Von Hansdieter Grünfeld
18.06.2012

Ein Füllhorn bunter Klänge

Montagskonzerte zur blauen Stunde im Amphitheater Monbijou

Bis zum 3. September gibt es sie wieder, die Montagskonzerte zur berühmten blauen Stunde. In Berlins naturbelassenstem Veranstaltungsort, dem komplett aus Holz gebauten Amphitheater Monbijou, werden erneut Musiker aus der Hauptstadt, aus der Schweiz, aus Serbien, Polen, Rumänien und Russland auftreten. Zwar wächst die Zahl der Freiluftveranstaltungen. Aber die Montagskonzerte dürften die einzige Musikreihe Deutschlands, wenn nicht Europas sein, auf der gratis Schaumstoffkissen und bei Bedarf Decken und Regenumhänge angeboten werden.

Mit Trio Fado, im heutigen Abendprogramm, kommt eine Gruppe, die auch 1300 Jahre portugiesische Kulturgeschichte repräsentiert. Gebar sich der Fado, »Die Musik der Traurigen«, in seiner heutigen Ausprägung zwar erst im vorletzten Jahrhundert, so wäre er genau wie der spanische Flamenco ohne den Einfluss arabischer Lebens- und Musikelemente nie entstanden. Die portugiesische Gitarre, ein Drittel kleiner als die spanische, gleicht schon in ihrer Gestalt fast der arabischen Laute. »Al 'oud«, das Holz, aber kam in den Jahren 711/712 mit den anlandenden Mauren auf die iberische Halbinsel. Die Mauren bezeichneten Portugal als Lusitania und zählten es zu El-Andalus (Andalusien).

1822 erklärte Portugal den Katholizismus zwar zur Staatsreligion. Doch der bekannteste Wallfahrtsort des Landes heißt Fatima, und das ist der Name der jüngsten Tochter Mohammeds.

Die Gruppe Gipsy Restaurant, seit zwei Jahren ein integraler Veranstaltungsblock der Montagskonzerte, bekannt geworden durch regelmäßige Auftritte in Klärchens Ballhaus in wechselnder Besetzung, unter Leitung von Pan Marek, wird auch in diesem Jahr drei Mal zu erleben sein.

Mit The Duscha Orchestra kommt ein Quartett nach Berlin, das mühelos gekonnt musikalische Wanderungen von der Schweiz bis Chicago vollzieht. Besondere Aufmerksamkeit gebührt dem Akkordeonspieler Goran Kovacevic. Neugierig macht der Auftritt von Romni Romano, der sich als Russian Gipsy bezeichnet, und gesanglich, wie auf der Gitarre, zum Sinti-Jazz hingezogen fühlt. Die klezmeyers bezeichnen ihre Musik als Modernen Klezmer, Di Grine Kusine nennt ihr Programm »Weltmusik aus Berlin«, und Sängerin Oana Catalina Chitu schwelgt im »Bukarester Tango«. Als »Polish melodic Jazz« umreißt das Kuba Stankiewicz Quartett seine Musik, die sich manchmal auch bewusst Frédéric Chopin annähern wird.

Alles in allem: Auch die Montagskonzerte 2012 zur berühmten blauen Stunde, empfehlen sich als ein Füllhorn bunter Klänge.

Konzerte: jeden Montag bis 3.9., jeweils ab 20.30 Uhr, Amphitheater im Monbijoupark in Berlin-Mitte, Eingang Monbijoustraße, Tel.: (030) 288 86 69 99, amphitheater-berlin.de

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