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Von Gudrun Janicke, dpa
25.05.2012
Brandenburg

Den Schäfern fehlt Nachwuchs

Bei Volksfesten sind sie gern gesehen, aber Geld lässt sich mit den Tieren schwer verdienen

Brandenburgs Schäfern geht langsam der Nachwuchs aus. Der Manager des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, Marc Mennle, befürchtet ein Aussterben des traditionsreichen Berufs. Derzeit werden zwei Jugendliche im ersten Lehrjahr ausgebildet, sagte Mennle. Das reiche nicht, um die altersbedingte Aufgabe von Betrieben auszugleichen.

Gegenwärtig werden landesweit rund 1900 junge Leute in den sogenannten grünen Berufen ausgebildet. Das reicht vom Tierwirt bis zum Gärtner. Auch diese Zahl ist in den vergangenen Jahren nach Angaben des Landesamtes für Landwirtschaft und Flurneuordnung gesunken. Grund sei der demografische Wandel mit weniger Geburten.

Mennle betonte, er könne niemandem ruhigen Gewissens empfehlen, Schäfer zu werden. »Aus betriebswirtschaftlichen Gründen ist das nicht zu befürworten.« Die Gewinnchancen liegen bei Null, und was übrig bleibe, reiche kaum zum Überleben. Der Verein habe errechnet, dass ein Schäfer fünf Euro Gewinn pro Mutterschaf im Jahr erziele.

Zu DDR-Zeiten wurden Wolle, Fleisch und Leder der Tiere subventioniert. Auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg wurden allein 392 000 Merinoschafe gehalten. Heute sind es insgesamt rund 72 000 Tiere mehrerer Rassen. 6000 Halter sind registriert, aber nur 60 arbeiten im Haupterwerb als Schäfer. »Schafhaltung ist mehr Berufung denn Beruf«, sagte Mennle.

Der Schäfer beklagte die fehlende Anerkennung für die Arbeit seiner Kollegen. »Wir sind in der Regel das lustige Rahmenprogramm bei Volksfesten«, meinte er. Schäfer in traditioneller Berufskleidung mit einigen Tieren, möglichst mit ein paar Lämmern, werden gern eingeladen. Der wichtige Beitrag zum Naturschutz und zur Deichpflege werde hingegen vergessen. »Mit unseren Tieren kommen wir dorthin, wo ein Fahrzeug aufgeben muss.« Schaf- und Ziegenhalter pflegten Mennle zufolge im vergangenen Jahr eine Fläche von insgesamt 1175 Hektar. Die Tiere weideten auf rund 620 Kilometer Deich.

Mennle berichtete von bürokratischen Hürden. Beispielsweise kommen die Schäfer nicht in den Genuss von preiswerterem Agrardiesel zum Betanken ihrer Geländewagen, die kein Statussymbol seien. »Die brauchen wir, um zum Teil mehrmals täglich Wasser zu den Tieren zu bringen.« Sorgen bereiten seinen Berufskollegen auch Schäden an den Herden durch wiederangesiedelte Wölfe. Es werden zwar Entschädigungen gezahlt, doch zusätzlicher Schutz wie Spezialzäune sei kostspielig.

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