29.05.2012

Schuld- Fragen

Standpunkt von Karin Leukefeld

Obwohl die Umstände, die zu dem sinnlosen Blutbad in Hula, einem kleinen Ort in der Provinz Homs, geführt haben, nicht bekannt sind, zeigen Medien und Politiker im Westen auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Der ordnete eine Untersuchung des Massakers an. Doch die Antwort auf die Frage, wer jetzt in Hula Kinder, Frauen und Männer ermordet hat, sei eigentlich irrelevant, kommentierte ein Journalistenkollege und meint: »Es reicht, mit Assad geht es nicht«. Bewaffnete Aufständische schwören »Rache«, die »Freie Syrische Armee« erklärt den Annan-Plan für »tot«. Nur hatte die Syrische Muslimbruderschaft Annan schon vor dem Massaker aufgefordert, sein Scheitern einzuräumen. Und der zerstrittene Syrische Nationalrat ruft zum »bewaffneten Widerstand« auf.

Einseitige Schuldzuweisungen fördern die Gewalt in Syrien. Im UN-Sicherheitsrat weiß man sehr wohl, dass Saudi-Arabien, Katar, Libyen und die Türkei mit Billigung westlicher Staaten Aufständische und Söldner in Syrien finanzieren und bewaffnen. Sowohl die UN-Beobachter in Syrien als auch der UN-Generalsekretär sprechen von einer »dritten Seite«, die die Gewalt schüre. Gemeint ist Al-Qaida. Die Untersuchung der Bluttat von Hula ist richtig. Zu wissen, wer tatsächlich das Leben der Menschen auf dem Gewissen hat, ist wichtig für die Familien der Opfer und für alle Syrer, die für einen friedlichen und selbstbestimmten Weg in ihre politische Zukunft streiten.

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