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Von Thomas Grossman
02.06.2012

Prediger, Sänger, Flüsterer

Bruce Springsteen: Volle Hütte in Berlin

Riesenshow - 58 000 erlebten am Mittwochabend im ausverkauften Berliner Olympiastadion ein dreistündiges Konzert mit Bruce Springsteen. Einer ausgeklügelten Dramaturgie folgend, ließ der 62-Jährige auch nicht in einer Minute Langeweile aufkommen. Der »Boss« war mal Gospel-Prediger, mal war er Soul-Sänger, mal Rock-Shouter, Folk-Flüsterer, mal einfach nur netter Plauderer (des Öfteren in Deutsch).

Nach einem kleinen Willkommenssong spielte Springsteen »We Take Care Of Our Own«, einen rockig-melodischen Protestsong über Missstände in den USA. Und da es keine Abhilfe gibt, heißt es im Refrain trotzig: »Nehmen wir unser Schicksal nun in unsere eigenen Hände«. Das Lied ist der Opener seines im März veröffentlichten neuesten Albums »Wrecking Ball« (Abrissbirne). Dies vor allem stand im Mittelpunkt des Konzerts.

Inspiriert durch die 2008 begonnene Finanzkrise feuert Springsteen eine volle Breitseite auf die geldgierigen Banker der Wall Street ab. »In den USA haben viele ihren Job verloren«, erklärte er auf dem Konzert. »Aber auch in Europa und Berlin sind die Zeiten schlecht.«

Weitere Songs aus »Wrecking Ball«, die im Olympiastadion erklangen: »Shackled And Drawn«, eine Art Sklavenlied über Arbeitende, die »abgehärmt und gefesselt« sind. »Die Spieler rollen die Würfel, der Arbeitende zahlt die Zeche«. Oder »Death To My Hometown«, mit einer irischen Melodie und der Klage eines Erzählers, dass seine amerikanische Heimatstadt nicht etwa durch Kanonenkugeln zerstört wurde, sondern durch Raubbarone. Und die laufen auch noch frei herum! Oder das verhaltene »Jack Of All Trades«, über einen Alleskönner, der fast jeden Job ausführen kann, aber: »Der Bankier wird fett, der Arbeitende dünn.«

Springsteens E Street Band, »eine der besten und langlebigsten Tourbands der Rock-Geschichte« (»Rolling Stone«) spielte blendend auf, einige Male verhalten, meistens jedoch mit explosiver Kraft. Insgesamt 15 Musiker teilten sich die Bühne, darunter eine fünfköpfige Bläsergruppe sowie musikalische Schwergewichte wie Gitarrist Steven Van Zandt (mit Bandana) und Multiinstrumentalist Nils Lofgren (der einige schöne Gitarren-Solis spielte).

Einer jedoch fehlte im weiten Rund: der schwarze Saxophonist Clarence Clemons, der vor einem Jahr an einem Schlaganfall gestorben ist. Er vor allem hatte den Soul in die Band gebracht. Springsteen vor kurzem dazu: »Ihn zu verlieren, war so, als würde man plötzlich ohne Regen leben müssen.« Schon im Jahre 2008 hatte die Band ihren Keyboarder verloren. Doch trotz dieser Verluste hat Springsteen immer noch die Kraft, weiterzumachen - bewundernswert! An Stelle von Clarence Clemons spielte nun dessen Neffe Jake Clemons das Saxophon - und erhielt immer wieder riesigen Beifall.

Weiter spielte Springsteen Hits aus allen Schaffensperioden. So frühe Songs wie »4th Of July, Asbury Park (Sandy)«, als der Boss noch der unbekannte rebellische Rocker in New Jersey war. Oder »Thunder Road« von seinem Album »Born To Run«, mit dem ihm 1975 der Durchbruch gelang. Oder das wunderbare »The River« - einen besseren Song, so glaubte Springsteen 1980, könne er wohl nicht mehr schreiben. Oder »Born In The USA«, sein wohl berühmtestes Lied - oft als patriotische Hymne missverstanden. Oder »My City Of Ruins«, seine Anspielung auf New York nach dem 11. September 2001.

Springsteen - immer zu Späßen aufgelegt - suchte etliche Male Kontakt zum Publikum, schüttelte Hände oder tanzte mit Frauen aus der vordersten Reihe. Als ihm ein Besucher ein Poster reichte, zeigte er es den Massen. Es erinnerte an sein Konzert auf der Radrennbahn in Weißensee im Juli 1988 mit 160 000 Gästen, dem größten Rock-Konzert in der DDR-Geschichte. »Manchmal denkt man den Rest seines Lebens an einen Auftritt«, so Springsteen dazu.

Im letzten Drittel wurde das Konzert immer mehr zu einem riesigen Spektakel, zu einer einzigen Party. Hit reihte sich an Hit, das Publikum jubelte und tanzte unablässig. Ganz zum Schluss lag dann Springsteen ausgelaugt flach auf der Bühne. Aber natürlich war auch das nur Show.

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