18.06.2012

UNO setzt Syrien-Mission aus

Lage für Beobachter zu gefährlich / Auch am Wochenende wieder viele Todesopfer

Die Blauhelme geben vorerst auf: Für die unbewaffneten UN-Beobachter sei es in Syrien zu gefährlich geworden. Am Wochenende sollen wieder über 70 Menschen von den Sicherheitskräften des Regimes getötet worden sein. Im belagerten Homs spitzt sich derweil die Lage für die Zivilisten zu.

Damaskus (dpa/nd). Die UN-Beobachter setzen ihre Mission in Syrien vorerst aus. Grund dafür sei die eskalierende Gewalt im Land, erklärte der Chef der Beobachtermission UNSMIS, der norwegische General Robert Mood. Bei Angriffen der Sicherheitskräfte des Regimes von Präsident Baschar al-Assad sollen am Sonntag nach Angaben von Aktivisten erneut elf Menschen getötet worden sein. Fünf Menschen seien im Großraum Damaskus gestorben, drei in der Provinz Homs, zwei in der nördlichen Provinz Aleppo und einer in der südlichen Provinz Daraa. Schon am Tag zuvor waren laut dieser Quelle 59 Menschen getötet worden. Indessen verschlimmert sich die Lage von Zivilisten, die in vier Stadtteilen von Homs eingeschlossen sind, dramatisch. Mehr als 1000 Familien »haben nichts mehr zu essen und keinen Zugang zu ärztlicher Betreuung«, erklärte ein Mitarbeiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

»In dieser überaus riskanten Situation setzt UNSMIS ihre Aktivitäten aus«, sagte Mood. Die Beobachter führten vorerst keine Patrouillen mehr durch. Die Aussetzung der Mission werde täglich überprüft, heißt es in der Stellungnahme des Generals weiter. Die mehr als 300 Mann starke, unbewaffnete Blauhelmmission ist seit April in dem arabischen Land. Sie soll eine von Syrien-Vermittler Kofi Annan mit den Konfliktparteien ausgehandelte Waffenruhe überwachen. Da jedoch weiter gekämpft wurde, dokumentierten die UN-Beobachter vor allem Massaker an Zivilisten, die Truppen und regimetreue Milizen Ende des Vormonats in der Provinz Homs begangen haben sollen.

Das syrische Außenministerium zeigte in einer ersten Reaktion »Verständnis« für das Aussetzen der Beobachtermission. »Bewaffnete terroristische Gruppen« hätten seit der Annahme des Annan-Plans ihre Angriffe verstärkt und selbst die UN-Beobachter attackiert, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums, die in Damaskus veröffentlicht wurde.

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