Von Ralf Streck, Madrid
09.06.2012

Spaniens Banken brauchen Geld

Kapitalbedarf beträgt mindestens eine zweistellige Milliardensumme

Schlüpft Spanien unter den Rettungsschirm? Berichtet wird, dass das Land nach der Abstufung durch die Ratingagentur Fitch noch an diesem Wochenende den Antrag stellen wird.

Die übereinstimmende Meldung verschiedener Nachrichtenagenturen, die spanische Regierung werde noch am Wochenende einen Nothilfeantrag stellen, klingt plausibel. Längst ist klar, dass Spanien weitere Milliarden benötigt, um sein Bankensystem zu stützen. Unklar ist jedoch, woher das Geld kommen soll. Selbst wenn es dem Land gelänge, die benötigte Summe am Kapitalmarkt aufzunehmen, ginge dies nur zu einem schmerzhaft hohen Preis. Bei einer Versteigerung von zehnjährigen Staatsanleihen musste das Land am Donnerstag mehr als sechs Prozent Zinsen bieten, um am Ende 2,1 Milliarden Euro zusammenzubekommen. Die Bedingungen haben sich inzwischen weiter verschlechtert, denn die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Spaniens am späten Donnerstagabend gleich um drei Stufen abgewertet.

Auch Spanien ist nun in die Nähe eines Ramschniveaus gerückt, womit sich die Kreditaufnahme erschwert und weiter verteuert. Schon das derzeitige Zinsniveau kann man sich aber nicht für einen längeren Zeitraum leisten - der jährlich fällige Schuldendienst steigt dadurch kräftig an -, weshalb der Gang unter den temporären Euro-Rettungsschirm EFSF wohl der einzig gangbare Weg ist. Wie viele Experten rechnet auch Fitch damit, dass spanische Banken bis zu 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung benötigen. Dazu kommt, dass das Land in der Rezession steckt, die es nach Prognosen auch 2013 nicht verlassen wird. Das führt unter anderem dazu, dass die Arbeitslosigkeit weiter steigt und noch mehre Kredite ausfallen, womit der Kapitalbedarf der Banken weiter steigt.

Dass der spanische Hilfsantrag am Wochenende gestellt wird, dafür spricht auch die bisherige Praxis: Stets wird versucht, in derart dramatischen Situationen die Finanzmärkte vor vollendete Tatsachen zu stellen, bevor die Börsen öffnen. Panische Reaktionen sollen damit vermieden werden. Des Weiteren wird die konservative Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy schon am Wochenende die Summe kennen, welche die spanischen Banken aufbringen sollen, um sich gegen bereits faule und potenziell noch faul werdende Kredite finanziell zu wappnen. Das Ergebnis der Untersuchung des Kapitalbedarfs wird offiziell am Montag veröffentlicht; begleitet wird dies durch eine Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF).

In einigen Fällen ist der Kapitalbedarf schon bekannt. Die verstaatlichte Sparkassengruppe Bankia und ihre Muttergesellschaft BFA benötigen allein 23,5 Milliarden Euro. CatalunyaCaixa und Novagalicia benötigen nach Angaben der spanischen Notenbank weitere neun Milliarden. In diese schon zuvor verstaatlichten Kreditinstitute sind bereits knapp 4,5 Milliarden geflossen. Doch das sind nicht die einzigen Sorgenkinder. Die Summe von 40 Milliarden Euro, die verschiedene Medien unter Bezug auf den IWF-Bericht nannten, dürfte daher zu niedrig sein. Eine externe Studie von Wirtschaftsprüfern über den Kapitalbedarf der Banken wird erst in gut zwei Wochen erwartet.

Spanien hofft indes weiter auf einen Sonderweg. Die Regierung will durchsetzen, dass anders als in Griechenland, Irland und Portugal nicht der Staat, sondern nur das Bankensystem Geld aus dem Rettungsfonds erhält. Aber laut den Verträgen zu den beiden Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM ist nur vorgesehen, dass Staaten unter den Rettungsschirm schlüpfen. Das möchte die spanische Regierung aber vermeiden - die Kontrolleure der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF würden bei einem Gang des Staates unter den Rettungsschirm einen massiven Einfluss auf die Entscheidungen im Land erhalten.

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