Von Jürgen Amendt
25.05.2012

Spaltung der HRK?

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Karikatur: Christiane Pfohlmann

Einer der unbestreitbaren Vorzüge von Margret Wintermantel ist ihr Hang zur Harmonie. Selbst die deutlichsten Interessenkonflikte konnte sie als Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) verbal übertünchen. Ihr Nachfolger im Amt, Horst Hippler, hält von Konsens offenbar wenig. Kaum gewählt, kündigte er den Burgfrieden zwischen Fachhochschulen (FH) und Universitäten auf. Konnten erstere unter Wintermantel noch darauf hoffen, allmählich den Universitäten gleichgestellt zu werden, sagt Hippler, für das Forschen seien die Universitäten zuständig und erteilte damit dem Anspruch der FHs auf Gleichstellung eine Abfuhr.

Hinter der Äußerung steht ein handfester, seit langem schwelender Konflikt. Die FHs, einst als anwendungsorientierte akademische Bildungsstätten gegründet, haben in den letzten Jahren gegenüber den Hochschulen und Universitäten nach und nach aufgeholt. Verantwortlich dafür ist vor allem die Bologna-Reform und die damit verbundene Einführung der gestuften akademischen Abschlüsse Bachelor und Master. Seitdem hat sich auch das Studium an den altehrwürdigen Universitäten immer weiter verschult. Praxisnaher und daher bei der Jobsuche oftmals vorteilhafter ist aber weiterhin ein Abschluss an einer FH.

Horst Hippler, der bis zum Amtsantritt als HRK-Präsident mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Einrichtung leitete, das sich zur wissenschaftlich-forschenden Elite des Landes zählt, will da offenbar gegensteuern. Die Folge wird nicht nur ein künftig offen ausgetragener Streit in der HRK sein, es droht die Spaltung der HRK. Warum, so werden sich u.U. die FH-Vertreter fragen, sollen wir einem Gremium angehören, dass unsere Interesse nicht mehr vertritt und stattdessen Klientelpolitik für die Exzellenzunis betreibt?


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