang des Konsulats. Die Türkei versuche einen »konfessionellen Konflikt unter den Irakern zu schüren«, sagte der Gewerkschafter Reportern lokaler Medien.

Das Gleiche hatte vor wenigen Wochen der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seinem irakischen Amtskollegen Nuri al-Maliki vorgeworfen. Der irakische Vizepräsident, so der türkische Premier werde von der Regierung in Bagdad verfolgt, weil er der in Irak in der Minderheit befindlichen islamischen Sekte der Sunniten angehöre, Maliki führe einen »Vernichtungsfeldzug« gegen die irakischen Sunniten. Der irakische Ministerpräsident hatte daraufhin gedroht, solche Äußerungen würden »die türkischen Interessen« in Irak gefährden.

Tarik al-Haschimi wurde unmittelbar nach dem Abzug der US-Truppen aus Irak Ende letzten Jahres angeklagt, mit seinen Leibwächtern eine Todesschwadron geführt zu haben. Insgesamt liegen 150 Anklagen gegen ihn und seine Leibwächter vor. Haschimi, der die Vorwürfe als »politisch motiviert« zurückgewiesen hat, hatte sich mit Zustimmung des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani zunächst in die kurdische Autonomieregion in Nordirak begeben, wo die irakische Zen᠆tralmacht keine Amtsgewalt hat. Nach einer Tour durch die Golfmonarchien Katar und Saudi-Arabien hält er sich inzwischen für eine »medizinische Behandlung« in der Türkei auf.

Das irakische Außenministerium in Bagdad bestellte am vergangenen Donnerstag bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Monats den türkischen Botschafter Yunus Demirer ein, um gegen das Verhalten Ankaras und türkischer Diplomaten in Mossul und Basra zu protestieren. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu, der sich derzeit zum NATO-Gipfel in Chicago aufhält, kritisierte in einem Telefonat mit seinem irakischen Amtskollegen Hosyar Zebari das «hässliche Verhalten gegenüber der türkischen Fahne« in Basra.

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