Von Jirka Grahl, Kiew
13.06.2012

Klassiker bei 30 Grad

Es wird heiß, wenn Deutschland heute Abend in Charkow auf die Niederlande trifft

Die Ukraine feiert noch ungläubig ihren Sieg gegen Schweden, derweil reist die deutsche Mannschaft in Charkow ein, wo sie heute um 20.45 Uhr auf die Mannschaft der Niederlande trifft. Für die Oranjes geht es dabei schon um alles oder nichts.

Die EM hat für die Ukraine gut begonnen, kaum Probleme an den Spielorten, mal abgesehen von ein paar tausend Plätzen, die trotz ausverkaufter Stadien leer bleiben. Gelb-blau war gestern noch allgegenwärtig im Stadtbild von Lwiw, wie auch am Flughafen von Kiew, wo sich die wohlhabenderen ukrainischen Fans in die Flugzeuge setzten und beseelt vom Stadionbesuch zurück in die Heimatstädte düsten.

Am Flughafen Charkow herrschte gestern ebenfalls Hochbetrieb: 97 Maschinen mit Fußballfans aus Deutschland und den Niederlanden wurden bis heute erwartet, denn im Metaliststadion der zweitgrößten Stadt der Ukraine treffen die beiden Fußballriesen aufeinander.

Es geht um viel, und vor allem bei den Oranjes ist die Stimmung angespannt: »Es ist fünf vor zwölf«, zitierte das »Algemeen Dagblad« Arjen Robben. Auch Bondscoach Bert van Marwijk zeigte sich angespannt, vor allem wegen der Diskussionen um seine Aufstellung. Wer soll im Sturm spielen, weiterhin Robin van Persie (Arsenal London, bester Torschütze der Premier League) oder doch Klaas-Jan Huntelaar, Torschützenkönig der Bundesliga? Ein Luxusproblem, das den Trainer nervt: »Sie können mich noch so oft zur Aufstellung und Taktik fragen, ich werde nichts dazu sagen«, gab er sich zugeknöpft.

Sicher ist: So statisch und uninspiriert wie beim 0:1 gegen Überraschungssieger Dänemark wird die niederländische Mannschaft kaum agieren dürfen. »Es muss besser werden, ganz klar«, sagt auch Dirk Kuyt. »Wer so ein Turnier gewinnen will, muss Deutschland schlagen können.«

Sorgen bereitet beiden Teams das Klima. In Charkow herrschen derzeit sommerliche 34 Grad, fast 15 mehr als in Krakow, wo die Niederländer ihre Basis haben. Auch in Gdansk an der Ostsee herrschte bei der DFB-Abreise angenehme Sommerfrische (18 Grad). Im schwül-warmen Metaliststadion heute Abend wird es bei immer noch 30 Grad auch darauf ankommen, wer die Spielunterbrechungen richtig nutzt, um genug Flüssigkeit aufzunehmen.

Viel besser gelaunt als sein Kollege zeigte sich Bundestrainer Löw, aber auch er will sich »nicht definitiv festlegen« in Sachen Aufstellung. Womöglich gebe es noch »eine Eingebung«. Die Viererkette vom Auftaktsieg gegen Portugal dürfte gesetzt sein, auch im Mittelfeld besteht nicht unbedingt Handlungsbedarf, zumal sich beispielsweise Mesut Özil nach seinem wenig gelungenen Auftakt einsichtig zeigte: »Ich weiß, dass ich viel besser spielen kann.«

Auf den vakanten Platz im Ein-Mann-Sturm darf sich Mario Gomez zurecht viel Hoffnung machen. Die Pseudodebatte, die in Deutschland über das Für und Wider seines Einsatzes geführt wird, dürfte ihn dabei kalt lassen. Schließlich hat die deutsche Mannschaft in ihm genau das, was Teams wie die Niederlande bisher lautstark als vermisst meldeten: Einen Torjäger, der trifft.

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