Marcus Meier 26.05.2012 / Kolumnen
Macht und Geschlecht

Sind Frauen die besseren Politiker?

»nd« fragte nach bei Frigga Haug, Reiner Priggen und Katharina Schwabedissen

Blickt man auf die Schlagzeilen der letzten Tage, entsteht oft der Eindruck, als seien Frauen auf dem Durchmarsch durch das politische System. Das »nd« hat nachgefragt: Ist das tatsächlich so? Was würde das verändern? Es antworteten Katharina Schwabedissen, Kandidatin für den LINKE-Bundesvorsitz, die feministische Sozialwissenschaftlerin Frigga Haug und Reiner Priggen, Chef der Grünen-Fraktion im NRW-Landtag.

Grünen-Politiker Reiner Priggen
Drei männlichen SPD-Alphatierchenen wird nicht zugetraut, die Bundeskanzlerin (sic!) aus dem Amt zu drängen – also soll Hannelore Kraft ran. Sigmar Gabriel zumindest ist dieser Idee nicht abgeneigt. Auf einem Kongress sozialdemokratischer Frauen hielt der SPD-Chef unlängst zudem eine veritable »Wutrede ... über verkrustete Sozi-Funktionäre und verstaubte Partei-Strukturen« (so das Boulevarblatt »tz«). Die Damen sollen teils dem Herzinfarkt nahe gewesen sein ob des Gabrielschen Gefühlsausbruchs. Kritik konterte der SPD-Boss aus: Er wolle lieber kein Kanzlerkandidat sein als »meine Emotionen« zu verlieren. Über Emotionen reden, auf die Kanzlerschaft verzichten: Ist in der SPD eine Kulturrevolution ausgebrochen? »Der Herr Vorsitzende badet gerne lau!«, hört man Herbert Wehner aus dem Grabe heraus stöhnen. Doch »Basta!«-Ex-Kanzler Gerhard Schröder soll schon ein ganz klein wenig leiser über das »Frauen-Gedöns« namens Gleichstelltung tönen. In Düsseldorf verhandeln derweil zwei Frauen über die Fortsezung der rot-grünen Koalition, die von ihnen knapp zwei Jahre lang angeführt wurde. Eben so viele Nicht-Männer werden vielleicht bald die Linkspartei führen. Und selbst bei den männerdominierten Piraten tut sich etwas: Da entschuldigt sich der Berliner Abgeordnete Gerwald Claus-Brunner, weil er eine ins Gespräch gebrachte Frauenquote in seiner Partei als »Tittenbonus« diffamiert hatte. Das sei »sehr unpassend« und »sexistisch«, übt der Mann mit dem Palli-Tuch auf dem Kopf Selbstkritik. Die Kommentare unter seiner Erklärung sind zweispältig. Immerhin: Die Debatte findet statt. Mitten in der orangenen Männerdomäne.Sind Frauen also auf dem Durcharsch durch die politischen Institutionen? Frigga Haug bleibt skeptisch: »Verspätet wie immer in der Geschichte, beginnen auch in Deutschland Frauen in Entscheidungspositionen einzuziehen.« Das verändere zwar »die kulturellen Selbstverständlichkeiten« und mache »Ansätze einer weniger patriarchalen Politik möglich«. Es sei aber bloß ein Anfang, meint die linksfeministische Soziologin und Philosophin. »Immer mehr Frauen machen sich auf den Weg. Dass Frauen aber auf dem Durchmarsch wären, kann man wohl kaum sagen«, betont auch Katharina Schwabedissen. Die Anzahl von Frauen in leitenden Gremien spräche da eine deutliche Sprache: »Frauen sind immer noch eine Ausnahme.

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