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Von Rosemarie Schuder
26.05.2012

»Kein Wunder ist größer ...«

Zum 110. Todestag des Mediziners Adolf Kußmaul

»Der Abend verglüht und die Nacht bricht ein,/ O flimmernder Staub im Sonnenschein,/ Bald wirst du im Dunkel verschwunden sein.« Mit diesem Ausklang beendete der Mediziner Adolf Kußmaul sein Buch »Jugenderinnerungen eines alten Arztes«. Nach einem arbeitsreichen Leben starb er am 28. Mai 1902 in Heidelberg. Er war am 22. Februar 1822 in Graben bei Karlsruhe zur Welt gekommen.

Sein Vater, ein Landarzt, hatte schon frühzeitig bei ihm die Neigung zum Helfen erkannt. Oft nahm er seinen Sohn bei Krankenbesuchen mit. So wurde ihm der Vater im Umgang mit Patienten zum Vorbild: »Gegen vornehm und nieder bewahrte er die gleiche, achtungsvolle Höflichkeit.« In seinen Erinnerungen berichtete Kußmaul auch über seine »Jugendsünden«: Gedichte. Zu diesen »Sünden« gehörten seine Verse vom Mann im Mond, der aus seiner Einsamkeit ausbrechen wollte, um sich auf der Erde umzusehen. Doch da der Herabgestiegene nur Trostloses fand, kehrte er zurück: »Und wieder thront er stumm und bleich/ In seinem öden, kalten Reich/ Und weiß nun, dass die Erde sei/ Auch eine Welt voll Wüstenei.«

Auf seinen Studienwegen über Mannheim, Heidelberg, Prag und Wien war Kußmaul in der Stadt an der Donau mit Kollegen der sogenannten Jungen Wiener Schule zusammengekommen. In den »Jugenderinnerungen« hat er über diese Begegnungen kritische Beobachtungen veröffentlicht. Bei vielen dieser Herren gelte der Grundsatz: »Nichtstun sei das beste in der inneren Medizin. Nun ist es zwar nach Sokrates der Anfang der Weisheit, zu wissen, dass man nichts wisse; aber nichts zu tun, ist nicht der Anfang der Kunst. Wenn die gelehrten Ärzte dies nicht begreifen, so kann man es den Kranken nicht verübeln, wenn sie die gewünschte Hilfe bei ungelehrten Laien suchen, die sie ihnen bestimmt versprechen. Mit der feinen Diagnose und ihrer Bestätigung hinterher an der Leiche ist dem Kranken nicht gedient.«

Kußmaul hat in den »Jugenderinnerungen« auch festgehalten, was ihm dann und wann beim Nennen seines Namens passiert war. Als Student hatte er während einer öffentlichen Versteigerung den Zuschlag für ein französisches Liederbuch bekommen. Beim Zuruf seines Namens reagierte der Versteigerer ungehalten, »er verbat sich den Spaß. Und das Publikum lachte.«

Von der Badischen Regierung 1848 als Militärarzt verpflichtet, musste Kußmaul während des Feldzuges nach Schleswig-Holstein die badischen Truppen begleiten. »Wenn ich bei diesen Märschen nach der Ankunft in einem neuen Quartier der Dame des Hauses meine Aufwartung machte, durfte ich, sobald ich meinen Namen nannte, eines vergnügten Empfanges und der neugierigen Musterung des Trägers eines so bedenklichen Namens sicher sein.« Einer seiner Lehrer hatte ihm prophezeit, er würde immer wieder einem Gelächter ausgesetzt sein, und riet ihm, den Namen zu ändern. Aber er folgte dem Ratschlag nicht.

Als Militärarzt wurde er 1849 in das Lazarett der unter preußischem Oberbefehl stehenden Festung Rastatt versetzt. Er schrieb auf, wie die hier eingelieferten gefangenen Aufständischen der Jahre 1848/49 drangsaliert wurden: »Sie litten Hunger, Durst und Frost.« Er sah auch, wie manche Bewacher die Gefangenen quälten und schlugen. In einem für 200 Patienten kümmerlich eingerichteten Notlazarett bemühte sich Kußmaul, der ärztlichen Pflicht nachzukommen. Noch am Ende seines Lebens beim Schreiben der »Jugenderinnerungen« litt er an der Bedrängnis der Leidenden: »Ein Teil der Aufgenommenen musste mit Strohsäcken und Wolldecken auf dem Stubenboden vorlieb nehmen.«

Der Anblick von zwei wieder aufgegriffenen Flüchtlingen ließ ihn nie los. Die Verfolger hatten mit Säbelhieben auf die beiden eingeschlagen. »Dem einen war der Schädel gespalten, er war gerade gestorben, der andere hatte tiefe Wunden am Kopf und am rechten Arm, denen er nach wenigen Stunden erlag.« Kußmaul berichtete weiter: »Aus meinem Lazarett entwichen drei Gefangene mit Geschick und Glück: Ein badischer Dragoner und zwei Studenten.« Der Unteroffizier der Nachtwache sagte ihm, »dass die beiden Studenten nachts viel auf den Abort liefen und den Schlaf ihrer Zimmergenossen störten.« Die jungen Männer hatten offensichtlich an den Folgen der in der Festung grassierenden Ruhr gelitten. Kußmaul notierte sodann die Worte des Bewachers: »Er meinte, sie hätten in ihrem großen Strohsack ein Seil verborgen gehabt und sich damit über die Mauer herabgelassen. Die dunkle, stürmische Nacht habe ihr Entkommen begünstigt.« Weil es sich bei ihnen um badische Landsleute handelte, geriet Kußmaul in Verdacht, ihnen zur Flucht verholfen zu haben. Er wollte unter all diesen widrigen Umständen den Militärdienst verlassen und reichte ein Entlassungsgesuch ein.

Ende des Jahres wurde seinem Ersuchen stattgegeben. Vom badischen Großherzog erhielt er bei seiner Verabschiedung immerhin noch die »Felddienstmedaille für treuen Dienst im Krieg.« Wahrscheinlich sollte diese Auszeichnung den Preußen zeigen, wer - im jetzt zwar besetzten Gebiet - noch immer Herr im Hause sei.

Später wird Kußmaul als Professor für innere Medizin in Heidelberg, Erlangen, Freiburg im Breisgau und Straßburg tätig sein. Doch zunächst, nach seiner Verabschiedung aus dem Militärdienst, konnte er in Kandern bei Lörrach in einer ärztlichen Praxis arbeiten. Nun stand der Heirat mit seiner Verlobten Amanda, Tochter eines Beamten aus Sinsheim, nichts mehr im Wege. Sie hatten sich kennengelernt, bevor er nach Rastatt abkommandiert wurde. Bald nach der Eheschließung kam ein Töchterchen zur Welt. So veröffentlichte Kußmaul in seiner Schrift »Untersuchungen über das Seelenleben des neugeborenen Menschen« seine aus eigenem Erleben gewonnenen medizinischen Erkenntnisse. Erfüllt von Glück und Staunen hielt er in seinen »Jugenderinnerungen« fest: »Kein Wunder ist größer, kein Schauspiel entzückender, als die Entwicklung einer Menschenseele.«

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