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20.06.2012

Unter Vorbehalt

Kommentar von Olaf Standke

Es heißt, die beiden könnten nicht sehr gut miteinander. Und Wladimir Putin hatte die erste Begegnung nach seiner Rückkehr in den Kreml auch hinausgeschoben, als er seinen Vorgänger, den nunmehrigen Regierungschef Dmitri Medwedjew, zum G8-Gipfel nach Chicago schickte. Zwischen Raketenabwehr, Iran und Syrien gab es zuletzt genug Reizthemen und massive Vorwürfe zwischen Moskau und Washington. Daran gemessen verlief die Begegnung mit Barack Obama am Rande des G20-Gipfels im mexikanischen Los Cabos jetzt geradezu harmonisch - ohne dass es konkrete Vereinbarungen gegeben hätte. Aber »freimütig, nachdenklich und tiefgehend« sei ihr Gespräch gewesen, und zumindest haben Obama und Putin in einem gemeinsamen Appell »eine sofortige Einstellung aller Gewalt« sowie einen politischen Prozess zur Konfliktlösung in Syrien gefordert. Das Volk dort müsse unabhängig und demokratisch über seine eigene Zukunft entscheiden.

Gut möglich, dass Putin seinen Amtskollegen schon bald an diese Erklärung erinnern muss, wenn auch Syrien zum Thema in der heißen Phase des US-amerikanischen Wahlkampfs wird. Überhaupt läuft in den bilateralen Beziehungen gegenwärtig alles unter Vorbehalt. Beim nach wie vor ungelösten Streitpunkt NATO-Raketenabwehr, die von Russland in ihrer bisher geplanten Form als Bedrohung wahrgenommen wird, hatte das Obama dank eines nicht abgeschalteten Mikrofons sogar schon einmal unfreiwillig öffentlich gemacht: Nach seiner Wiederwahl könne man sicher viel einfacher eine Einigung finden.

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