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22.05.2012

Hüfte erster Klasse

Kommentar von Silvia Ottow

Ärztetage stehen für selbstbewusste Forderungen der Mediziner nach mehr Geld und mehr Renommee. Wir erinnern uns an das Lieblingsthema vergangener Jahre, die Priorisierung. Die sollte vor allem dazu dienen, bestimmte Leistungen aus dem kassenfinanzierten in das private Gesundheitssystem überzuleiten und damit die Patienten zu belasten. Die erste Klasse kann sich mit 80 noch die Hüfte machen lassen, weil sie das Geld dafür hat und die zweite Klasse schaut in die Röhre. Den kruden Ideen haben Politik und Krankenkassen zum Glück stets widersprochen. Vom Tisch dürfte sie dennoch nicht sein, höchstens ein wenig in den Hintergrund getreten. Schließlich sorgten zwei FDP-Gesundheitsminister in Folge dafür, dass ihre Wähler im weißen Kittel höhere Honorare für Zahnbehandlungen, Prämien für Landärzte sowie Extravergütung für Patientenbesuche im Pflegeheim erwarten dürfen.

Diesmal hat sich ein großer Teil der Ärzte bereits im Vorfeld für den Erhalt der Privaten Krankenversicherung ausgesprochen, ein durchsichtiges Manöver zur Sicherung eines gut bezahlten Zubrots. Schließlich dürfte den meisten niedergelassenen Ärzten klar sein, dass sie ohne die 32 Millionen Euro Jahreshonorar aus dem Topf der gesetzlichen Krankenkassen gar nicht überleben könnten.

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