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Von Jürgen Amendt
05.06.2012

Presse sieht kein Signal zum Aufbruch

Der Göttinger Parteitag hat vor allem Skepsis gegenüber der LINKEN hinterlassen

Sieg des Westens gegen den Osten, der Sektierer gegen die Reformer, fortgesetzte Spaltung - in den meisten Medien wird der Parteitag der Linkspartei in Göttingen nicht als Signal zum Aufbruch gewertet.

»Spiegel online« blickt bereits in die Zukunft. Der nächste Konflikt für die Linkspartei drohe schon bei der Kür der Spitzenkandidaten für die kommende Bundestagswahl. Der Parteitag habe keine Gewinner hervorgebracht, sondern »vor allem Verlierer«. Selbst das »Lafontaine-Lager hat in Göttingen keinen strammen Sieg errungen, auch die Anhänger Bartschs sicherten sich wichtige Ämter«. Auch die »Süddeutsche Zeitung« sieht keinen Hurra-Sieg Lafontaines. Dessen »Truppen bleiben stark, wenn auch nicht dominant«.

In einer von Personalisierung politischer Themen geprägten Medienlandschaft wird auch in der Berichterstattung über den Parteitag der Konflikt zwischen den Lagern anhand von Personen illustriert, genauer: anhand von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi. Das Bild, das von der neuen Parteispitze gezeichnet wird, ist im Vergleich dazu noch nicht vollendet. Das mag auch daran liegen, dass weder Katja Kipping noch Bernd Riexinger als polarisierend wahrgenommen werden. Die »FAZ« sieht wie andere Blätter in Kipping und Riexinger ein »führungsschwaches Duo«. Die beiden hätten »weder die Autorität noch die Akzeptanz, die Partei zu befrieden« (»Badische Neueste Nachrichten«, Karlsruhe). Die »Stuttgarter Zeitung« dagegen meint, die neuen Parteivorsitzenden hätten »mit ihrer Frische« die Chance, »der Operation Brückenbau Auftrieb zu geben«.

Die »taz« aus Berlin sieht in der neuen Spitze gar mehr als nur eine Chance. Der Parteigründungsprozess sei zu Ende, »symbolisch vollzogen im Bruch zwischen Gregor Gysi und Oskar Lafontaine; praktisch vollzogen in der Wahl einer Doppelspitze, die auf anderen Traditionen gründet als die bisherigen«. Die neue Parteiführung sei »grüner und sozial bewegter«. Wenn es Kipping und Riexinger gelinge, »die Last auf vielen Schultern (zu verteilen), würde damit »Raum zur Integration der verschiedenen Strömungen in der Partei (geschaffen), und es würde die Linke aus der Abhängigkeit von den großen Überfiguren befreien«.

Medienecho

Schlagzeilen zur LINKEN in den Montagausgaben

"Linke probiert einen Burgfrieden" (nd)
"Linke vorerst wiedervereinigt" (taz)
"Spaltung blieb aus" (junge Welt)
"Linkspartei arbeitet an der Spaltung" (Berliner Zeitung)
"Vorstand neu – aber Linke streiten weiter" (Der Tagesspiegel)
"Neue Linken-Spitze kämpft gegen die Spaltung" (Süddeutsche Zeitung)
"Neue Führung und alter Streit in der Linkspartei" (FAZ)
"Linke wählt Team für neuen Streit" (Frankfurter Rundschau)
"Grabenkämpfe bei der Linkspartei" (Die Welt)
"Linksruck bei der Linken: Lafontaine-Lager gewinnt" (Märkische Allgemeine)
"Lafontaine-Lager gewinnt Machtkampf bei Linken" (Saarbrücker Zeitung)
"Bei der Linken tobt ein Machtkampf" (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)
"Linke nach dem Parteitag: neue Köpfe – alter Streit" (Freie Presse Chemnitz)
"Gysi über den Alltag der Linken: Hass, Trickserei, übles Nachtreten" (Thüringer Allgemeine)
"Linkspartei will ihren Flügelstreit beenden" (Stuttgarter Zeitung)
"Südwest-Verdi-Mann soll Linke retten" (Stuttgarter Nachrichten)
"Dresdnerin Katja Kipping soll die Linke retten" (Sächsische Zeitung)

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