21.05.2012

Zu wenig Schallschutz - und Tegel lärmt mehr

Zeit bis zur verspäteten Eröffnung soll für Anwohner genutzt werden / Mehr Flugzeit angestrebt

(nd/dpa/AFP). Mit Schwung und von der Verschiebung der Flughafeneröffnung des BER eher ermutigt geht die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) in die kommenden Wochen. Heute Abend werden um 19 Uhr rund 2000 Airport-Kritiker Auf dem Marktplatz an der Bölschestraße zu ihrer 47. Montagsdemo erwartet.

Zuvor veranstaltet das Bezirksamt Treptow-Köpenick um 17 Uhr im Rathaus Treptow eine Informationsveranstaltung, bei der Mitarbeiter des BER über den Stand des Schallschutzes informieren. Dabei rechnet die Bürgerinitiative mit einer Kostenexplosion. Bis zu 800 000 Berliner und Brandenburger, so die FBI, seien wegen der Müggelseeroute neu von Fluglärm betroffen. Allerdings muss die Initiative einräumen, dass Lärmkartierungen des BER, die eine exaktere Bestimmung der Probleme erlauben würden, noch nicht vorliegen.

Die Verschiebung der BER-Eröffnung sollte nach Ansicht von Dahme-Spreewalds Landrat Stephan Loge für den Lärmschutz genutzt werden. Sein Landkreis werde die Flughafengesellschaft auffordern, alles an die Umsetzung des Schallschutzprogramms zu setzen, sagte Loge in einem Pressebeitrag. Bisher seien nur fünf Prozent der Betroffenen mit Lärmschutz ausgestattet worden. Insgesamt haben 25 000 Haushalte Anspruch auf spezielle Fenster und Lüfter. Der Flughafen soll signalisiert haben, beim Lärmschutz »noch eine Schippe drauf zu packen«.

Unter den Flugrouten des Flughafens Tegel bleibt die ersehnte Beruhigung vorerst allerdings aus. Hier fordert der Flughafenverband ADV »dringend« täglich eine zusätzliche Flugstunde - je eine halbe Stunde morgens und abends. Nur so könne es einen stabilen Flugplan mit den Flügen geben, die ab Juni eigentlich für den neuen Airport geplant waren, sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, Ralph Beisel. Zugleich warb er um Verständnis bei den Anwohnern. Er bat sie, die »Zähne in der Übergangszeit noch einmal zusammenzubeißen, um den Luftverkehrsstandort Deutschland zu sichern«.

In Tegel gilt ein Flugverbot von 23 bis 6 Uhr. Für die Genehmigung von Flügen außerhalb dieser Zeit ist die Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg zuständig. Lufthansa und Air Berlin haben dort bereits Anträge eingereicht. Ob und wann mit einer Genehmigung zu rechnen ist, konnte die Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung, Petra Rohland, noch nicht sagen.

Wie viele Flüge zusätzlich ab Tegel starten, könne er noch nicht sagen, erklärte Beisel. Erst in den nächsten Tagen werde der Flugplankoordinator die Zahlen bekommen und die Flugpläne für Tegel und Schönefeld neu erstellen. »Wir wissen, dass die Lufthansa eine große Ausweitung ihres Programms plant. Das sind allein über 600 Flüge in der Woche.« Air Berlin wolle den neuen Flughafen als Drehkreuz nutzen. Beide Fluggesellschaften müsse man in Tegel unterbekommen. Das werde gelingen.

Ein Ausweichen auf andere Flughäfen im größeren Umkreis von Berlin ist aus Beisels Sicht nicht sinnvoll. »Sie können nicht einen Teil der Zubringerflugzeuge in Leipzig und einen anderen Teil in Tegel landen lassen, wenn Sie mit den Passagieren eine größere Maschine befüllen wollen, die dann weiterfliegt.« Das sei nur an einem Standort machbar.

Der Airport Leipzig/Halle hat sich bereits als Ausweichairport zur Entlastung Tegels angeboten. »Wir haben bereits in ersten Vorgesprächen Fluglinien und Reiseveranstalter über diese Option eines Bypasses informiert«, sagte der Chef der Mitteldeutschen Airport Holding, Markus Kopp, der »Wirtschaftswoche«.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat einem Zeitungsbericht zufolge eine Sonderkommission eingesetzt. Die Arbeitsgruppe seines Ministeriums solle den vorläufigen Flugbetrieb, die Start- und Landezeiten sowie die Koordination an den Flughäfen Tegel und Schönefeld sicherstellen. Ramsauer forderte die fristgerechte Fertigstellung des neuen Airports für März 2013. Diesen Termin kritisiert aber der Offenbacher Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa als » sehr zweifelhaft und unrealistisch bei dem Chaos, das da herrscht«.

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