29.05.2012

Das Kita-Dilemma

Kommentar von Christian Klemm

In der Not frisst der Teufel Fliegen. So muss man die Äußerungen des Städte- und Gemeindebundpräsidenten Roland Schäfer interpretieren, der ab Mitte des nächsten Jahres ungelernte Kräfte in Kitas einsetzen will. Sein Vorschlag zeigt, wie aufgeschmissen die Kommunen beim lahmenden Ausbau von Kindertagesstätten sind. Ab Mitte des kommenden Jahres gibt es einen Rechtsanspruch für alle Kinder unter drei Jahren auf einen Platz. Die Politik nimmt an, dass rund 35 Prozent der Eltern diesen Anspruch wahrnehmen werden. Das sind 750 000 Plätze. Die aber gibt es noch nicht, mehr als 200 000 Kitaplätze und tausende Erzieherinnen fehlen noch.

Jetzt suchen die Kommunen nach schnellen Lösungsmöglichkeiten für das Problem. Wird der Vorschlag Schäfers Realität, dann dürfte sich die Betreuung in den Einrichtungen verschlechtern. Die Leittragenden seines Notfallplans sind demnach zuallererst die Kleinkinder, die eigentlich von qualifiziertem Personal und nicht von von pädagogischen Neuanfängern beaufsichtigt werden sollten. Das Fatale daran: Kollektive Erziehung in den ersten Lebensjahren ist für ein Kind besonders wichtig. Dort entwickelt es sein Rollenverhalten, lernt andere Kinder zu respektieren und erwirbt die Fähigkeit, gemeinsam Probleme zu erkennen und zu lösen. Das zu vermitteln, ist Aufgabe des Kitapersonals. Und ganz offensichtlich sind Ungelernte trotz guter Absichten dazu nur sehr bedingt in der Lage - wenn überhaupt.

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