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25.05.2012

Facebook wird zum Fall

Kommentar von Hermannus Pfeiffer

Das »soziale« Netzwerk Facebook verlor in nur einer Woche seit seinem Börsengang etwa 15 Milliarden Dollar an Wert. Leser dieser Zeitung dürfte der Niedergang kaum überraschen. Gründlich und rechtzeitig hat das »nd« vor dem Fall gewarnt: Kaum vier Milliarden Umsatz und ein Börsenwert von über 100 Milliarden Dollar wollen nicht so recht zusammenpassen.

Überrascht vom Offensichtlichen zeigten sich dagegen US-Anleger. Was an der Börse misslang, soll nun vor Gericht gelingen - fett Kasse zu machen. Mehrere Anwälte reichten Sammelklagen in Kalifornien und New York ein. Sie beschuldigen die Internetfirma, vor dem Börsengang wesentliche Informationen vorenthalten zu haben. Die wirklich wichtigen Angaben waren jedoch sehr wohl dem Börsenprospekt zu entnehmen. Schwergewichtiger scheint da schon die Klage gegen die Nasdaq. Technische Schwierigkeiten im ohnehin politisch umstrittenen Hochfrequenzhandel der Technologiebörse könnten einen ordnungsgemäßen Ablauf verhindert haben. Nicht jeder konnte rechtzeitig kaufen oder verkaufen, so der Vorwurf. Erst kürzlich war der Börsengang der US-Firma BATS an einem solchen Softwarefehler gescheitert.

Politisch brisant ist auch der Vorwurf an den US-Giganten Morgan Stanley und andere an der Emission beteiligte Großbanken. Sie sollen ihre optimistischen Prognosen rechtzeitig vorm Startschuss der Facebook-Aktie zurückgenommen, dies aber nur ausgewählten Kunden mitgeteilt haben.

Ohne diese Ungereimtheiten bagatellisieren zu wollen, das eigentliche Problem ist betriebswirtschaftlicher Natur. Das auf Werbung basierende Geschäftsmodell von Kinoliebling Mark Zuckerberg steht auf tönernen Füßen. Popelige 1,20 Dollar zahlte die werbende Wirtschaft für jeden Nutzer, und schon morgen könnten sich der Schwarm der angeblich 900 Millionen Nutzer für andere Medien begeistern.

Unweigerlich erinnert das süße Börsenabenteuer, das Zuckerberg zum Milliardär machte, an die Internetblase zur Jahrtausendwende. Als die Spekulationsblase dann im März 2000 platzte, krachten die Börsen, gingen abertausende Jobs unter und lachten die Ex-Bosse sich ins Fäustchen: Sie hatten durch die Börsengänge selbst längst ausreichend Kasse gemacht.

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