Von Jürgen Amendt
16.06.2012

Zweifelhafter Geldsegen

Universitäten nehmen das Geld aus der Exzellenzinitiative zwar gern an, doch es gibt auch Kritik

Mit einer Finanzspritze wollen Bund und Länder die Spitzenforschung an den Hochschulen stärken. Die Gelder der Exzellenzinitiative - es geht um insgesamt 2,7 Milliarden Euro - seien jedoch besser für die Breitenförderung ausgegeben, argumentieren die Kritiker.

Der Präsident der Bamberger Universität, Godehard Ruppert, sprach gestern morgen in einem Interview mit »DeutschlandRadio Kultur« aus, was wohl viele seiner Kolleginnen und Kollegen denken. Die Exzellenzinitiative tue der deutschen Hochschullandschaft zwar gut, weil hierdurch neue Projekte auf den Weg gebracht würden, allerdings werde die chronische Unterfinanzierung des Hochschulsystems dadurch nicht behoben. »Im Gegenteil«, sagt Ruppert und belegt das mit einem Beispiel: Die Berufung einer hoch qualifizierten Professorin an die Otto-Friedrich-Universität in der fränkischen Kleinstadt scheiterte am Geld. Die Kollegin sei von der Konkurrenz, einer sogenannten Eliteuniversität, mit viel Geld abgeworben worden.

Auch Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Eliteförderung skeptisch. Der Hochschulexperte der Bildungsgewerkschaft fürchtet vor allem Nachteile für den akademischen Mittelbau. Die Exzellenzinitiative haben in der Vergangenheit nicht verhindern können, dass es zu einer »dramatischen Ausweitung befristeter Arbeitsverhältnisse« im Mittelbau gekommen sei. »Kamen 2005 auf einen wissenschaftlichen Angestellten mit Dauervertrag noch vier Kolleginnen und Kollegen mit Zeitvertrag, waren es 2010 bereits acht. Die meisten Zeitverträge haben eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Mit der Ausweitung des Hire-and-Fire-Prinzips schaden die Hochschulen der Kontinuität und Qualität ihrer Forschung und gefährden die Attraktivität ihrer Arbeitsplätze«, kritisiert Keller, der Bund und Länder aufforderte, die Vergabe der Gelder künftig mit Auflagen für die Universitäten zu verbinden.

Mit dem Geld aus der Eliteinitiative könnte man sinnvoller den Mangel in der Breitenforschung bekämpfen, meint Salome Adam vom studentischen Dachverband fzs. Mit den 2,7 Milliarden Euro werde »kein einziger Studienplatz geschaffen«. fzs-Vorstandskollege Erik Marquardt bemängelt, dass die Fachhochschulen bei der Förderung außen vor bleiben.

Der Elitewettbewerb wurde 2004 von der damaligen Bildungs- und Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ins Leben gerufen. Ursprüngliches Ziel war es, nicht mehr als sechs Hochschulen zu »Leuchttürmen« in der deutschen Hochschullandschaft auszubauen. Vorbilder waren die international renommierten Eliteunis wie Harvard, Oxoford oder Cambridge. Herausgekommen ist eine recht abgespeckte Variante der Eliteförderung. Das machen zwei Zahlen deutlich: In der aktuellen Förderrunde werden 2,7 Milliarden Euro vergeben, verteilt auf mehrere Jahre heißt das pro Uni ungefähr 100 Millionen Euro zusätzlich; der Jahresetat von Harvard aber beträgt allein umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro.

Überhaupt ist es angesichts der Notwendigkeit, immer mehr Menschen in einer Gesellschaft eine qualifizierte Bildung zukommen zu lassen, zweifelhaft, ob es dafür einzelne Leuchttürme braucht, die einsam aus der Masse herausragen. Leuchttürme, so Godehard Ruppert, »stehen einsam in der Landschaft, dulden um sich herum eigentlich relativ wenig und wenn man genau hinschaut, dienen sie heute eigentlich nur noch touristischen Zwecken. Das kann doch nicht das sein, was wir mit Universitäten wollen.«

Ins gleiche Horn stieß gestern der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler. Der Aufwand, den die Hochschulen für die Bewerbung zur Exzellenzinitiative betreiben mussten, sei zu groß gewesen, kritisiert Hippler in der heutigen Ausgabe des »Kölner Stadt-Anzeiger«. »Eine weitere Exzellenzinitiative dieser Art kann man sich nicht leisten.« Da muss Hippler keine Sorge haben, denn 2017 läuft das Programm aus und eine dritte Förderrunde ist bislang nicht beabsichtigt. Der Historiker Jörg Baberowski von der Berliner Humboldt-Universität sprach von einem »Wissenschaftszirkus« und bemängelte die einseitige Ausrichtung der Förderanträge an den Technik- und Naturwissenschaften.

Insgesamt hatten sich 16 Universitäten in der zweiten Runde des seit 2005 ausgelobten Wettbewerbs beteiligt. Um die Mittel musste sich die Universitäten und Hochschulen in drei Kategorien bewerben: Zum einen werden Promotionsprogramme (Graduiertenschulen) finanziert, zweitens Forschungsverbunde verschiedener Wissenschaftsdisziplinen (Exzellenzcluster) und drittens die Universitäten selbst. Ein Erfolg bei der Bewerbung in den ersten beiden Kategorien ist dabei die Voraussetzung dafür, in der dritten Kategorie ausgezeichnet zu werden.

Die jetzt vergebenen 2,7 Milliarden Euro werden den Siegern des Elitewettbewerbs bis 2017 zur Verfügung gestellt, das sind rund 800 Millionen Euro mehr als in der ersten Runde von 2006 bis 2011 ausgegeben wurden. Der Anteil des Bundes am Förderprogramm beträgt 75 Prozent, die restlichen 25 Prozent müssen von den Ländern aufgebracht werden. Dass der Länderanteil ein Nachteil sein kann, zeigte sich schon bei der ersten Runde. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte damals betont, dass die Befürchtung, ein Bundesland könne diese Summe nicht dauerhaft garantieren, natürlich die Chancen eines Bewerbers aus diesem Land deutlich verringere. Folge: Sechs der neun »Leuchttürme« wurden in Baden-Württemberg und Bayern aufgestellt.