18.06.2012

Paukenschläge

Standpunkt von Uwe Sattler

Für gleich zwei Paukenschläge hat Griechenland am Wochenende gesorgt: Mit dem unerwarteten 1:0 über Russland geht Hellas in die nächste Runde der Fußball-EM - und mit Alexis Tsipras stand der erste tatsächlich Linke unmittelbar vor der Regierungsübernahme in einem EU-Land. Selbst wenn das künftige griechische Kabinett aus Konservativen und Sozialdemokraten gebildet werden sollte - am Linksbündnis SYRIZA und dessen Positionen kommt kein Premier in Athen mehr vorbei.

Die nicht nur in Griechenland gebetsmühlenhaft wiederholten Vorurteile, die Linke verfüge über keine Wirtschaftskompetenz und sei nicht in Regierungsverantwortung wählbar, sind mit dem Abstimmungsergebnis ins Reich der - bürgerlichen - Märchen verbannt. Der Erfolg von SYRIZA belegt, dass Programme gegen den europaweit herrschenden neoliberalen Kurs, wenn sie denn realistisch und nachvollziehbar sind, ankommen. Diese hat Griechenlands Linke vorgelegt und sich dabei keineswegs nur auf die Ablehnung der Spardiktate beschränkt, sondern zugleich Investitionsstrategien und Wege zu einer Reformierung des Staatswesens vorgeschlagen.

Und Brüssel? Dort hat man sich trotz aller Drohworte und -gebärden längst auf die neue politische Rolle von SYRIZA eingestellt. Schon mehren sich die Stimmen, dass man durchaus die Sparvorgaben überdenken sollte und könnte. Die EU braucht einen Euro-Staat Griechenland, will man nicht die gesamte Integration infrage stellen. Und Athen braucht Europa. Das weiß man in Brüssel, und das weiß auch Alexis Tsipras.

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