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21.05.2012

Notbremse

Standpunkt von Jürgen Reents

Die Grünen haben es in ihren noch rebellischen 1980er Jahren dreimal vorgemacht: mit einem Frauenvorstand in der Bundestagsfraktion und der Westberliner Alternativen Liste und einer Frauenliste zur Hamburger Bürgerschaft. Die männerdominierten Konflikte wurden vorerst gebändigt, die Partei mobilisierte ihren emanzipatorischen Willen - und sogar die Wahlergebnisse besserten sich. Nun suchen einige in der LINKEN nach einer ähnlichen Notbremse. Denn mit der schroffen Absage von Sahra Wagenknecht an ein gemeinsames Führungsduo mit Dietmar Bartsch ist die Tür für einen herkömmlich befriedenden Personalkompromiss an der Parteispitze zugeknallt. Egal, ob neben Bartsch doch noch Oskar Lafontaine oder Klaus Ernst kandidieren, die Signale für den Göttinger Parteitag sind so auf eine schwere Kollision gestellt. Das derzeitige Sieg-oder-Niederlage-Denken der verfeindeten Heere in der LINKEN lässt einen normalen demokratischen Umgang mit Alternativkandidaturen offenbar nicht zu.

Wenn der Vorschlag einer »dritten Lösung« mit einer weiblichen Doppelsitze in der Partei in den verbleibenden Tagen genügend Dynamik entfaltet, auch bei männlichen Mitgliedern, könnte dies der letzte Ausweg sein, die Partei beieinander zu halten. Es bedürfte nur des Mutes, die Strömungsschatten zu überspringen.

In Aristophanes' »Lysistrata« (die Heeresauflöserin!) besetzen die Frauen von Athen und Sparta die Akropolis ja nicht, um die kämpfenden Männer loszuwerden. Sie wollen sie nur daran hindern, sich gegenseitig zu schlachten.

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