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Christin Odoj
26.05.2012

Schweigen aus Scham?

Fragwürdig

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Sabina Lorenz ist Mitinitiatorin von »ichhabenichtangezeigt«.

nd: Auf der Internetseite »ichhabenichtangezeigt« können Opfer sexueller Gewalt anonym erklären, warum sie bisher keine Anzeige erstattet haben. Wie kamen Sie auf die Idee zu der Kampagne?
Lorenz: Nachdem ich im letzten November einen Fachvortrag mit vielen Statistiken zu dem Thema gehört hatte, beschloss ich zusammen mit vier anderen Frauen, dass die Schicksale aus der Opferperspektive viel zu selten eine Rolle spielen. Die Erfahrungen sexuell missbrauchter Frauen und Männer sind in der Öffentlichkeit immer noch tabuisiert und insbesondere die Gründe dafür, warum sie keine Anzeige erstatteten. Das wollten wir ändern. Im März haben wir dann von ähnlichen Kampagnen aus Frankreich und England gehört, die alle unglaublich viel Resonanz erfahren haben.

Was genau macht dieses Tabu aus?
Es geht nicht darum, detailgenaue Tatbeschreibungen öffentlich zu machen, solche Einträge kürzen wir sehr stark. Es geht eher darum, dass viele Menschen fälschlicherweise annehmen, Täter und Opfer hätten meist keine persönliche Verbindung zueinander. Dabei geschieht ein Großteil der sexuellen Übergriffe durch (Ex-)Partner oder im Bekannten- und Familienkreis. Dieser »Mythos« vom fremden Täter herrscht oft auch bei den Opfern vor. Wir haben viele Zuschriften erhalten, die nicht von einem Missbrauch reden, weil dieser innerhalb der Familie stattfand und deshalb zunächst gar nicht als solcher wahrgenommen wurde.

Viele dieser Menschen tragen ihre Erlebnisse seit Jahrzehnten mit sich, ohne darüber gesprochen zu haben, geben sich selbst die Schuld oder nehmen die Täter sogar in Schutz. Woher kommt diese Angst vor der Anzeige?
Die Opfer werden mit ihrem Trauma sehr stark allein gelassen. Auf ihnen lastet eine unglaubliche Verantwortung im Umgang mit dem Erlebten. In vielen Einträgen wird das Schweigen damit begründet, die Familie nicht zerstören zu wollen. Der eigene (Kindes-) Vater als Straftäter? Das darf nicht sein. Hier sehe ich auch die Gesellschaft in der Verantwortung, die den Opfern anscheinend oftmals das Gefühl gibt, die heile Familienwelt aufrechterhalten zu müssen.

Reicht das Sprechen über die Tat allein aus, oder sollte es ein erster Schritt hin zu einer Anzeige sein?
Unsere Kampagne will vor allem einen Anstoß dafür geben, sich kompetente Hilfe zu suchen. Die Anzeige ist dann ein sehr persönlicher Schritt, den jede/r für sich entscheiden muss. Insbesondere, ob man dem Verfahren auch psychisch gewachsen ist.

Was kommt da auf die Opfer zu?
Für die Betroffenen ist die polizeiliche Ermittlung eine große Belastung. Man muss völlig fremden Menschen detailliert darüber Auskunft geben, was man am liebsten vergessen möchte. Dazu kommt, dass die Opfer in den ersten paar Stunden nach einer Vergewaltigung Enormes aushalten müssen - etwa ungewaschen zum Frauenarzt zu gehen.

Bis zum 15. Juni läuft die Kampagne noch. Was wird danach mit den Einträgen passieren?
Wir werden die Zuschriften zusammengefasst als symbolische Geste an die Justiz, die Staatsanwaltschaft und die Frauenbeauftragte der Polizei weitergeben.


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