31.05.2012

Romneys Scharade

Kommentar von Thomas Mell

Willard Mitt Romney hat es endlich geschafft. Mit einem Sieg bei den Vorwahlen im bedeutenden Bundesstaat Texas steht der 65-jährige als Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner fest. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts muss noch pflichtbewusst seine Ehrenrunde drehen - in sieben Bundesstaaten wird noch gewählt -, bis er Ende August offiziell zum Herausforderer von Amtsinhaber Barack Obama gekürt wird. Dass der bekennende Mormone das parteiinterne Rennen machen wird, war schon seit Wochen sicher. Seine ärgsten Widersacher Newt Gingrich (»der Konservative«) und Rick Santorum (»der Ultrakonservative«) konnten zwar kurzzeitig den Vormarsch des schwerreichen Favoriten bremsen. Doch Romney hielt durch, was nicht zuletzt der letztendlich schlaffen Konkurrenz zu verdanken ist.

Romneys Lager kann sich aber nach einer langgezogenen Kampagne kaum eine Verschnaufpause gönnen. Für den früheren Investmentbanker gilt es, die traditionellen Wähler der Republikaner hinter sich zu sammeln. Das erzkonservative Lager hält ihn trotz seiner Makellosigkeit als Ehemann und fünfmaliger Vater für einen zu gemäßigten Wendehals. Um einen Sieg im November zu erringen, muss er deshalb die Unentschlossenen auf seine Seite locken. Romney wird Obama über die lahmende Wirtschaft und die hohe Arbeitslosigkeit attackieren. Dabei kann er die Scharade eines Möchtegernkonservativen aufgeben und ungehemmt er selbst sein: der knallharte Unternehmer, der das Land aus der Misere steuern möchte.

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