23.05.2012

Neue Zeiten

Standpunkt von Olaf Standke

Es ist kein erfreuliches Bild, das führende deutsche Friedensforschungsinstitute in ihrem neuesten Gutachten vom Zustand unserer Welt zeichnen. Verantwortung dafür trägt an vorderster Front jenes Militärbündnis, das sich jetzt in Chicago auf dem größten Gipfel seiner Geschichte ausgiebig selbst feierte. Der Nordatlantik-Pakt und allen voran die USA geben Jahr für Jahr mehr Geld für Rüstung und Krieg aus als der Rest der Staaten. Doch dass ihre Lage durch diese gigantische militärische Überlegenheit sicherer geworden sei, bezweifeln die Wissenschaftler. Mehr noch, eine Verschiebung der Wirtschafts- und Machtverhältnisse hin zu aufstrebenden Ländern wie China oder Indien, zumal unter dem Druck einer selbstverschuldeten Finanzkrise, ist unübersehbar. Die Zeiten einer unangefochtenen Dominanz des Westens sind global gesehen endgültig passé.

Das alles verlangt nach Analyse der Friedensforscher dringend ein neues Denken. Doch davon ist die NATO weit entfernt, und zu Recht warnt das »Friedensgutachten 2012« davor, etwa China nach altem Strickmuster »eindämmen« zu wollen und sehenden Auges in eine angeblich unvermeidliche Konfrontation zu schlittern. Sicherheit ist heute und morgen nicht mehr gegen-, sondern nur noch miteinander zu erreichen. Das gilt auch mit Blick auf Russland und den vom NATO-Gipfel auf den Weg gebrachten Raketenabwehrschild. Wer andere vom Wettrüsten abhalten will, muss selbst durch Abrüstung und Vertrauensbildung in Vorleistung gehen. Das hat der Pakt in Chicago nicht getan.

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