20.06.2012
Meine Sicht

Ohne Profit

Martin Kröger zur Privatisierung der S-Bahn

Noch ist das letzte Wort in Sachen S-Bahn nicht gesprochen. Dennoch zeichnet sich eine Tendenz ab: Bei allen Lippenbekenntnissen für eine Direktvergabe an ein kommunales Unternehmen oder den Weiterbetrieb durch den Bahnkonzern erwägt der Senat ab sofort ebenso ernsthaft, Private ins Boot zu holen. Möglicherweise geht also der gestrige Tag als Beginn des Endes der Berliner S-Bahn als einheitlichem Unternehmen in die Geschichtsbücher ein.

Doch soweit es noch nicht. Das letzte Wort in Sachen Teilprivatisierung bei der S-Bahn hat das Abgeordnetenhaus. Dort sitzen bekanntermaßen viele Gegner des Vorhabens - nicht zuletzt in der SPD selbst. Dass die mögliche Zerschlagung der S-Bahn im Landesparlament eine Mehrheit findet, ist deshalb stark zu bezweifeln.

Nun heißt es immer wieder, die Deutsche Bahn als staatliches Unternehmen habe doch bewiesen, dass es die S-Bahn nicht gut betreiben kann. Angesichts des Chaos und des immer noch großen Aufholbedarfs an Wartung und Werkstattkapazitäten ist das tatsächlich schwer von der Hand zu weisen. Schließlich hat die Profitgier des Bahnkonzerns maßgeblich in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, die S-Bahn kaputt zu machen.

Aber heißt das im Umkehrschluss automatisch, dass es Private besser können? Diese Frage lässt sich angesichts der Erfahrungen mit Privatisierungen in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge mit einem klaren Nein beantworten. In der Privatwirtschaft bestimmt immer die Rendite das Handeln. Doch genau diese Denke hat im öffentlichen Personennahverkehr nichts verloren. Denn die Gewinne müssen ja irgendwoher herkommen: Entweder geht es dann zulasten der Beschäftigten oder die Fahrpreise steigen. Dass der Senat beides für die Zukunft ausschließt, ist absolut unglaubwürdig.

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