Von Wolfgang Weiß
23.05.2012

Spektakel am Köpenicker Schloss

Forstorder Friedrich II. Thema auf einem Kolloquium

Der Platz vor dem Schloss Köpenick, heute Kunstgewerbemuseum, erlebte am Dienstag ein Spektakel besonderer Art. Hoch zu Ross und in den Uniformen des Reitenden Feldjäger-Corps aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begrüßten Reiter, begleitet vorn Jagdhornbläsern, den Preußenkönig Friedrich II. Seine Majestät, verblüffend ähnlich dargestellt von einem Mitglied des Treptow-Köpenicker Vereins Ratz-Fatz, verlas vor interessiertem Publikum, das Resümee , das der Alte Fritz nach einem Besuch der Köpenicker Forsten 1766 über den Zustand der Wälder gezogen hatte.

Unter dem Motto »Kommt zur Vernunft«, ein Appell des Preußenkönigs, hatten der Heimatverein Köpenick und der Tourismusverein Treptow-Köpenick sowie das Berliner Kunstgewerbemuseum zu einem »Rapport auf's Cöpenicker Schloss« geladen. Dabei ging es um jenen Aufenthalt des Monarchen in dessen Gefolge er damals »Orders über die bessere Pflege der Cöpenicker Forsten« erließ. Friedrich II. hatte damals die Forsten »in dem desolatesten Zustande gefunden« und seine »höchste Unzufriedenheit« zum Ausdruck gebracht. Ultimativ forderte er die Verantwortlichen zur sorgsamen Pflege und nachhaltigen Bewirtschaftung der Forsten auf und drohte bei Nichtbefolgung mit Festungshaft und Entlassung.

Bei dem Kolloquium, das auf Initiative des Hobby-Jägers, Sachbuchautors und Publizisten Erich Hobusch zu dessen 85. Geburtstag stattfand, gingen Experten der Jagdkultur, des Naturschutzes und der Forstwirtschaft aus Berlin und Brandenburg der Frage nach, welchen Einfluss die königlichen »Ordres« von damals auf die Entwicklung Köpenicks und seiner Umgebung hatten. Sie kamen zu dem Schluss, dass zumindest Grundlagen für eine moderne Forstwirtschaft gelegt wurden. In einer Broschüre, die vom Club der Tourismus-Journalisten Berlin-Brandenburg CTOUR erstellt wurde und deren Mitglied Erich Hobusch seit Gründung ist, werden die einzelnen forstwirtschaftlichen Initiativen Friedrich II. dokumentiert und auch Auskunft über Förster, Militär und Verwaltung vor 300 Jahren gegeben.

Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD) musste sich bei dem Spektakel auf dem Schlossplatz der Frage stellen: Was wird heute aus den Köpenicker Wäldern? Der Rathauschef versicherte, dass sich das Bezirksamt um die Wälder und Parks im Berliner Südosten kümmert und dass er dabei auch auf »Gelder von ganz oben« hofft. Gleichzeitig appellierte er an die Bürger des Stadtbezirkes, auch das ihre dazu beizutragen, damit Treptow-Köpenick ein Stadtbezirk bleibe, wo man gut leben und sich gut erholen könne.

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