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08.06.2012

Eine unfassbare Tat

Mutter warf ihr Neugeborenes aus dem Fenster und ist des Totschlags angeklagt

Peter Kirschey aus Berliner Gerichtssälennd-Foto:Burkhard
Peter Kirschey aus Berliner Gerichtssälen

Was ist das für ein Mensch? Die Frage wird immer dann gestellt, wenn Unfassbares geschieht, etwas außerhalb jeglicher Vorstellungskraft. Auf der Anklagebank sitzt seit gestern Ines Th., 41 Jahre. In den späten Abendstunden des 19. November hat sie ihr neugeborenes Kind erst in ein Handtuch gewickelt, in eine Plastetüte gesteckt und dann aus dem fünften Stock auf den Hof geworfen. Das Baby, ein Junge, starb, wie die Obduktion ergab, an den Sturzverletzungen.

Am nächsten Morgen wurde das tote Kind von einem Hausbewohner entdeckt. Die Spuren führten in den fünften Stock des Hauses am Spandauer Damm in Charlottenburg. Vor der Tür lagen blutige Textilreste. Ein SEK-Trupp stürmte die Wohnung, weil die Polizei hinter dem Geschehen die Bluttat eines polizeibekannten Gewalttäters vermutete, der sich im Inneren befand. Doch es war nicht der 45-jährige Lebenspartner oder die in der Wohnung befindliche 15-jährige Tochter der Angeklagten, es war die damals 40-Jährige, die ihr eigenes Kinde tötete. Nun ist sie des Totschlags angeklagt. Bei Totschlag reicht die Spanne der Strafzumessung von einer Bewährungsstrafe bis zu 15 Jahren Haft. Über ihre Anwältin gesteht die Frau die Tat, mehr will sie dem Gericht nicht sagen. Mordmerkmale konnte die Staatsanwaltschaft nicht erkennen.

Es ist der kleinen abgehärmten Frau anzusehen, die noch vier weitere Kinder zur Welt gebracht hat, dass sie in ihrem Leben wenig Freude, wenig Wärme, wenig Zuneigung erlebt haben muss. Die Härten des Alltags haben tiefe Spuren bei ihr hinterlassen. Das Baby habe sie getötet aus panischer Angst vor ihrem Partner. Der sollte nicht merken, dass sie schwanger war, damit er sie deshalb nicht verlassen könnte. Immer und immer wieder habe sie das Geschehen um die bevorstehende Geburt verdrängt, bis dann in den Abendstunden des 19. November für sie unerwartet die Wehen einsetzten. Sie ging ins Bad, brachte allein den Jungen zur Welt und warf ihn verpackt aus dem Fenster. Erst später, in Untersuchungshaft, sei ihr bewusst geworden, was sie getan habe. Eine so schlimme Tat hätte sie sich niemals zugetraut und sie verstehe heute nicht, was sie getrieben habe, so zu handeln. Im Untersuchungsgefängnis sei sie von anderen Frauen angefeindet worden. Das habe sie abgehärtet und gefestigt.

Für alle Prozessbeobachter überraschend erklärte sie, im Gefängnis einen Heiratsantrag ihres Partners Karl Th. angenommen zu haben, obwohl er, wie sie in ihrer Verteidigererklärung sagte, an dem Geschehen nicht ganz unschuldig gewesen sei. Doch er habe sich durch die Ereignisse gewandelt und sei ein guter Mensch geworden. Dafür sei sie ihm heute sehr dankbar. Sie mache sich große Sorgen um ihre Kinder.

Welche Rolle der Mann spielt, bleibt weiterhin im Dunkeln. Er will von alldem nichts bemerkt haben. Weder die Schwangerschaft, noch die Tötung des Babys. Er will zum Zeitpunkt der Tat geschlafen haben. So unglaubwürdig das alles auch klingt, es ist ihm bis zum heutigen Zeitpunkt nichts anderes nachzuweisen. Somit bleibt er ein freier Mann und wird auch nicht angeklagt werden. Ob er der Frau nur deshalb das Heiratsangebot gemacht hat, damit sie den Mund hält, darüber lässt sich nur spekulieren. Kurz tauchte er im Gerichtssaal auf, wird aber hinausgeschickt, weil er zu einem späteren Zeitpunkt als Zeuge aussagen soll. Wollte er seine Frau mit einer solchen Geste in ihrem Aussageverhalten beeinflussen und sie unter Druck setzen? Das Urteil soll Ende Juni gesprochen werden.

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