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Von Bernd Hüttner
07.06.2012
Politisches Buch

Von der Partei gekündigt

Harald Werner über das Scheitern einer Kaderperspektive

Es ist eine Art Lebensrückblick, die der 1943 geborene Harald Werner hier vorlegt, obwohl er dies nicht beabsichtigt hat. Er montiert zwei parallele Erzählstränge miteinander: zum einen sein bisheriges Leben und politisches Wirken, zum anderen seinen einjährigen Aufenthalt 1987 als Funktionär der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) an einer SED-Parteischule in Berlin-Biesdorf.

Brennpunkt und Schwerpunkt des Buches sind die Konflikte um die Erneuerung des orthodoxen westdeutschen Parteikommunismus, die sowohl unter den Teilnehmern des Kurses in Biesdorf wie in der gesamten DKP in der Zeit von Perestroika und Glasnost für heftigen Diskussionsstoff sorgten - wohlgemerkt in einer Partei, die seinerzeit eine weit höhere Verankerung in der Arbeitswelt hatte als die heutige LINKE.

Nachdem Werner aus politischen Gründen seinen Job als Lokalredakteur bei einer Tageszeitung verloren hat, studierte er in den 1970er Jahren und wirkte in der Gremienarbeit an der neu gegründeten Universität Oldenburg mit. Nach der Promotion schlug er sich mit Lehraufträgen durch und wurde 1983 schließlich hauptamtlicher Vorsitzender des DKP-Kreisverbandes Oldenburg, der damals 500 Mitglieder hatte. Die DKP hatte bei der Kommunalwahl 1981 in der niedersächsischen Universitätsstadt beachtliche 7,8 Prozent der Stimmen erhalten. Im Zuge der Debatten um die politische Neuausrichtung der Partei und nach seinem Aufenthalt in Biesdorf wurde Werner nicht Beschäftigter am Institut für marxistischen Studien und Forschungen (IMSF), wie er hoffte. Statt am Think Tank der DKP mitzuarbeiten, wurde er von der Partei gekündigt. Was er danach tat, wird im Buch nicht recht deutlich. In den frühen 1990er Jahren engagierte er sich in der PDS-West.

Spannend ist das Buch vor allem da, wo Werner Vorgänge in der Gruppe der Erneuerer innerhalb der DKP beschreibt - und ihre inneren Widersprüche. Einer war zum Beispiel, dass man Transparenz und Demokratie forderte, aber lange selbst im Geheimem agierte. Von den Erneuerern der DKP sind wenige in dieser Partei geblieben; viele engagieren sich in der LINKEN. Überlebt hat das Organ der Erneuerer, »Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung«, deren Mitherausgeber Werner ist.

Das Buch offenbart, wie ohnmächtig und ratlos das politische Spektrum der DKP den Veränderungen der Gesellschaft gegenüberstand, also der Dynamik, die später von vielen und von einzelnen auch schon damals als Siegeszug des Neoliberalismus gedeutet wurde. Dass politische Menschen wie Werner nicht einfach mal bei anderen, eher undogmatischen Strömungen - wie etwa dem Sozialistischen Büro - geschnuppert haben, zeigt, wie mächtig die Organisationsdisziplin war. Werner schreibt selbst, dass die Selbstdisziplin der Mitglieder der DKP stärker gewesen sei als die Disziplinierung durch die Führung. Die »Einheit der Partei« war oberstes Gebot und wurde verinnerlicht. Als dieses Gehäuse der Hörigkeit zusehends zusammenbrach, wussten viele - es dürften weit über 20 000 Personen sein - keinen anderen Ausweg, als ihren Rückzug ins Privatleben. Dieser Verlust an Menschen und Ideen ist ein Teil der Tragik dieses bislang noch nicht wirklich erforschten Kapitels in der Geschichte der Westlinken.

Harald Werner: Offene Fragen in der geschlossenen Abteilung. Das erfolgreiche Scheitern einer Kaderperspektive. Papyrossa Verlag, Köln. 155 S., br., 14 €.

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