Von Hans-Ulrich Keller, dpa
26.05.2012

Venustransit auf der Innenbahn

PLANETEN, MOND, STERNE und SONNE im JUNI: Sommerdreieck strahlt in Ost, Frühlingsdreieck verzieht sich nach West

Venus gibt demnächst eine ex᠆trem seltene Vorstellung. In der Nacht vom 5. auf 6. Juni überholt unser Nachbarplanet die Erde auf der Innenbahn. Venus zieht dabei als dunkler Punkt vor der grellen Sonnenscheibe vorbei. Leider ist dieser Venustransit von Deutschland aus nur in seiner Endphase zu verfolgen, nämlich kurz nach Sonnenaufgang. Um 6.55 Uhr endet der Venusdurchgang bei uns. Die Sonne geht in Berlin um 4.46, in Dresden um 4.52, in Frankfurt/Main um 5.17, in Hamburg um 4.53, in Köln um 5.20, in Leipzig um 4.56, in München um 5.15 und in Stuttgart um 5.22 Uhr auf.

Gute Augen können die dunkle Venus schon ohne optische Hilfsmittel als dunklen Punkt vor der Sonne ausmachen. Allerdings benötigt man entsprechende Schutzmaßnahmen, um gefahrlos in die Sonne zu sehen, wie beispielsweise Sonnenfinsternisbrillen.

Der letzte Venustransit am 8. Juni 2004 konnte in seiner vollen Länge bei strahlend schönem Sommerhimmel von Mitteleuropa aus beobachtet werden. Den nächsten Venusdurchgang wird kein heute lebender Mensch zu Gesicht bekommen. Er findet erst am 11. Dezember 2117 statt.

Am 6. Juni erreicht die Venus mit 43 Millionen Kilometer ihre geringste Distanz von der Erde. Kein anderer Planet kann uns so nahe kommen. Nachdem Venus in den vergangenen Monaten den Abendhimmel maßgeblich bestimmte, taucht sie gegen Ende Juni in der Morgendämmerung tief am Nordosthimmel auf. Damit läutet sie ihre Morgensternperiode ein.

Ebenfalls im Laufe des Juni erscheint Jupiter am Morgenhimmel. Der Riesenplanet ist ebenfalls im Nordosten zu sehen. Die Venus ist jedoch eindeutig heller. Am 17. zieht die schmale Sichel des abnehmenden Mondes knapp an Jupiter vorbei - ein netter Himmelsanblick in der beginnenden Morgendämmerung.

Mars ist im Juni der Planet der ersten Nachthälfte. Seine Helligkeit nimmt weiter ab, dennoch zählt er immer noch zu den Gestirnen erster Größenklasse. Saturn im Sternbild Jungfrau hält sich nahe ihrem Hauptstern Spica auf. Am 28. erhält der Ringplanet Besuch vom zunehmenden Halbmond. Der Merkur zeigt sich vom 11. bis 25. kurzfristig am Abendhimmel. Gegen 22.15 Uhr kann man ihn knapp über dem Nordwesthorizont erspähen. Etwa zwanzig Minuten später wird er im Horizontdunst unsichtbar. Pluto kommt am 29. in Opposition zur Sonne. Uns trennen an diesem Tage 4674 Millionen Kilometer von ihm. Vier Stunden und zwanzig Minuten ist das reflektierte Sonnenlicht von ihm zur Erde unterwegs.

Am 4. tritt um 13.12 Uhr die Vollmondphase ein. Die Nacht vom 4. auf 5. ist die kürzeste Vollmondnacht des Jahres 2012. Da der Mond nur einen Tag vorher mit 358 480 Kilometer Distanz in Erdnähe kommt, ist wieder einmal mit Springfluten zu rechnen. Der Vollmond tritt diesmal zu mehr als einem Drittel in den Kernschatten der Erde, es ereignet sich eine partielle Mondfinsternis. Da sie in den Mittagsstunden am 4. stattfindet, ist sie von Mitteleuropa aus nicht zu sehen, denn der Vollmond ist bei uns noch nicht aufgegangen. In Erdferne trennen uns am 16. gut 405 790 Kilometer von unserem Nachbarn im All. Neumond wird am 19. um 17.02 Uhr erreicht.

Das Frühlingsdreieck mit Arktur im Bootes, Regulus im Löwen und Spica in der Jungfrau ist in die westliche Himmelshälfte gerückt. Im Osten hingegen ist das Sommerdreieck komplett aufgegangen. Es wird von den drei hellen Sternen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler gebildet. Der Große Wagen steht nach wie vor hoch über unseren Köpfen. Knapp über dem Südhorizont krabbelt der Skorpion den Horizont entlang. Sein tiefroter Hauptstern Antares ist kaum zu übersehen. Er ist ein roter Überriesenstern in 600 Lichtjahren Entfernung. Und er ist so groß, dass unsere Sonne samt der Erdbahn bequem in ihm Platz fände.

Die Sonne erreicht am 21. um 1.09 Uhr ihren Jahreshöchststand, der astronomische Sommer beginnt. Der Sommerpunkt markiert den Beginn des Tierkreiszeichens Krebs, weshalb man vom Wendekreis des Krebses spricht. Denn die Sonne beginnt nach ihrer Passage des Sommerpunkts wieder im Tierkreis abzusteigen

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