06.06.2012

Mehr als 60 Millionen Bürger mit ihren Daten erfasst

Schufa - teure Selbstauskunft

»Mit der Schufa habe ich doch nichts zu tun«, werden Sie vielleicht denken. Ein möglicherweise folgenschwerer Irrtum. So ist jeder, der ein Girokonto besitzt, bei der Schufa registriert. Unangenehm kann dies vor allem werden, wenn Sie einen Kredit aufnehmen wollen. Ziel der Auskunftei ist es nämlich, Banken vor Kreditausfällen zu schützen.

Doch wer ist die Schufa? Die Auskunftei besitzt heute nach eigenen Angaben Daten von 66,2 Millionen Bundesbürgern und damit nahezu von jedem Erwachsenen.

Seit über 85 Jahren sammelt die Detektei Informationen über Bankkunden. Dazu wurde die erste »Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung« - kurz Schufa - bereits 1927 von der Berliner Versorgungsgesellschaft Bewag gegründet.

Seit einigen Jahren sind die bisherigen regionalen Schufa-Gesellschaften in einer Schufa Holding AG vereint. Das Unternehmen wird angeführt vom früherer Hamburger CDU-Senator Michael Freytag. Eigentümer der Aktiengesellschaft sind Banken und Handelskonzerne.

Informationen für Banken zum Verleihen von Geld

Unter dem Dach der Holding fließen Nachrichten und Notizen über Geschäfte zusammen, die im weitesten Sinne mit dem Verleihen von Geld zu tun haben. So liefern Banken die Adressen ihrer Kunden oder Daten zu Konsumkrediten. Zahlt ein Kunde nicht pünktlich die Rate oder überzieht er seinen Dispokredit, meldet die Bank auch diese Unterlassung an die Schufa.

Andere Daten sind dagegen tabu: beispielsweise Einkommen und Sparvermögen. Letztlich häuft die Schufa mit Vorliehe schlechte Nachrichten an. Alle Angaben werden nach den Regeln des Datenschutzes aufbewahrt, versichert man in Wiesbaden, und können bei Bedarf den anfragenden Banken meistens binnen Sekunden zur Verfügung gestellt werden.

Selbst Vermieter melden an die Auskunftei

Mehr als 2000 Kreditinstitute, also nahezu alle Banken und Sparkassen, gehören zum Verbund der Schufa. Angeschlossen sind freilich auch Händler, Telefonfirmen und Versicherungen. Und zu den Nutzern der Schufa zählen auch Wasser- und Stromversorger sowie private Vermieter. Mehrere hundert gewerbliche Wohnungsgesellschaften melden Mietrückstände an die Wiesbadener Auskunftei und informieren über säumige Zahler.

Alle diese Geschäftspartner senden der Schufa Kundendaten und beziehen ihrerseits - gegen Bezahlung - von der Datendetektei Infos über Kunden oder solche, die es werden möchten.

»Im Laufe der Zeit entsteht so aus mehreren Geschäftsvorgängen eine Art von Biografie des Kreditnutzers«, sagte einmal eine Schufa-Sprecherin. »Diese persönliche Kreditbiografie hilft nun dem Kreditbearbeiter, der zu seiner Entscheidung finden und sie auch begründen können muss.«

Der Infogigant hat 514 Millionen Datensätze gesammelt und sieht sich selbst in einer »Beschleunigerfunktion«, denn ohne Schufa wäre der flotte Abschluss eines Ratenkredits oder eines Handyvertrages heutzutage kaum möglich.

So sieht sich die Schufa als nützlichen Informationsmakler. Sie schütze Banken vor »schlechten« Kunden und Verbraucher vor zu leichtfertiger Kreditaufnahme. Ohne Schufa, davon ist Vorstandschef Freytag überzeugt, wären Kredite letztendlich sogar teurer für die Verbraucher. Ohne Schufa, so die Argumentation, würde die Zahl der faulen Kredite ansteigen. Um sich gegen diese Verluste zu wappnen, würden Banken höherer Zinssätze von den Kunden verlangen müssen.

Anderseits befürchten viele Bürger den gläsernen Verbraucher. Zudem werden Verweigerer offensichtlich immer wieder abgestraft: Wer sich weigert, die übliche Schufa-Klausel in einem Vertrag zu unterschreiben, der bekommt oft keinen Kredit und manches Mal auch keine Wohnung!

Dabei verlangt der Gesetzgeber eigentlich, dass die Schufa-Klausel freiwillig unterschrieben werden muss. Das gilt nicht für die Daten, die keinem Bankgeheimnis unterliegen. Sie können von Kreditinstituten und Firmen auch ohne Einwilligung des Kunden an die Schufa übermittelt werden.

Testergebnisse nähren Misstrauen gegenüber Schufa

Das Misstrauen gegenüber der Schufa wird auch von einem speziellen Verfahren genährt, das auch in der Versicherungswirtschaft weit verbreitet ist. Die Rede ist vom sogenannten Scoring: Aus den vorliegenden Informationen über Abermillionen Verbraucher errechnet die Schufa jeweils eine einzige individuelle Kennzahl. Diese soll es den Bankmitarbeitern erlauben, mit nur einem Blick die Kreditwürdigkeit eines Kunden zu erfassen.

»Ob diese Zahlen was taugen, weiß nur die Schufa selbst«, bemängelte die Stiftung Warentest. So ist die Gewichtung der Daten unbekannt, und es bleibt auch unklar, was den »Score« (englisch: Spielstand) verbessert oder verschlechtert.

Frühere Testergebnisse der Stiftung Warentest bestärkten Skeptiker: 100 freie Mitarbeiter aus allen Postleitzahlbezirken hatten eine Selbstauskunft bei der Schufa eingeholt - lediglich 31 Tester erhielten Auskünfte, die vollständig und korrekt waren. Nun nähren aktuelle Testergebnisse in der Juni-Ausgabe von »Finanztest« erneut die Zweifel: Bankangestellte hatten falsche Merkmale an die Schufa übermittelt. In Wiesbaden weist man grundsätzliche Zweifel an der Datenqualität weit von sich.

Tipps zur privaten Auskunft bei der Schufa

● Die Schufa gibt auch privat Auskunft. Allerdings ist dies nicht ganz billig. Um die Datensätze über sich selbst zu erhalten, muss man 18,50 Euro zahlen. Bestellungen und Fragen können telefonisch unter (01805) 72 48 32 oder schriftlich an Schufa Holding AG, Postfach 10 21 66, 44721 Bochum sowie per Internet unter www.meineschufa.de gestellt werden.

● Der Aufwand für eine Schufa-Auskunft kann sich lohnen. Sind Daten falsch, reklamieren Sie nicht bei der Schufa selbst, sondern bei dem Unternehmen, das sie an die Schufa gemeldet hat. Dorthin sind auch Schadenersatzforderungen zu richten.

● Bei Problemen vermittelt Ombudsmann Winfried Hassemer (nur unter Postanschrift: Schufa Ombudsmann, Postfach 5280, 65042 Wiesbaden. Verbraucher können sich in strittigen Fällen auch an den Hessischen Datenschutzbeauftragten wenden, und zwar im Internet unter www.datenschutz.hessen.de oder telefonisch unter (0611) 14 080. Hessen ist bundesweit federführend in Sachen Schufa und Datenschutz.

HERMANNUS PFEIFFER

Bisher hat 1 Leser diesen Artikel in seiner Favoritenliste empfohlen.