05.06.2012
Meine Sicht

Eigentor

Tobias Riegel über Folgen neuer GEMA-Gebühren

Die vielfältige und bezahlbare Club- und Konzertszene ist ein weltweit geschätztes Alleinstellungsmerkmal Berlins. Insofern ist die Hauptstadt von der ab 2013 geltenden neuen Gebührenordnung der Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte (GEMA) besonders betroffen. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband stehen den Clubbetreibern für das Abspielen geschützter Musik demnächst bis zu 2000-prozentige Kostensteigerungen ins Haus. Wenn das zutrifft, so kann man das nur schwerlich als »klar, fair und nachvollziehbar« bezeichnen, wie die GEMA das tut.

Die Verwalter und Eintreiber der eigentlich hochverdienten Tantiemen für oft darbende Künstler müssen hier aufpassen, nicht über das Ziel hinauszuschießen oder gar ein spielentscheidendes Eigentor zu platzieren. Denn seit kurzem erst beginnt sich bei vielen Konsumenten endlich die Einsicht durchzusetzen, dass Gratiskultur auf Dauer auch Kulturvernichtung bedeutet. Dieses zarte, massenpsychologisch aber umso wichtigere Pflänzchen des Einsehens in die Notwendigkeit, für Kulturgenuss auch bezahlen zu müssen - es droht durch allzu unsensibles Auftreten der GEMA niedergetrampelt zu werden. Gerade gewonnene Unterstützer für den prinzipiell ehrenhaften Kampf gegen Kulturverramschung werden so unnötig verprellt.

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