Von Jörg Soldwisch, SID
14.06.2012
Gruppe C

Kämpfen bis zum Umfallen

Irlands Torwart und Rekordnationalspieler Shay Given schwört sein Team auf die Spanier ein

Auf den irischen Torhüter Shay Given kommt heute im Spiel gegen Spaniens Offensivkünstler jede Menge Arbeit zu. Sein Auftritt gegen Kroatien war nicht gerade förderlich fürs Selbstbewusstsein, doch Given hat schon ganz andere Krisen überlebt.

Vor 15 Jahren schoss Shay Given den Bock seines Lebens. Im Trikot von Newcastle United rollte der Torhüter den Ball zwei Meter vor sich hin, um ihn dann nach vorne zu dreschen. Doch in seinem Rücken schlich sich ein Gegenspieler Namens Dion Dublin heran, mopste den Ball und schob ihn ins leere Tor. Seitdem kursiert ein beliebter Witz auf der »grünen Insel«: Shay Given ist der einzige Ire, der nicht weiß, wo Dublin ist ...

Wer nach einem solchen Fauxpas trotzdem eine so eine imposante Karriere hinlegt wie der inzwischen 36-Jährige, den wirft so schnell nichts aus der Bahn. Auch nicht der kuriose dritte Gegentreffer zum EM-Auftakt gegen Kroatien (1:3), als der Ball vom Pfosten an Givens Kopf und von dort ins Tor geprallt war. »Tja, was soll man da machen? Das sieht natürlich unglücklich aus, aber das beschäftigt mich nicht mehr«, sagte Irlands Rekordnationalspieler.

Was die Fußballfans in Irland vor dem schweren zweiten Gruppenspiel gegen Welt- und Europameister Spanien am Donnerstag in Gdansk aber interessiert, ist Givens Fitnesszustand. Zuletzt hatten ihn Muskel- und Knieprobleme immer wieder zurückgeworfen, gegen Kroatien strahlte der Keeper vom Premier-League-Klub Aston Villa nicht die Sicherheit aus, die ihn sonst auszeichnet. Doch Given wiegelt ab: »Ich bin fit. Natürlich hätte ich gerne mehr trainiert, aber es geht auch so.«

Es muss so gehen, denn im irischen Team ist Given unersetzlich. Die Torhüter Nummer zwei und drei, David Forde (FC Millwall) und Keiren Westwood (FC Sunderland), bringen es gemeinsam nur auf zwölf Länderspiele, Given auf insgesamt 123. Vielleicht beruhigt sich Trainer Giovanni Trapattoni deswegen auch immer ein wenig selbst, wenn er den nervösen Journalisten im Trainingscamp gebetsmühlenartig erklärt: »Shay ist fit. Es gibt keine Verletzung.«

Spätestens nach dem Spiel gegen Spanien, in dem es für die Iren schon um alles geht, wird man wissen, ob das nur ein Mutmacher oder die Wahrheit war. Given schwor sein Team vor der scheinbar unlösbaren Aufgabe ein: »Schwerer kann es zwar nicht sein, aber sie werden Iren erleben, die bis zum Umfallen kämpfen. Hoffentlich können wir sie ärgern.«

Sollte Irlands EM-Aus jedoch bereits nach dem zweiten Gruppenspiel feststehen, kann Given vielleicht Trost bei seinem tierischen Namensvetter suchen. Ein Zoo im Süden der grünen Insel hatte einen neugeborenen Gibbon kurz vor EM-Start auf den Namen »Shay Gibbon« getauft. »Hi Shay, großartiger Name«, twitterte der Torhüter, und seine Frau Jane meinte: »Er ist so süß, ich würde unser kleines Äffchen gerne für einen Besuch mitnehmen.« Affentheater hat Given und dem irischen Team aber gerade noch gefehlt.