Suchen auf neues-deutschland.de:

Von Detlef D. Pries
13.06.2012

Putins Gegner rufen zur Tat

Russlands Präsident zeigt sich vorerst unbeeindruckt

Der zum »Tag Russlands« in Moskau angekündigte oppositionelle »Marsch der Millionen« blieb bis zum frühen Dienstagabend friedlich. Präsident Putin gab sich kompromissbereit.

Der Duma-Abgeordnete Dmitri Gudkow verkündete am Ende des Moskauer »Marsches der Millionen« eine »gute Nachricht«: Die Demonstration der Gegner von Präsident Wladimir Putin zum »Tag Russlands« war für 50 000 Teilnehmer angemeldet und genehmigt worden. Gudkow, der die Partei »Gerechtes Russland« im Parlament vertritt, freute sich: »Die Polizei hat nur 22 000 gezählt, wir müssen also keine Strafe zahlen.« Denn eine der größten Sorgen der Organisatoren war es, dass das gerade erst verschärfte Versammlungsgesetz, das im Falle von Verstößen empfindliche Strafen vorsieht, prompt zu ihrem Schaden ausgelegt werden könnte.

Aktivisten der Opposition sahen freilich »gefühlte 100 000«, die vom Puschkinplatz durch die Moskauer Innenstadt zum Sacharow-Prospekt zogen, voran die Losung »Russland vorwärts - ohne Putin!« Dahinter allerdings hatten sich Marschsäulen höchst unterschiedlicher Kräfte mit ebenso unterschiedlichen Forderungen formiert: Während Anarchisten »Nein zu Faschismus und Kapitalismus« riefen und Nationalisten »Moskau für die Russen« reklamierten, forderten Oppositionspolitiker wie Boris Nemzow Neuwahlen und Verfassungsänderungen, um die Amtszeit des Präsidenten zu begrenzen. Der Schriftsteller Dmitri Bykow, der sich zur Rechten gesellte, hielt die »Zeit für Gespräche beendet«, man müsse handeln. Und Sergej Udalzow, Koordinator der Linksfront, rief zu einer »entscheidenden Aktion« am 7. Oktober auf - Putins 60. Geburtstag.

Udalzow war überraschend an der Spitze der linken Kolonne aufgetaucht, denn eigentlich hatten ihn die Ermittlungsbehörden zu einer Befragung geladen, nachdem die Polizei bei ihm und einigen anderen Oppositionellen am Vortag zu Hausdurchsuchsuchungen angerückt war. Nach Behördenangaben ging es dabei um Ermittlungen zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen, die nach dem ersten »Millionenmarsch« am 6. Mai ausgebrochen waren. Die Betroffenen betrachteten Durchsuchungen und Vorladungen dagegen als Einschüchterungsversuche vor dem Dienstagmarsch. Nur Udalzow blieb der Befragung fern und begründete das damit, dass er als Anmelder der Demonstration schließlich Verantwortung trage und sehen müsse, was da geschieht.

Es geschah jedoch bis zum Abschluss der Kundgebung auf dem Sacharow-Prospekt nichts sonderlich Beunruhigendes. Das Polizeiaufgebot war zwar gewaltig, aber nicht gewalttätig. Auch der Präsident war nicht beunruhigt. »Hitzige Diskussionen« seien für ein demokratisches Land normal, sagte Putin in seiner Rede zum Staatsfeiertag. Man müsse einander zuhören, respektieren und nach Kompromissen suchen. Nur auf evolutionärem Wege könne ein starkes, blühendes Russland entstehen. Inakzeptabel sei allerdings, »was dem Land schadet und die Gesellschaft spaltet«.

7 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar (Login erforderlich)
  • Kukuch / 12. Jun 2012 21:50

    Zu welcher Tag rufen denn die Putingegener eigentlich auf?

    Die Russen haben so viele Opfer zur Verteidigungung Ihrer Heimat gebracht, deshalb wünsche ich diesem Land Frieden und Konzentration auf eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Zu welchen Taten rufen die Putingegner eigentlich auf? Allein gegen etwas zu sein, reicht doch nicht. Aktivitäten müssen doch dem ganzen Volk dienen. Gegener on Putin: Sagt dem russischen Volk wie Ihr bessere lebensbedingungen schaffen wollt.

  • Ani-metaber / 12. Jun 2012 22:05

    Re: Zu welcher Tat rufen denn die Putingegener eigentlich auf?

    Vielleicht, endlich mal einfach nur das Maul aufmachen zu dürfen?

    Wäre doch auch schon ein konkretes Anliegen.

  • NaJa / 13. Jun 2012 08:42

    Wer demonstriert denn da?

    Rußland hat derzeit rund 140 Millionen Einwohner. Davon sind geschätzte 98 Mio Wahlberechtigte.
    Wenn wir annehmen daß die Zahl der Putingegner richtig ist, dann haben 50.000 Menschen gegen ihn demonstriert. Na und!
    Das sind gerade mal 0,0005 %.
    Hier in Westeuropa ist man etwa seit 1648 daran tätig um in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das System der demokratischen Rechtsstaaten zu etablieren.
    Das sind schlappe 300 Jahre und Millionen Tote.
    Rußland ist seit max 20 Jahren mit dieser Transformation beschäftigt.
    Was erwartet Ihr?
    Wunder dauern etwas länger.
    Das gleiche gilt übrigens für alle derzeitigen Diktaturen und zweifelhaften Regime.
    Allen "Betroffenen" sei geraten: Kümmer euch um euren Dreck vor der Haustür, dort liegt genug.

  • Rotspoon / 13. Jun 2012 11:02

    Re: Re: Zu welcher Tat rufen denn die Putingegener auf

    Sie haben wohl einen schlechten Tag, @ani-metaber: Das Maul aufmachen, war für Leute in Россия nie ein Problem. In den ГУЛАГ wanderte auch niemand wegen Maulaufmachens.

    Die deutschen Medien, das nd keinesfalls ausgenommen, pflegen eine anti-russische Linie, die ihren Ausdruck im Hätscheln einer "Opposition" und dem Putinansbeinpinkeln findet. Interessanterweise geschieht das jenseits der zwischenstaatlichen Bezoiehungen, trägt also auch irrationasle Züge, soll auch Ablenken von den deutschen Problemen.

  • Rotspoon / 13. Jun 2012 11:09

    Großmäulig titeln Sie hier, Detlef D. Pries

    Aber lassen den geneigte Leser im Text dumm sterben, denn er erfährt kein Wort über die"Taten", zu denen da angeblich gerufen wird.

  • Eton / 13. Jun 2012 12:12

    Re: Welche Taten für wen?

    Putins Aussage "vom Untergang der SU als grösster strategischer Katastrophe des 20. Jahrhunderts..." gilt für ihn heute erst recht. Weder ist Russland nach dem Ende des Kalten Krieges gleichberechtigt in den Kreis der (west-)europäischen Völker aufgenommen worden noch ist die strategische Einkreisung des Landes (Militärstützpunkte, Verbündete) durch die NATO beendet.
    Wo ist unsere von Chauvinismus, Ressentiments und Besserwisserei freie, unvoreingenommene Sicht auf die Vorgänge in Russland? Hat man hier Verständnis für die Besorgnisse, Wünsche und Forderungen Russlands oder tut sie einfach selbstgerecht ab? Putin agiert systematisch nach dem Grundsatz: Nur mit Ruhe und Eintracht im Innern und an den Außengrenzen gibt es Entwicklung. Die dabei angewandten Methoden mögen uns als sehr „unfein“ erscheinen, jedoch haben gerade wir wohl kaum das Recht, uns darüber zu mokieren.
    [quote]...begann Putin, die unter Jelzin an die Oligarchen verschacherte Wirtschaft zu renationalisieren. Doch der dafür in den westlichen Medien oft gebrauchte Begriff «Staatsmonopolkapitalismus» geht an der Wirklichkeit vorbei. Es ist nicht der Staat, der sich ein Monopol verschafft, sondern eine kleine Machtgruppe, die sich den Staat angeeignet hat und ihn als Instrument ihrer monopolistischen Interessen nutzt. Das Monopol dient zwei Zielen, die sich gegenseitig stützen: Gewinnmaximierung und Machterhalt.(..). die Elite werde nie freie Wahlen erlauben, weil sie wisse, dass sie dann nicht nur ihre Macht, sondern auch ihren illegitimen Reichtum verlieren würde. [/quote]
    Quelle: www.20min.ch/wissen/history/story/Wie-die-Sowjetunion-zum-Putin-Staat-wurde-15232734
    Nach Gorbatschows und Jelzis Chaos zielt Putin zunächst auf eine starke Zentralmacht und scheut sich auch nicht, Oligarchen an die Kette zu legen. Für die meisten arbeitenden „Russen“ ist das gegenwärtig vorteilhaft. Ob er allerdings die russische „Birokrazija“ in den Griff bekommt, kann niemand wissen.
    Chapeau, @Rotspoon!

  • Ani-metaber / 13. Jun 2012 12:13

    Re: Re: Re: Zu welcher Tat rufen denn die Putingegener auf

    Das scheint noch nicht mal mehr die russische KP unterschreiben zu wollen.

    Die Aussagen von und über "Pussy Riots" scheinen da wohl realistischer.

    Ansonsten Dank für die Nachfrage.
    Mir geht es auch heute nicht schlechter als sonst :-).

Werbung:

Werbung: