Von Uwe Kalbe und Aert van Riel
21.05.2012

Wagenknecht sagt Bartsch ab

Kompromiss-Doppelspitze aus dem Rennen / Südwesten für Lafontaine

Je knapper die Zeit bis zum Bundesparteitag Anfang Juni in Göttingen wird, desto aufgeregter die Diskussion über die offene Führungsfrage, die dieser entscheiden soll. Das Wochenende schuf keine Klarheit, ließ aber Stimmungen klarer erkennen.

Auf zwei ersten Regionalkonferenzen vor dem Parteitag sprachen sich Mitglieder im Südwesten in Stimmungsbildern klar für eine Kandidatur Oskar Lafontaines aus. Saarland und Rheinland-Pfalz am Freitagabend wie auch Baden-Württemberg am Sonntag gaben damit Dietmar Bartsch einen Korb, der seine Kandidatur für den Parteivorsitz vor einem halben Jahr angemeldet hatte. In Stuttgart, wo er angereist war, um für seine Ziele zu werben, musste er sich mit zwei Stimmen zufrieden geben, die sich in einem Votum der rund 100 Teilnehmer für seinen Antritt fanden. Die Abstimmung in Saarbrücken ging zu 100 Prozent für Lafontaine aus. Dieser hat seine Kandidatur davon abhängig gemacht, dass es keinen Gegenkandidaturen gibt, Bartsch seine also zurückzieht.

»Es wird nicht gehen, wenn alle alles ausschließen«, sagte Bernd Riexinger, Landesvorsitzender in Baden-Württemberg, am Sonntag gegenüber »nd«. Er unterstütze die Kandidatur Lafontaines, hoffe aber auf eine Lösung, »die niemanden beschädigt«. Der frühere Vorsitzende Lothar Bisky sprach sich hingegen für eine Kampfkandidatur aus. »Zwei Kandidaten sind eine Bereicherung des Parteilebens und kein Problem«, sagte er dem »Tagesspiegel am Sonntag«. Bartsch selbst hat die Aufforderung zur Rücknahme seiner Kandidatur zurückgewiesen. Als Bundesgeschäftsführer - vorgeschlagen von Fraktionschef Gregor Gysi - oder als Vizevorsitzender unter Lafontaine werde er nicht kandidieren. Am Wochenende hatte er sich aber offen für eine Doppelspitze mit Sahra Wagenknecht gezeigt. »Wir sind beide stellvertretende Fraktionsvorsitzende und gehen uns nicht an die Gurgel«, sagte Bartsch gegenüber »Welt Online«.

Wagenknecht selbst lehnte dies rigoros ab. »Das habe ich immer ausgeschlossen. Es wäre keine Lösung, weil dann die Streitigkeiten weitergehen würden«, sagte sie dem Berliner »Tagesspiegel«. Auf einer Konferenz des linken Parteiflügels wurde sie am Sonntag in Berlin deutlicher. Der Reformerflügel habe über die Medien verbreitet, die gegenwärtige Parteiführung »sei Mist«. Nun laufe »gegen Oskar das gleiche miese Spiel«. Man dürfe die LINKE »nicht denen überlassen, die aus ihr eine Light-Version machen wollen«. Lafontaine selbst sagte auf der Konferenz, er dränge sich nicht auf und werde nur antreten im Falle einer »kooperativen Führung, in der alle nur auf das gegnerische Tor schießen«.