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Von Lucía Tirado
30.05.2012

Feuer unterm Kessel

Turbulente »Zwerg Nase«-Inszenierung im Theater an der Parkaue

Großartig ist die Ausstattung von Constanze Fischbeck für »Zwerg Nase« im Theater an der Parkaue. Die an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ausgebildete Bühnenbildnerin lässt das Gesicht des Erzählers ab und an per Video auf sich absenkenden Ballons erscheinen. Vor der Bühne findet sich eine kleine Küche. Auf einem Monitor sieht man dort Hände Essen vorbereiten. Später gibt es eine große Schlossküche mit ackernden Azubis, zwischendurch Feuer unterm gewaltigen Kessel in der Hexenküche.

Schon vor Beginn der Vorstellung wird in dem Stück von Christian Martin nach dem Märchen von Wilhelm Hauff gekocht, während der Pause auch. Eine Unterbrechung des Stücks gibt es nur für die Kinder. Die Schauspieler agieren über die gesamten 95 Minuten. In Bewegung bleiben ist Leitmotiv für die neue Inszenierung von Sascha Bunge. Seit 2005 arbeitet er erfolgreich an der Parkaue, inzwischen als Oberspielleiter und stellvertretender Intendant.

Bei über 400 Fünfjährigen vor der großen Bühne 1 des Jungen Staatstheaters Berlin kalkulierte Bunge ein, dass es in den Sitzreihen zu zahlreichen Parallelveranstaltungen kommen kann. Er tritt nicht dagegen an. Er konkurriert, nimmt es mit den Kindern auf, zeigt mit List und Witz, wer hier der Meister ist. Unter anderem ermöglichen ihm Öffnungen im Bühnenboden Szenen, die die lebhaften jungen Zuschauer immer neu in den Bann zu ziehen. Staunend verfolgen sie, wenn eine Märchenfigur plötzlich in die Tiefe fährt oder unvermittelt daraus auftaucht. Er schickt Schauspieler auf die Treppen im Saal, nutzt die Türen zum oberen Foyer, den Gang zwischen unterem und oberen Parkett. Samt dieser Überraschungen gelang Sascha Bunge mit »Zwerg Nase« die turbulenteste Inszenierung des Hauses für Kinder dieser Altersgruppe in dieser Spielzeit.

Die Schauspieler ziehen mit und übertragen ihre Spielfreude auf das junge Zuschauervolk.

Niels Heuser als Jakob und später als Zwerg Nase gehört als Hauptfigur des Märchens keineswegs allein die Sympathie. Letztlich verdient sich sogar die Hexe Zuspruch. Denn der Stückautor veränderte die Rezeptur des Märchens insoweit, dass sie schließlich Jakob von der langen Nase und dem Lebensabschnittsbuckel und die Prinzessin von ihrer Gänsegestalt erlöst.

Die Alte mit dem Handy ist ja auch eine imposante Gestalt. In Bunges temporeicher Inszenierung wird sie an Anfang und Ende von Hagen Löwe dargestellt, zwischendurch von Denis Pöpping. Das leuchtet einem als Zuschauer zwar nicht ein. Der Regisseur wird sich schon etwas dabei gedacht haben.

Birgit Berthold als Mutter und Pöpping als Vater zeigen, wie traurig Eltern sind, wenn ihnen ihr Kind fehlt. Katrin Heinrich und Franziska Ritter spielen mit Verve die arrogante Prinzessin und die wehrhafte Gans. Den Minister gibt Andrej von Sallwitz als knöchernen Beamten. Und was für ein herrlicher König ist doch Helmut Geffke. Durchaus machtbewusst, dann traurig sein verwöhntes Kind vermissend und ulkig, wenn er Unglaubliches entdeckend ausruft: »Ich glaub', ich spinne!«

Sätze aus anderen Märchen, auch aus Kinderliedern tauchen in Christians Martins »Zwerg Nase«-Fassung auf. Der Grund dafür erschließt sich zwar nicht unbedingt. Die Sache kann aber keinen größeren Schaden anrichten. Sprüche wie »Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen« dagegen haben hier eine gewaltige Kraft. Bei solch einem früh um zehn Uhr mit gutem Essen gespicktem Stück können sich die Kinder vor Appetit kaum halten. Das von Eltern in die Kita mitgeschickte Frühstück ist in Windeseile vertilgt. Schon stellt sich bei dem großen Spaß neue Lust aufs Essen ein. Eine doppelte Portion ist beim Besuch des Stücks mit Feuer unterm Kessel also angebracht.

Wieder ab 8.6.,Theater an der Parkaue, Parkaue 29, Lichtenberg, Tel.: 557 75 20; noch Einzelkarten auch bei ausverkauften Vorstellungen, www.parkaue.de

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