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Von John Dyer, Boston
09.06.2012

Möglichkeiten der Fed sind begrenzt

US-Notenbank verzichtet zunächst auf Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur

Die US-Notenbank sieht derzeit keinen Grund, die lahmende Wirtschaft anzukurbeln.

Die Rede des Chefs der US-Notenbank (Fed), Ben Bernanke, Mitte der Woche vor Kongressmitgliedern war mit Spannung erwartet worden. Die Wirtschaft werde in den nächsten Monaten nur langsam wachsen, sagte er. Besonders die Lage in Europa berge große Risiken für das Finanzsystem und die Wirtschaft der USA. Die Führer Europas sollten mehr tun, um die Krise zu bewältigen, sagte Bernanke, ohne auf mögliche Maßnahmen einzugehen. Die Fed sei auf alle Eventualitäten vorbereitet. Zu einem überstürzten Handeln bestehe kein Anlass - »die USA sind nicht Griechenland«.

Die Märkte hatten auf konkrete Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur gehofft. Der Anstieg der Arbeitslosenquote in den USA auf 8,2 Prozent hatte zuletzt den Druck auf Bernanke ansteigen lassen. Dies deutet auf eine rückläufige Wirtschaftsentwicklung hin, was auch den Wahlkampf von Präsident Barack Obama stört.

Zu Jahresbeginn hatte die Fed erklärt, dass keine geldpolitischen Maßnahmen nötig seien, da sich die Wirtschaft im Aufschwung befinde. In ihrem Wirtschaftsbericht, dem »Beige Book«, bestätigte sie in dieser Woche diese Einschätzung. Einige hochrangige Fed-Mitarbeiter zeigten sich mit der eingeschlagenen Richtung indes unzufrieden und mahnten mehr Unterstützung für die Wirtschaft an. Am 19. Juni tagt der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed, um über weitere Maßnahmen zu beraten. »Das Hauptaugenmerk des FOMC bleibt die künftige Ausrichtung unserer Politik«, sagte Bernankes Stellvertreterin Janet Yellen. »Wir müssen uns gegen weitere negative Einflüsse absichern. Ansonsten könnte unsere Wirtschaft in eine Abwärtsspirale geraten, aus der es so schnell kein Entkommen gibt.«

Richard Fisher, Fed-Präsident aus Dallas, meint, die Zentralbank solle nicht aktiv werden. Er sieht die Politik in der Pflicht. Obama wie auch Europas Regierungschefs sollten eine Balance zwischen Ausgaben und Schulden erreichen. Dies würde der Weltwirtschaft die nötigen Impulse versetzen.

Die Märkte sind nervös. Sollten die US-Wirtschaft in die Rezession geraten und Europa seine Probleme nicht in den Griff kriegen, drohe der Welt eine große Depression, so die Befürchtung. »Wenn sich die Wirtschaft nur so langsam erholt, wie es momentan der Fall ist, wird sie anfällig für jede noch so kleine Störung«, meinte der Wirtschaftsexperte David Jones. »Ich denke, wir sollten nicht nur über Finanzmarktpolitik reden, aber sie ist definitiv ein erprobtes Mittel.«

Die Möglichkeiten der Fed sind jedoch begrenzt. Der Leitzins liegt nahe Null. US-Schatzanleihen wurden bereits in Milliardenhöhe erworben und den Banken wurden billige Kredite vermittelt. Damit blieb das Finanzsystem stabil, notwendige Konjunkturimpulse konnten jedoch nicht gesetzt werden. Die Fed könnte noch kurzfristige Sicherheiten zugunsten langfristiger verkaufen, um die Zinsen niedrig zu halten. Wenn die Fed hingegen nun frisches Geld in die Märkte pumpt, könnte ihr das als Panikreaktion Angst ausgelegt werden. Genauso gut, könnte dies aber die Märkte beruhigen, meint Wirtschaftswissenschaftler Sung Won Sohn: »Wir brauchen einfach psychologischen Schwung.«


Lexikon

Das Federal Open Market Commitee (FOMC) ist das Entscheidungsgremium der US-Notenbank Fed. Der Offenmarktausschuss besteht aus zwölf stimmberechtigten Mitgliedern - sieben gehören dem Gouverneursausschuss der Zentralbank an, die anderen fünf Mitglieder werden aus den zwölf Regionalpräsidenten der Fed heraus bestimmt. Das FOMC tritt acht Mal im Jahr zusammen, um über die Geldpolitik der USA zu entscheiden. Dazu gehört maßgeblich die Festsetzung des Leitzinses. nd

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