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Von René Heilig
02.06.2012

Easy-Rider-Rocker-Rhetorik

Innenminister täuschen bei ihrer 195. Konferenz wilde Entschlossenheit vor

Die Innenminister von Bund und Ländern haben am Freitag in Göhren-Lebbin ihre Routine-Rhetorik-Konferenz beendet. Sie sprachen mal wieder über Maßnahmen gegen Fußball-Rowdys, gegen Salfisten, gegen rechts- wie linksextremistische Gruppen und über das Rockerunwesen.

95 Minuten lang ist der 1969 abgedrehte Kultfilm »Easy Rider«, doch hinter dem gezeigten Freiheitsdrang der Motorradhelden verstecken sich noch heute Typen, die alles andere als freiheitsliebend sind. Die kriminellen Rockerbanden nennen sich »Hells Angels«, »Bandidos«, »Outlaws«, »Gremium«, »Mongols«,...

Ermittler bringen sie zusammen mit den typischen Deliktsfeldern der Organisierten Kriminalität (OK): Rauschgift-, Waffen- und Menschenhandel sowie Schutzgelderpressung. Macht-, Gebiets- und Verteilungskämpfe zwischen den hierarchisch organisierten Banden sind ebenso an der Tagesordnung wie Mord. Gerade steht der in Hannover regierende »Hells Angels«-Chef Frank Hanebuth vor dem Kieler Landgericht, weil er persönlich - so sagte ein Kronzeuge aus - die Anweisung zur Ermordung eines türkischen Zuhälters gegeben haben soll. Hanebuth ist vermutlich der führende Kopf der »Hells Angels« in Deutschland. Seine Unterschrift steht unter einem »Friedensvertrag« mit den »Bandidos«, der im Mai 2010 medienwirksam geschlossen wurde. Besonders originell war das nicht, denn so ein Kurzzeitabkommen war bereits 1997 in Dänemark geschlossen worden. Auch dort wollte man Fahnder wie Bürger täuschen. Motto: Seht her, wir sind doch ganz verträgliche Typen.

Obgleich es sich bei den Rockern um eine geschlossene Subkultur mit entsprechender Gruppendynamik handelt, finden viele der Auseinandersetzungen bis hin zu Hinrichtungen öffentlich statt. Im Bundeskriminalamt (BKA) sieht man mit Sorge, dass die kriminellen Rockerstrukturen sich immer tiefer in legalen Geschäftsfeldern einnisten. Zudem findet man bei Recherchen zu aktuellen Neonazi-Terroristen Hinweise auf Verbindungen zwischen Rockern und Rechtsextremisten, beispielsweise von Blood&Honour.

Während die US-Behörde ATF (siehe Kasten) von über 100 deutschen Rockergangs ausgeht, die über Europa hinaus bestens vernetzt sind mit entsprechenden Vereinigungen in den USA und Australien, zählt das BKA »nur« um die 90 derartige Gruppierungen mit rund 6000 Mitgliedern. Spätestens nachdem es 2009 in Deutschland über 360 Ermittlungsverfahren mit rund 880 tatverdächtigen Rockern sowie 40 OK-Verfahren in der Szene gegeben hatte, wurde das Thema »politisch«. Im Mai 2010 war Rockerkriminalität das Topthema bei der 190. Innenministerkonferenz. Mit der ganzen Härte des Gesetzes wollte man dem Treiben Einhalt gebieten. Es wurde zum Schwerpunktbereich für Polizei und Staatsanwaltschaften erklärt. Alle kommunalen Stellen sollten mit waffen-, vereins- gewerbe- und baurechtlichen Kompetenzen eingebunden werden. Man bildete eigens eine Projektgruppe unter der Regie von Rheinland-Pfalz und propagierte die seit drei Jahrzehnten bestehenden Verbote der »Hells Angels« in Hamburg und Düsseldorf.

Seit 2010 kamen sieben regionale Verbote hinzu. Und warum kein bundesweites Verbot als kriminelle Vereinigung? Falls die Vereine länderübergreifend agierten, gibt es »die Pflicht des Bundes, entsprechend auf Bundesebene Verbote auszusprechen«, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gestern. Ja und? Die Länder prüfen noch, ob sich solche bundesweite Strukturen gebildet haben, hieß es. Man prüft und prüft - und setzt mal wieder auf die Erinnerungsschwäche der Öffentlichkeit.


Eigentlich meint ATF Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives. Intern steht die Abkürzung für At The Frontline Against Violent Crime. An der Front gegen das Gewaltverbrechen steht die US-amerikanische Geheimpolizeibehörde auch wenn es um die »Gesetzlosen auf Motorräder« geht. Davon profitieren europäische Polizeibehörden, denn längst ist Rockerkriminalität Spielart der Organisierten Kriminalität. Laut ATF gibt es in Europa über 330 aktive und gut vernetzte Rockergruppen. 125 gehören zu den »Hells Angels«, über 90 Gruppen firmieren als »Bandidos«.

Die meisten Banden gibt es in Deutschland. Zwischen Aalen und Worms zählt die ATF 103 sogenannte Chapter. In Großbritannien gibt es 50, in Schweden 22, in Dänemark 21, in Frankreich und Norwegen je 20, in Belgien 19, in Italien 17, in Polen neun, je sechs in Spanien und Österreich. Sogar in Luxemburg und Liechtenstein gibt es je eine solche Vereinigung. Die Ausdehnung geht derzeit in Richtung Türkei und Albanien.

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