Von Reiner Oschmann
02.06.2012

Nadelstiche gegen Royalisten

Monarchiegegner sind beim Thronjubiläum der Queen Außenseiter

Von wegen Sparzwang: In Großbritannien wird drei Tage lang von Staats wegen gefeiert - nämlich das diamantene Thronjubiläum von Königin Elizabeth II.

Dieses Wochenende, wenn die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Thronbesteigung von Queen Elizabeth II. (86) ihren Höhepunkt finden, werden weite Teile der Insel frei drehen. Eine Schiffsprozession auf der Themse in London, ein Zusatzfeiertag am Montag, Sondermarken, Straßenpartys, ein Song von Musicalmeister Andrew Lloyd Webber, die Anpflanzung »diamantener« Wäldchen, Flaggenparaden - für drei tolle Tage weicht britische Nüchternheit royalistischer Trunkenheit ...

Sehr zum Kummer der insularen Republikaner. Sie, die sich als Außenseiter fühlen und derzeit eine neue Popularitätswelle der Monarchin ertragen müssen, leiden auf dem Höhepunkt des Taumels wie die Hunde. Doch manche Republikaner, die die Ablösung der Erbmonarchie durch ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt fordern, wollen am Jubiläumswochenende sichtbar machen, dass die britischen Antimonarchisten nicht so klein sind, wie sie zur Stunde scheinen. Nach jüngsten Meinungsumfragen rechnen sich, je nach Fragestellung, »zwischen 22 und 50 Prozent der Bevölkerung« zu ihnen, wie der »Guardian« berichtet.

Bereits voriges Wochenende veranstalteten Antimonarchisten eine erste »alternative Straßenparty«, als sie in London-Putney vor das Haus von Vizepremier Nick Clegg (Liberaldemokraten) zogen und gegen die Sozialkürzungen der konservativ-liberalen Regierung unter David Cameron protestierten. Die 400 Demonstranten gaben den Auftakt zu ähnlichen Protesten in mehreren Landesteilen. Simon Hope, der mit seiner Tochter zum Protestpicknick vor Cleggs Anwesen gekommen war, sagte dem »Guardian«: »Die Regierung versucht mit dem königlichen Jubiläumswochenende die Menschen von den Streichungen und harten Zeiten abzulenken. Ich finde es prima, dass die Party in Cleggs Straße gezogen ist, weil er und die übrigen Regierungsmitglieder uns und unseren Forderungen nicht zuhören. Clegg kann uns hier nicht ignorieren, wir tragen die Demokratie vor seine Haustür.«

Optimistisch ist auch Graham Smith von »Republic«. Die republikanische Bewegung in Britannien sei »nicht einfach nur noch da, sie wächst. Seit der königlichen Hochzeit von Prinz William und der Bürgerlichen Kate voriges Jahr hat sich unsere Mitgliedschaft von 7000 auf rund 22 000 verdreifacht.«

Dieses Wochenende wollen die Mitglieder während der königlichen Schiffsparade auf der Themse mit einem »achtbaren« Protest am Ufer auf sich aufmerksam machen. Einer der Aktivisten, T-Shirt-Produzent Vasco Wackrill aus Lancashire, sagte, seine Hemden gingen weg wie warme Semmeln. Sie seien Bestseller »für Leute in Zeiten großer Entbehrung, die nicht bereit sind, das 60. Jubiläum einer gealterten arbeitslosen Lady zu feiern, die auf Staatskosten schmarotzt«.

Selbstbewusst wie Wackrill müssen die Republikaner sein, erfreuen sich die Royals im Umfeld des Jubiläums doch einer Rekordbeliebtheit. 69 Prozent der Briten sagten repräsentativ, die Insel stünde ohne Monarchie schlechter, nur 22 Prozent fanden, ohne sie stünde sie besser da. Auffällig: Die Königstreue ist ziemlich gleichmäßig unter Klassen, Geschlechtern und Regionen verteilt, nur in Schottland meint mit 36 Prozent gut ein Drittel, Britannien würde es ohne Royals besser gehen.

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